Who is: Stefanie Tschank

23. Juni 2020, 22:04 Uhr
geschrieben von Steffi Tschank

Who is: Stefanie Tschank?
Geburtstag: 2.7.1985
Geboren: in Wien
Job: Steuerberaterin
Spitzname: Steffi

Wie bin ich eigentlich zum Triathlon Sport gekommen?

Alles begann mit gutem Zeitmanagement meiner Mutter und meiner Liebe zum Wasser. In meiner Jugend war ich Leistungsschwimmerin beim EW Donau SC 1903 und bin durch Zufall zum Schwimmsport gekommen. Meine Mutter suchte damals einen Sport, den meine jüngere Schwester und ich gemeinsam ausüben können, der möglichst zeiteffizient ist und wo man als Elternteil nicht von einem Termin zum nächsten hetzen muss. Bei ihrer Suche ist sie auf einen Aushang im Floridsdorfer Hallenbad für Kinderschwimmen vom SC Donau gestoßen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Während unserer wöchentlichen Schwimmstunde konnte sie im angeschlossenen Fitnesscenter TSA selbst trainieren.

Es geht um die Technik

Zuerst haben wir in der Kindergruppe technisch richtig schwimmen gelernt, wechselten dann in eine Kinder-Trainingsgruppe des Vereins und schon bald starteten wir u.a. bei den Wiener Meisterschaften. Retrospektiv habe ich eine sehr positive Erinnerung an die Zeit im Schwimmverein, da ich dort viele gleichgesinnte Freunde hatte, mir im Sommer die Zeit bei den Schwimm-Spiel-Wochen (=Feriencamp) vertrieb und für mich schwimmen schon recht früh ein Ausgleich zum Alltag wurde – damals noch zur Schule, heute zu meiner Tätigkeit als Steuerberaterin. Als ich dann mit 14 Jahren vor der Entscheidung stand, ob ich ins Oberstufen-Sportgymnasium wechseln möchte, habe ich mich in Teenager-Manier natürlich für meine Freunde in meiner Klasse und damit gegen eine potentielle Leistungskarriere entschieden. Schwimmen war für mich immer nur ein Hobby, das ich zwar mit einem gewissen Ehrgeiz verfolgt habe, aber wobei mir dieser letzte Biss dann doch gefehlt hat, da für mich und meine Eltern die schulische Ausbildung immer klar im Vordergrund stand.


Frühes „Karriereende“

Mit 16 habe ich dann meine Schwimmkarriere aus persönlichen Gründen letztendlich an den Nagel gehängt. Die Schwimmgruppe löste sich über die Jahre hinweg auf und bestand am Schluss nur noch aus meiner Schwester, Benjamin Rauscher (heute Technischer Direktor beim Wiener Triathlon Verband) und mir. Zudem ging ich neben der Schule auch anderen Interessen, wie beispielsweise Tanzunterricht in der Tanzschule nach und schwimmen blieb auf der Strecke. Gleichzeitig waren Wettkämpfe für mich eher eine nervliche Belastung anstatt Spaß, da ich mich vor dem Start immer sehr reingesteigert habe. Übermäßige Wettkampfanspannung und die dazugehörige Portion Adrenalin hatten für mich einen negativen Beigeschmack und ich empfand es damals nicht als adäquate Vorbereitungen auf das Rennen.

Zweitbeste

Zu einem Schlüsselereignis kam es mit ca. 15 Jahren als ich erfuhr, dass meine stärkste Konkurrentin in meiner Altersklasse nicht mehr aktiv war. Da ich immer hinter ihr gewesen bin, aber alle anderen in meiner Klassen schlagen konnte, wusste ich, dass ich nach etlichen Jahren endlich die Goldmedaille gewinnen werde (bisher hatte ich nur silberne und bronzene Medaillen in meiner Sammlung). Es waren die Wiener Meisterschaften auf der Schmelz und ich war top motiviert, dort endlich die Goldene zu holen. Und was ist dann passiert? Plötzlich kam ein junges Mädel namens Mirna Jukic („das Wunderkind aus Kroatien“) und gewann alle Bewerbe – ich wurde wieder nur Zweite. Damals war ich natürlich am Boden zerstört, Jahre später hat es mich dann doch etwas versöhnt, gegen eine zukünftige Europasiegern und Bronzemedaillen-Gewinnerin bei Olympia zu verlieren.

Als ich mit 16 Jahren mit dem vereinsmäßigen Schwimmsport aufgehört habe, hatte ich das Gefühl, ich bin ausgeschwommen für mein Leben. In den nächsten Jahre bestand mein Baden gehen wirklich nur in plantschen und ich bin keine einzige Länge mehr gekrault. Ich war zwar weiterhin sportlich sehr aktiv und habe während des Studiums mit dem Laufsport begonnen und bei Laufveranstaltungen wie dem Frauenlauf teilgenommen, es diente aber lediglich dem Ausgleich zum Alltag bzw. als Hobby mit Freundinnen – ohne Trainingsplan und ohne Ziel.

Kein Triathlon ohne Rennrad

Dann kam das Jahr 2013, indem mir zwei Freundinnen Anfang des Sommers erzählten, dass sie beim Sprinttriathlon Anfang September in Podersdorf starten werden. Schnell war die Idee geboren, dass auch ich mitmachen könnte, da ich ja früher eine gute Schwimmerin war und dieser Part für mich kein großes Problem darstellen sollte. Sie selber hatten beide kein Rennrad, starteten mit ihren Mountainbikes und machten es eher „just for fun“. Irgendwie hatte ich davor doch sehr großen Respekt und lehnte als erste Reaktion ab. Mir war das Wagnis, ohne richtige Vorbereitung auf einen Wettkampf, zu groß. Aber von diesem Moment an hat mich das Thema Triathlon nicht mehr losgelassen und ich dachte mir: „Also, wenn die das machen, dann kann ich das auch!“ Jedoch wollte ich eine längere Zeit für die Vorbereitung und das Training investieren und mir auch ein richtiges Rennrad suchen. Dieses fand ich dann bei einer Bekannten meiner Mama, die mir zunächst ihr unbenütztes Rad borgte. Somit hatte ich ein Rennrad und mein Ziel war, im Jahr 2014 meinen ersten Sprinttriathlon zu absolvieren. Von Trainingsplanung hatte ich natürlich keine Ahnung und so ging ich einmal pro Woche schwimmen, gemeinsam mit meiner Schwester, einmal laufen und einmal Rad fahren, meistens mit meinem Papa.

Vom Einzelsport zum Triathlon – eine Herzensangelegenheit

So nahm das Schicksal auch seinen Lauf und ich zog dank meiner Schwester, die für ihre Lehrerausbildung den Helfer- und Retterschein beim ASBÖ machte, wieder regelmäßig meine Bahnen. Sie motivierte mich mit den Worten: „Komm schon, mach doch auch die Prüfung, das schaffst du locker und dort können wir wieder regelmäßig unserem Jugendhobby nachgehen!“ Daraufhin begann ich – wieder gemeinsam mit meiner Schwester – erneut mit dem Schwimmtraining und nach ca. zehn Jahren Pause machte es mir auch wieder Spaß. Und zwar so viel Spaß, wie es mir damals nie gemacht hatte. Die Kombination dieser drei Grundsportarten ist wie für mich gemacht – das merkte ich schnell.

For the very first time…

Für meinem ersten Triathlonstart suchte ich mir das damalige Rennformat AllWomen Triathlon in Podersdorf aus. Leider gab es diese Veranstaltung, wo ein ganzer Renntag nur weiblichen Teilnehmerinnen gewidmet war, nur zwei Jahre, da es finanziell für den Veranstalter leider kein lukrativer Erfolg war. Für mich persönlich war es jedoch ein großer Erfolg, da ich mich nur unter Frauen einfach wohler fühlte und ich mich nicht neben den Männern mit ihren Zeitfahrmaschinen fehl am Platz fühlen musste. Mein erster Triathlon startete natürlich mit einem Anfängerfehler: Da ich noch wenig Ahnung von der Disziplin hatte, startete ich beim Schwimmen mit einem Surf-Neopren. Nicht wissend, dass es dafür eigene Neopren-Anzüge gibt. Im Nachhinein gesehen hat mich der Neopren wahrscheinlich eher behindert als unterstützt – aber zumindest kalt war mir nicht.

Als Frau habe ich mich penibel auf dieses Vorhaben des Wettkampfstarts vorbereitet, mit dem höchsten Ziel: durchzukommen und es auch durchzuhalten und dabei eigentlich den ganzen Wettkampf lang zu wissen, dass ich es ins Ziel schaffen werde. Ganz nach dem Motto: Dabei sein ist alles! Nach meinem ersten Zieleinlauf war ich fix und fertig aber überglücklich und stolz. Spätestens da hat mich das Triathlonfieber endgültig gepackt. Daraufhin folgte noch ein weiterer Start beim Podersdorfer Sprint Triathlon und danach nahm ich mir die Olympische Distanz beim Triathlon Wien, damals noch bei der Sunken City, vor. So viel vorab: Dieser Bewerb war eine einzige Qual für mich und ich war froh, wie die 10km laufen endlich vorbei waren.

Gemeinsame Übung macht die Meisterin

Ich ließ aber nicht locker und meldete mich im darauffolgenden Jahr für die Olympische Distanz am Faaker See an, da dieser einer der landschaftlich schönsten Triathlons im Land ist. Da ich beim Laufen eher eine Wettkampfschnecke war, besuchte ich ein Lauftechnikseminar und einen Sommer lang die Intervalltrainings von Lauftrainer Runtasia, um mich auf den Faaker See Triathlon vorzubereiten und beim Laufen endlich einen Zahn zuzulegen. Im Winter davor sprach mich ein ehemaliger Schwimmkollege an, ob ich nicht beim Wiener Triathlonverband mitwirken möchte, da er und ein paar Freunde, die ich noch von früher vom Schwimmen kannte (inkl. Stefan Podany – Präsident des WTRVs), diesen vor kurzen für die nächsten Amtszeit von vier Jahren übernommen hatten. Ich willigte ein, die Rechnungsprüferfunktion zu übernehmen, mit Zahlen kenne ich mich schließlich aus. Bei meiner ersten Sitzung lernte ich unter anderen Vinci Hummel, der über seinen kürzlich gegründeten Triathlonverein Sports Monkeys berichtete, kennen. Und wie es der Zufall so will, trainierten auf ausgerechnet jener Bahn, wo auch meine Schwester und ich immer geschwommen sind, auch andere Triathleten vom Tri Kagran und die Sports Monkeys mit Trainer David Halmer. Eines Tages war es nur noch eine Formsache als wir fragten, ob wir mitschwimmen dürfen. David ist als Athletenvertreter und Landestrainer auch beim Wtrv tätig. Als ich ihm von meinem persönlichen Vorhaben, der Olympischen Distanz am Faaker See, erzählte, schrieb er mir für die heiße Phase (die letzten Monate davor) bereits einen Trainingsplan. Der beinhaltete spezifische Koppeleinheiten, also zwei oder gleich drei Disziplinen hintereinander, um den Körper an die Belastung der wechselnden Sportarten nachhaltig zu gewöhnen. Nach dem nächsten Winter und dem ersten Duathlon in Rohrbach als Sports Monkey, bei dem ich vorletzte wurde, begann ich mein Training bei David und trat natürlich schon davor den Sports Monkeys bei, die mich gleich zum ersten Langlauftraining nach St. Jakob im Walde mitnahmen. Dort lernte ich andere Vereinsmitglieder kennen und fühlte mich gleich willkommen und gut aufgehoben.


Alles nach Plan

Nun fast drei Jahre später trainiere ich intensiv nach Davids für mich persönlich erstellten Trainingsplänen, nehme an diversen österreichischen Meisterschaften und anderen Triathlon- und Openwater-Schwimmveranstaltungen teil, um Punkte im Vereinscup für unseren Verein zu sammeln und konnte letztes Jahr meinen ersten Altersklassen-Sieg bei der Österreichischen Meisterschaft beim Ferlacher Aquathlon erringen. Ich schaffte es, meine persönlichen Bestzeiten in Sprint, Olympisch und Duathlons zu steigern und habe im Aquathlon (1km schwimmen und 5km laufen) meine Lieblingsdisziplin gefunden. Als ehemalige Leistungsschwimmerin bin ich meistens unter den ersten Frauen aus dem Wasser, meine Laufleistung wird auch immer besser und mein nächstes Ziel wäre die Teilnahme an der Aquathlon EM in Walchsee gewesen, für die ich mich beim Linz Swim and Run Event im Februar qualifiziert habe. Auch auf das heurige Trainingslager in Cesenatico mit meinen Monkey-Vereinskollegen zu Ostern habe ich mich schon sehr gefreut, da es mir letztes Jahr schon riesig Spaß gemacht hat. Leider fiel beides aufgrund der Covid-19 Pandemie ins Wasser.

Oder: Planänderung

Corona hat das Alltagsleben gehörig auf den Kopf gestellt und somit auch die Trainingsgewohnheiten: Das veränderte Training in der Zeit des Lockdowns sah bei mir wie folgt aus: viel Stabilitäts- und Athletiktraining, Indoor-Walzen-Radtraining, schwimmspezifisches Trockentraining mit Zugseilen und Yoga daheim. Vor allem durch die regelmäßige Yogaeinheiten haben sich meine Verspannungen/Verkürzungen und Muskelverhärtungen, mit denen ich in den letzten zwei Jahren durch das intensive Training regelmäßig zu kämpfen hatte, de facto aufgelöst. Ich fühle mich weiterhin sehr fit und bin gesund. Ich hätte höchstwahrscheinlich bei den abgesagten Triathlonveranstaltungen heuer meine persönlichen Bestzeiten weiter unterbieten können. Aber auch ohne Wettkämpfe, auf die man hintrainieren kann, hat mir das Triathlontraining auch in der heurigen, leicht veränderten Form viel Freude gemacht. Natürlich habe ich das Teamtraining vermisst und auch die gemeinsamen Wettkampfeinsätze mit den Vereinskollegen wären sicher wieder legendär gewesen. Weiters ist auch die ÖTRV Initiative TRiWomen, bei dem ich Teammitglied bin, derzeit auf Zwangspause – hier versuchen wir auch weiterhin, mehr Frauen für den Triathlonsport zu begeistern. Und da jede Medaille bekanntlich zwei Seiten hat: Ich konnte in den letzten Monaten die entschleunigte Zeit sehr genießen und mich neben den beruflichen Herausforderungen voll und ganz auf mich und mein Training konzentrieren. Eines hat sich auch in Corona-Zeiten nicht verändert: Im Triathlon-Training habe ich auch weiterhin meinen geliebten Ausgleich durch die Ausübung der „Königsdisziplin“ aller Ausdauer-Sportarten gefunden und freue mich auf viele weitere Jahre als aktive Triathletin bei den Sports Monkeys.

Sunpie Agency