3 1/2 Wochen Trainingslager

13. April 2020, 18:40 Uhr
geschrieben von Ralph-Christian van Linthoudt

Das 3 ½ wöchige Trainingslager „Ganz Wien“ (O-Ton Falco) ist für mich mit Ostersonntag beendet. Anfangs habe ich mich mit dem Corona-Virus wenig bis gar nicht beschäftigt. Erst als das Trainingslager in Cesenatico Anfang April abgesagt wurde, habe ich mich intensiver mit der Situation auseinandergesetzt. Zuerst dachte ich nicht, dass die kommenden Einschränkungen auch uns in Österreich treffen können.

Also wurde anfangs die Wohnung zusammengeräumt, Sachen ausgemistet, Aufgaben die ständig nur vor sich hin geschoben werden erledigt, Zeitschriften lesen, SMTC-Dschungelbuch lesen und mit Sport (Rad + Laufen) eine Abwechslung suchen. Da das Wetter, ausgenommen einige kühlere Tage, immer sommerlicher wurde, dauerten die sportlichen Aktivitäten im Freien immer länger. Einige Radeinheiten wurden indoor auf der Walze absolviert.

Am 13.03 wurde die letzte Schwimmeinheit im Donaustädter Bad trainiert. Da alle Bäder geschlossen wurden und das Freiwasser noch zu kalt war, wurde ich vom Triathleten zum Duathleten „degradiert“. Vor fast zwei Jahren war ich ja als Duathlet zu den Monkeys gekommen (Brustschwimmer über Wasser!). Nun fiel das Training für die erste Disziplin aus und es wurde auf Kraft + Zugseiltraining umgestellt. Der Plan war 3x Kraft + Zugseiltraining pro Woche und 3x Stabi pro Woche. Beim Stabi wurden die Übungen vom GFS-Stabi sowie meine Spezialübungen von Frani trainiert.

Da das Laufen schmerzbedingt (Marathon und Wien Rundumadum) über den Winter vernachlässigt bzw. ausgelassen wurde, war der Fokus aufs Laufen gerichtet. Mit Laufintervallen, Koppeleinheiten und längeren Grundlagenläufen wurde an der Laufform gearbeitet.

Sämtliche Radrouten in der Umgebung von Wien wurden erkundet, die Zufahrten über Donauinsel und Hauptallee waren jedes Mal mehr als mühsam. Viele „Gelegenheits-Radler“ waren unterwegs, die teils in der Mitte vom Radweg fahren oder gar nicht zurückschauen, wenn sie einen anderen überholen. So wurden die Gegenden um den Wienerwald (Tulbingerkogel, Riederberg, Exelberg, Sophienalpe,…) Schloss Hof, Leiser Berge, Neusiedler See befahren. Außerhalb der Stadtgrenze war auf den Straßen wenig bis gar kein Verkehr unterwegs.

Bei meiner ersten Langdistanzausfahrt (172 km) nach Mörbisch am See, bin ich erstmals an meine körperliche Dehydrierung gestoßen. Meine sonstigen Ausfahrten waren meistens zwischen 100-130 km und konnten mit meiner üblichen Verpflegung (Iso + Riegel) gefahren werden. Da das Wetter an diesem Tag sonnig mit ca. 20 Grad war und ich mit einem ärmellosen Shirt unterwegs war, kassierte ich Mitte März gleich meinen ersten Sonnenbrand. Die übliche Radlerbräune ist zurück (Streifen an Oberschenkel und Oberarm, dort wo jeweils das Gewand aufhört). In Mörbisch (ca. 85km) wurde dann die Verpflegung aufgefüllt und nach einer Pause am Neusiedler See, ging es wieder Richtung Heimat. Bis zu km 130 war noch alles in Ordnung, danach begann mein Körper immer mehr zum Dehydrieren. Das Zunehmen der Getränke und Riegel wurde immer mehr zur Qual und wurde teils auf Biegen und Brechen eingenommen. Dank leichtem Rückenwind, dem Ziel vor Augen und der mentalen Stärke („Das schaffe ich“, sagte ich mir immer wieder) schleppte ich mich irgendwie nach Hause. Durch das flache Streckenprofil wurde die Ausfahrt zu einem stundenlangen „herumliegen“ am Zeitfahrrad. Durch das Stabi und dem perfekten Bikefitting + neuer Sattel (danke Speed Planet) war dies kein Problem.

Über den Winter wurde viel trainiert um für den Saisonhöhepunkt die Halbdistanz in Walchsee bei der Europameisterschaft in Form zu sein. Die Challenge in St. Pölten sollte hierbei als Vorbereitungswettkampf dienen. Anfangs wurde die Challenge noch auf einen eventuellen Termin im August verschoben, doch kurze Zeit später erfolgte die endgültige Absage. Ok, dann erfolgt die Challenge halt 2021 und der Frust war schnell vergessen. Um einiges schlimmer wurde es mit der Europameisterschaft, zuerst noch auf den Herbst verschoben, bleibt halt noch länger Zeit um die Form auf den Tag X vorzubereiten. Schließlich erfolgte die Absage der EM 2020 in Walchsee, wo die EM 2021 stattfinden wird ist die Frage und ob man den Weg eventuell quer durch Europa auf sich nimmt, ist fraglich. Nun ist wichtig die Absage der EM zu verdauen. Am Plan steht für 2021 ja schon der Ironman Austria und daran soll sich nichts ändern. Beim Waldviertler Eisenmann, meine erste Halbdistanz und gleich für eine Europameisterschaft qualifiziert und dann findet diese noch im eigenen Land statt, es sollte eine unglaubliches „Märchen“ werden. Die Vorfreude über die EM wurde im Winter immer größer und Fortschritte in allen Disziplinen wurden gemacht. Da zwei Highlights bereits abgesagt sind, bleibt zu hoffen, dass die ÖSTM über die Halbdistanz in Obertrum stattfindet.

Statt der ersten Trainingseinheit, wahrscheinlich Erkundungsausfahrt mit dem Rad auf Trainingslager in Cesenatico (leider abgesagt, Vorfreude auf 2021 ist jetzt schon riesig) zu absolvieren, wurde das Ironman Virtual Race (5km Laufen, 90km Rad, 21km Laufen) bestritten. Während den Disziplinen sind immer wieder Gedanken an Cesenatico gekommen. Sei es der beheizte Pool, Pinienwald, Radausfahrten oder das Abendbuffet,….

Um das Gefühl unserer Radgruppenausfahrt annähernd zu erreichen, wurden über die Plattform „Zwift“ SMTC-Gruppenausfahrten organisiert. Der Austausch mit den anderen Monkeys erfolgte nicht von Angesicht zu Angesicht sondern über WhatsApp. Es wurden bisher 4 Zwift-Ausfahrten durchgeführt, mit Teilnehmern von 2-6 Personen.

Nachdem ich beruflich erfahren habe, dass ich nach Ostern wieder arbeiten gehe, habe ich mir in den Kopf gesetzt, in der letzten Trainingswoche vielleicht die 700km Radmarke in einer Woche zu knacken. Am Montag erfolgte die Ausfahrt nach Gänserndorf + Tulln (sehr viel Gegenwind + Seitenwind, Zeitfahrrad). Tagsdrauf nach Tulln und über Pressbaum, Tullnerbach, Exelberg und Klosterneuburg wieder nach Wien. In diesen beiden Tagen wurden über 330km absolviert. Endlich hat mich das MTB-Fieber wieder gepackt und die Ausfahrt am Mittwoch erfolgte in die Lobau. Enge Technikpassagen, abseits der asphaltierten Straße>>juhu, abends erfolgte noch die SMTC Zwiftausfahrt. Nach der Radreperatur meines Rennrads (Schaltseil war gerissen), ging es in die Leiser Berg mit Besichtigung des Aussichtsturms in Oberleis. Da der Vortag mit einigen Höhenmetern verbunden war, erfolgte die kommende Ausfahrt flach nach Traismauer. Hierbei merkte ich bereits erste Anscheinungen von müden Beinen. Die 700km Marke wurde bereits am Freitag erreicht, kurzerhand wurde das Limit auf 1.000 km hochgesetzt.

Am Ostersamstag absolvierte Jan Frodeno eine Indoor-Langdistanz (3,8 km Schwimmen im Pool mit Gegenströmanlage, 180 km Rad auf der Walze, 42 km Laufen am Laufband). Bei der zweiten Disziplin, bin ich dann auf meiner Walze mitgefahren (1.400 Teilnehmer). Das Tempo von Jan konnte ich nicht mitfahren, war in dieser Woche ja bereits einiges am Rad unterwegs. Eigentlich war mein Ziel die gesamten 180km auf der Walze zu absolvieren. Während der Einheit wurde Musik gehört, der Livestream verfolgt, in Zeitschriften gelesen. Kleine Motivationsschübe erfolgten, wenn andere Athleten überholt wurden. Nichts desto trotz sind die Zeit und Kilometer auf der Walze überhaupt nicht vergangen. Nach 100km habe ich mich dann entschieden vom Rad abzusteigen, eine Mittagspause einzulegen und die restlichen Kilometer dann „in Freiheit“ (outdoor)zu absolvieren. An diesem Tage wurde mit dem Zeitfahrrad eine Gesamtdistanz von 222 km zurückgelegt.

Tagsdrauf wurde das Ironman virtual Race 2 (3 km Laufen, 40 km Rad, 10 km Laufen) bestritten. Die 3 km wurden in der Hauptallee gelaufen. Am Ende des Laufs war ich ein wenig überrascht, dass ich eine Pace von 04:02 min/km laufen kann. Zurück in die Wohnung und gleich auf die Walze rauf. Teilweise wurden hohe Wattwerte und Geschwindigkeiten um die 40 km/h über längere Zeit gefahren, hierbei wurde ein flaches Streckenprofil ausgesucht. Der abschließende 10 km Lauf war dann mehr als anstrengend (mit gefühlten Beinen aus Blei). Kurze Mittagspause, mit dem Rennrad locker nach Greifenstein ausrollen um die letzten Kilometer zu sammeln. Nach der Synchronisierung der Uhr, wurde mir die Summe von 1.006,4km Radfahren in 7 Tagen angezeigt>>Ziel erreicht!!. Aufgrund der hohen Temperaturen der letzten beiden Wochen und der womöglich angenehmen Wassertemperatur wurde noch ein Schwimmen draufgelegt. Die Wassertemperatur für die Alte Donau hatte nach Recherche bereits 14 Grad angezeigt. Nach einer 4-wöchigen Schwimmpause (zuhause wurde das Schwimmen mit Zugseilen trainiert) wurde ENDLICH wieder im Wasser geschwommen. Die ersten Meter waren kalt bzw. der Körper war die Wasseratmung nicht mehr gewohnt. Auf den ersten 500 Metern mussten somit zwei Pausen eingelegt werden. Da das Wasser gefühlt immer wärmer wurde und die Atmung beruht werden konnte, wurde gleich eine Runde ums Gänsehäufel geschwommen (ca. 3 km).

Die zurückgelegten Distanzen der 3,5 Wochen:

Rad 2.270 km
Laufen 140 km

Stellt sich nur die Frage wann der erste Wettkampf kommt um meine Form überprüfen zu können?? Der Trainingsumfang war von ca. 25 bis 42 Stunden pro Woche.

Nun wird meinem Körper eine Regenerationswoche gegönnt, hat er sich auch wirklich verdient. Ab Dienstag erfolgt dann wieder der Einstieg in den üblichen Arbeitsalltag. Untertags erfolgt die Arbeit, das Training erfolgt dann entweder vor oder nach der Arbeit. In diesen 3,5 Wochen wurde mir es erst so richtig bewusst, dass Triathlon für mich ein Hobby bleibt und belieben wird. Tag ein Tag aus trainieren und das jahrelang wäre nichts für mich. Beim Training kann ich vom stressigen Arbeitsalltag abschalten.

Durch die SMTC-Stammtische, die über die App „Zoom“ erfolgten, konnte zumindest ein virtueller Austausch mit den anderen Affen erfolgen. Bei den diversen Trainingseinheiten wurden Affen gesichtet, wobei auch teilweise ein kurzer Tratsch erfolgte. Natürlich mit dem gewissen Sicherheitsabstand. Fast alle meiner Trainings führten über die Hauptallee und an unserer Arena vorbei, um mich den Erinnerungen an die SMTC-Family für den Trainingsalltag #alabin, zu motivieren.

Momentan ist das Training wie bevor ich zu den Monkeys gekommen bin. Training alleine, alleine und nochmals alleine. Der Austausch mit den anderen Affen bei den SMTC Radausfahrten, Laufintervallen oder Schwimmtrainings fehlt mir so richtig.
Freue mich schon richtig darauf alle unsere Mitglieder nach der überstandenen Situation zu sehen.

Sunpie Agency