Historisches: Marathon 3

21. April 2018, 14:13 Uhr
geschrieben von Rudi Hummel

1984 - Orwell in Wien:

Auch Affen haben eine Vergangenheit:

1980 wird die neue Reichsbrücke eröffnet, die Donauinsel erst 1988 fertiggestellt. Hier werden allerdings schon Marathonläufe in der Zeit vor dem „Wiener Frühlingsmarathon" organisiert. Der SONY-Walkman ist ebenfalls ab 1980 im Wiener Fachhandel erhältlich, die erste bescheidene Möglichkeit für Läufer sich von einer MC Musik ins Ohr zu spielen. Auf der Donauinsel wird die übergroße Bronzefigur eines Läufers mit Ohrstöpsel errichtet (wo ist die eigentlich hingekommen?) und Ostbahn Kurti / Dr. Kurt Ostbahn beginnt in diesem Jahr die Wiener Musikwelt zu revolutionieren.

Die Computer der Uni Wien bewegen sich in der Größe zwischen Kasten bis Gemeindebaubadezimmer und der Leistungsfähigkeit eines heutigen „Wischtelefones". Fotos werden noch auf Negativfilm gebannt (Kodak, Agfa, Fuji). Sie werden nicht so oberflächlich-inflationär betrachtet wie heute und sind damals so richtig teuer. Schwarz-weiß dominiert auch die seltenen Sport-Zeitschriften. Gerade einmal die Titelblätter sind in Farbe.
SW kopieren funktionierte ganz gut, es gab einige Copy-Shops und sie verdrängten viele der bis dahin unzähligen Druckereien. RANK XEROX brachte einen schnellen und ausdauernden Kopierer auf den Markt- den „Marathonkopierer".

Der Hauptsponsor vom 1. Wiener Frühlingsmarathon war gefunden. Die „ZENTRALSPARKASSE" war damals der zweite Gönner, die orangen Kugeln mit dem schwarzen „Z" auf weißem Grund über ihren Filialen prägten damals das Wiener Stadtbild. SEMPERIT war noch ein angesehenes Unternehmen und stand ebenfalls auf der Sponsorenliste.

Die Polizei in ihren grünen Uniformen (fünf Meter grüner Stoff = Kottan) und die grauen Mäuse = Gendarmerie, damals in grauen Uniformen, sicherten die Strecke. Dolfi Gruber hetzte seine Verehrer in endlosen Intervallen die Hauptallee auf und ab und A.Lydiard´s und Dr.van Aakens Ausdauertrainingslehren waren nur wenigen Marathonteilnehmern 1984 bekannt. Manfred Steffny`s Erfolgsbuch „Marathontraining" war jedenfalls im guten Fachhandel schon erhältlich. Der NIKE Tailwind (erster Laufschuh mit Luftpolster-Sohle) war schon länger entwickelt und in Wiens ausgesuchten Geschäften ebenfalls erhältlich, aber genauso exotisch wie die Frauen beim Marathonlauf. Von den 795 Finishern 1984 waren gerade mal 25 „Finisherinnen". Bei den Spielen in Los Angeles im August 1984 durften erstmals Frauen die Marathonstrecke „Olympisch" laufen. In Wien auf der Donauinsel im Herbst 1983 wurde allerdings von der damals 12 Jährigen Monika Frisch in 3 Stunden und 10 Minuten schon Marathon gelaufen (ÖSTM). Sie war 1985 als 14 jährige beim Graz-Marathon nochmal erfolgreich dabei.

Der Zeitgeist von damals bewegte sich in der Szene eher zwischen Mutprobe und Wahnsinn. Ein Iron Man Zieleinlauf heutzutage gleicht sozusagen einem Kindergeburtstag gegenüber einem bewältigten Marathon damals, kein Scherz!

Streckenführung: Es wurde der Ring umkurvt, dann ging es weiter in die Hauptallee und bei der Urania wieder retour auf den Ring. Das Ganze drei Mal. Start Rathausplatz, Ziel Heldenplatz. Es wurde mit den Frühlingsläufern gemeinsam gestartet, was bei den schnelleren Marathonläufern für Verwirrung sorgte. Der spätere 3.Platzierte John Makanya dürfte sich an den schnellsten Kurzstrecklern orientiert haben. Er ging gegen KM 35 in der Lusthausstraße fürchterlich ein und wurde deutlich langsamer, die beiden schnellen Polen Antoni Niemczak (1. Frühlingsmarathonsieger in Wien, 02:12:17) und Jerzy Skarzynski (2. Platz) überliefen ihn wenig später, Makanya erholte sich aber wieder und brachte es zu Ende. Ich befand mich gerade in meiner 2. Runde, strotzte daher zu diesem Zeitpunkt noch vor Kraft und hatte das Glück vieles davon life mit zu erleben. Gerhard Hartmann, unser Vorzeigeathlet dieser Jahre, war wie meist bester Österreicher (6. Platz). Das war der Beginn seiner großen Auftritte hier beim Frühlingsmarathon in Wien.

In den nächsten Jahren wurde die Strecke mehrmals geändert. Man lief dann über die Reichsbrücke durch den Donaupark & Wasserpark und ein 2. Mal über die Reichsbrücke zurück in die Innenstadt. Für uns Affen aber ganz interessant und wichtig: Über all die Jahre wurden nach Befragung meiner grauen Alzheimer-befallenen Zellen BANANEN zur Stärkung bei dieser Veranstaltung gereicht. Im Jahr 1984, der Erstaustragung, sogar vor dem Cafe Landtmann neben dem Burgtheater!!! So, jetzt bin ich diese wichtige Info für uns doch noch losgeworden und möchte in diesem Zusammenhang noch erwähnen, dass wir zu Weihnachten 1984 unsere roten Pavianärsche abgefroren haben um unseren natürlichen Lebensraum zu schützen/erhalten:

Die Hainburger Au, unser „Dschungel" wurde besetzt und erfolgreich verteidigt....das mit dem Rauchen bekommen wir auch noch hin! So zupfe ich mein ergrautes Haupthaar, sende allen TRI Sports Monkeys sowie der neugierigen Gastleserschaft freundliche Grüße und wünsche wenig Blasen und Krämpfe beim bevorstehenden Jubiläumsmarathon,
Euer Silberrücken

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