4x Rundumadum

12. November 2019, 18:39 Uhr
geschrieben von Michael Urban

Es war Mitte Mai als die Zeitung für Leser online über einen Wanderweg rund um Wien berichtete, 120 Kilometer mit einem Vorschlag für 24 Etappen. Darunter ein Posting, dass es hier auch einen sehr netten Traillauf geben soll. Fasziniert von der Vorstellung, dass es tatsächlich Leute geben soll, die mehr als 100 km rund um Wien laufen können, klickte ich auf den beigefügten Link um mehr darüber zu erfahren.

Wien Rundumadum (WRU) umfasst sechs unterschiedliche Bewerbe, Einzelwertungen über 42, 61, 88 und 130 km sowie Staffeln über 61 und 130 km. Die Details zur „Ganzen gmischten G´schicht“ waren beeindruckend: 130 km, 1.900 Höhenmeter, 2-6 Läufer bei freier Wahl der Übergabestellen. Mir war sofort klar, da müssen die Monkeys dabei sein. Ein erster kurzer Rundruf brachte auch gleich ausreichend viele Interessenten, um mindestens eine Staffel stellen zu können.

Letztlich sollten es insgesamt drei 6er-Staffeln werden, die die 130 km am 2. November in Angriff nehmen wollten. Dazu starte Stefan Eichinger allein über die 88 km. In den Wochen vor dem Start stellte sich heraus, dass die Ausfallraten aufgrund ungünstiger Dienstpläne, Verletzungen und den im Herbst üblichen Erkältungen nicht zu unterschätzen sind. Zum Glück finden sind in einem so großartigen Verein wie den Sports Monkeys jederzeit Leute, die gerne Mal zwischen 15 und 25 km laufen, so dass wir alle Ausfälle gut ersetzen konnten.

Während die 83 Einzelstarter über die 130 km bereits um 5:30 noch im Dunkeln starteten, ging es für die 31 130 km-Staffeln und die 59 Einzelstarter über 88 km um 8:30 los. Bei optimalen Wetterbedingungen sollte es ein langer Tag für alle werden. Nach dem Start bei der U1-Station Alte Donau ging es entlang der Neuen Donau und Donau bis zum Kahlenbergerdorf, wo der erste große Anstieg auf den Leopoldsberg wartete, weiter über Neuwaldegg wieder runter bis Hütteldorf um gleich in den nächsten starken Anstieg nach Laab im Walde überzugehen. Anschließend ging es über Liesing und Alterlaa zum Wienerberg, vorbei am Verteilerkreis, Richtung Zentralfriedhof nach Kaiserebersdorf um bei Freudenau wieder das stark verbaute Gebiet zu verlassen und über Donauinsel entweder zurück zu Start und Ziel (88 km) zu laufen, oder in der Lobau das Schlussdrittel in Angriff zu nehmen. Über Essling und Aspern führte die Strecke entlang der nördlichen Stadtgrenze Richtung Gerasdorf, weiter über den Bisamberg auf die Donauinsel bei Strebersdorf und von dort zurück zu Start und Ziel.

Für die Monkey-Staffeln waren Lukas Hartmann (Sports Monkeys Speed), Robert Schlederer (Sports Monkeys Fun 1) und Alexandra Hahn (Sports Monkeys Fun 2) die Startläufer. Während Luki den Namen seiner Staffel alle Ehre machte und als einer der ersten bei der ersten Verpflegungsstation auf der Marswiese war, liefen Robert und Alex gemeinsam mit Stefan die ersten 23 km.

Da ich Ende September mein Knie beleidigte und keine langen Läufe machen konnte, war ich zum zuschauen verurteilt und nur mehr als Non-running Captain und Support für die Fun 2-Staffel im Einsatz. Meinen Teil durch die Lobau nach Gerasdorf würde Vinci übernehmen.

Ich verfolgte also via nicht immer ganz zuverlässiger GPS-Tracker online wo die Vereinskollegen unterwegs waren und bereite mich langsam auf meinen Einsatz als Fahrradbegleitung ab Steinspornbrücke vor. Dank einer sehr ausgefeilten Excelberechnung von Andrea hätten sich theoretisch alle Punkt genau auf ihren Einsatz vorbereiten können. Wie erwartet lief Alex deutlich schneller den Nasenweg auf den Leopoldsberg rauf, so dass bereits die erste Übergabe an Ute um rund 20 Minuten früher stattfand als erwartet. Ute, die überlicherweise auf der flachen Hauptallee trainiert, lief ihren ersten Trailrun ebenfalls deutlich schneller als geplant und übergab das Staffelpaket (GPS-Tracker, Startnummernband, Notfallspaket, etc) deutlich vor halb 1 in Hütteldorf an Andrea. Trotz ihrer Warnungen, dass schneller als geplant laufende Staffelmitglieder, die Nachfolger unter Druck setzen, rechtzeitig bei der Übergabestelle zu sein, lief auch sie fast 20 Minuten schneller als angekündigt. Zumindest war so sichergestellt, dass die übernehmenden Staffelläufer nicht lange warten mussten. Während Wolfgang auf dem vierten Teil von Liesing bis Steinspornbrücke unterwegs war, präparierte ich mein MTB, um gemeinsam mit Vinci im Dunkeln durch die Lobau zu düsen. Wolfgang, der erst kurz vor dem Antritt, eine hartnäckige Erkältung hinter sich lassen konnte, hielt sein geplante Geschwindigkeit, so dass Vinci und ich kurz nach halb 6 von Wolfgang und seinem Support Ute bei der Steinspornbrücke übernehmen konnten. Während wir auf die beiden warteten kamen Dani und Petra von der Fun 1-Staffel und Andrea, die zusätzlich noch einen Arbeitskollegen begleiten wollte, vorbei - ein kurzes Foto (schwierig aufgrund diverser Stirnlampen und Leuchstreifen auf der Kleidung) und sie waren auch schon wieder in der Nacht verschwunden.

Wenige Minuten später war auch Vinci unterwegs. Durch die nächtliche Lobau, gefühlt hunderte Kilometer von der Stadt entfernt, war ein besonderes Erlebnis. Da Vinci unglaublich schnell unterwegs war (rund 4:00 / km), musste ich mich voll auf die Strecke und die Navigation konzentrieren. Obwohl ich die Strecke im Vorfeld zweimal mit dem Rad gefahren war, war es in der Nacht doch nicht ganz einfach immer sofort den richtigen Weg zu finden. Einige kleine Unsicherheiten und falsche Abzweigungen hatten wir zum Glück schnell gelöst. Dank Vincis Schnelligkeit trafen wir viele andere Teilnehmer, die auf verschiedenen Distanzen, allein oder in der Staffel unterwegs waren. Persönlich war ich überrascht, dass so viele Teilnehmer ohne Begleitung durch die Nacht liefen oder gingen. Eine Möglichkeit, die wir als Wiener wahrscheinlich nicht immer ausreichend schätzen.

28 km und knapp 2 Stunden später die letzte Übergabe in Gerasdorf. Während sich unsere Speedstaffel mit riesen Schritten dem Ziel näherte und Stefan auch schon auf den letzten Kilometern war, ging Thomas auf die letzten 22 km. Für mich hieß es erstmals einen Gang zurückschalten. Nichts desto trotz war auch Thomas auf den seinen ersten Kilometern schneller als geplant. Über den Bisamberg war es stellenweise einfacher zu laufen als mit dem Rad zu begleiten, da die Wege mitunter sehr eng und uneben waren. Auch waren hier viele Nordic Walker unterwegs, die die 42 bzw 61 km absolvierten. Am Marchfeldkanal, dann noch eine kurze Schrecksekunde als sich nur wenige Zentimeter neben meinem Rad zwei Biber in Bewegung setzten - zum Glück hatte ich genug Platz zum Ausweichen. Thomas musste zwar auf den letzten Kilometern über die Donauinsel dem etwas zu hohen Anfangstempo Tribut zollen, erreichte aber nach insgesamt 13:40 Stunden, kurz nach 22 Uhr das Ziel, wo die StaffelkollegInnen bereits warteten und ihn lautstark begrüßten.

Knapp 20 Minuten später erreichte Markus als Schlussläufer der Fun 1-Staffel ebenfalls das Ziel und komplettierte die beeindruckenden Leistungen der 19 Monkey-Läufer:

Sports Monkeys Speed 11:23 (Drittschnellste 6er-Staffel)
(Lukas Hartmann, Ralph-Christian von Lindhoudt, Michi Pober, Franziska Sieß, Ronald Weber, Gerald Palkovich)

Sports Monkeys Fun 2 13:40

(Alexandra Hahn, Ute Schmidt, Andrea Sutrich, Wolfgang List, Vincent Hummel, Thomas Prasch)

Sports Monkeys Fun 1 13:59

(Robert Schlederer, Yasin Elbizante, Martina Schmölz, Daniela Petrik, Petra Hell, Markus Potthast)

Stefan Eichinger (88 km) 11:57

Schnellster über die 130 km Einzel war Klemens Huemer, der in beeindruckenden 12:19 Stunden den Lauf absolvierte und mit mehr als einer Stunde Vorsprung ins Ziel kam. Bei den 130 km-Staffeln setzte das Team ‚Mission subTen‘ ihr Programm um und erreichte als 3er-Staffel nach 9:58 Stunden das Ziel.

Angesichts der perfekten Organisation, des tollen Wetters und der wunderbaren Strecke dürfen sich alle Finisher als Sieger sehen, allen voran die 58 Teilnehmer (etwas mehr als 2/3 der Starter), die es schafften, in weniger als 24 Stunden die gesamten 130 km zu bewältigen.

Ich habe noch eine Rechnung mit dem WRU offen. Vielleicht werde ich die 120 km irgendwann wandern, vielleicht auch mit dem MTB abfahren – der erste Schritt soll nächstes Jahr (31.10.2020) mein Marthondebüt über die kurze G´schicht werden.

Ganz im Sinne des Mottos der Veranstaltung: Herausforderung akzeptiert!

Sunpie Agency