Thiersee – Mein persönlicher Rennbericht

18. August 2020, 14:07 Uhr
geschrieben von Daniela Petrik

Ö(ST)M Kurzdistanz in Thiersee – Mein persönlicher Rennbericht

Mentale Stärke vor dem Start ist nicht meine Stärke

Schon am Freitag machte ich mich in Begleitung meines Mannes mit dem Auto auf ins mehr als 400 km entfernte Thiersee in Tirol, wo heuer die Österreichischen (Staats-) Meisterschaften über die Olympische Distanz ausgetragen wurden. Nach knapp 4,5 Stunden Fahrtzeit endlich im Quartier angekommen, wurden wir von den bereits angereisten Monkeys in Empfang genommen und auch der Rest der Mannschaft traf teils mit dem Zug, teils mit dem Auto kurz darauf ein. Liebe „Reiseleiterin“ Steffi, vielen Dank dafür, dass du im Vorfeld für die gesamte Mannschaft das Quartier gebucht und dich auch um die Tischreservierung fürs gemeinsame Abendessen gekümmert hast!

Schlagartig war leider meine anfängliche Euphorie verflogen, als sich herausstellte, dass der steile Abschnitt zwischen Kufstein und Thiersee, den wir gerade mit dem Auto raufgekommen waren, tatsächlich Teil der morgigen Radstrecke war. Zur Erklärung für alle, die mich nicht so gut kennen: Ich bin grundsätzlich eher der Typ Flachfahrerin, weil bergauf schlichtweg laaangsam, eine echte Bergschnecke und wenn es richtig steil wird, ständig im Zweifel, ob ich das schaffen kann. Auf gut wienerisch bin ich dann ein „Seicherl“ – für alle Nicht-Wiener: synonym auch Feigling, Memme oder Hosenscheißer.

Meine Internet-Recherche bei komoot zur Strecke Kufstein-Thiersee mit dem Ergebnis: „Schwere Fahrradtour. Gute Kondition erforderlich. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen“ war da, wie ihr euch denken könnt, ebenfalls eher suboptimal. Noch beim Frühstück am Samstag war ich daher fest davon überzeugt es Hanna gleichzutun, die beschlossen hatte, mangels Fahrpraxis und passendem Rad doch nicht zu starten.

Ihr werdet euch jetzt sicher fragen: „Was macht sie dann bitte in Tirol?“ Ich hab mir halt gedacht, wenn ich das Problem nicht irgendwann aktiv anpacke, wird das in diesem Leben nix mehr mit mir und dem Berg. Denn es ist ja nicht so, dass ich zu wenig trainiert hätte oder mental und körperlich, wenn`s drauf ankommt, nicht stark genug bin, um durchzuhalten. Ich schaffe es nur manchmal schlichtweg nicht, es mir vorab selbst zuzutrauen.

Diese Fähigkeit vor dem Wettkampf mit Stress, Nervosität, Zweifel und Druck umzugehen, muss ich definitiv trainieren, um künftig fokussierter, entschlossener und selbstsicherer an den Start gehen zu können und mir nicht selbst im Weg zu stehen! Denn die beste körperliche Verfassung und die stärksten Beine nutzen dir am Ende gar nichts, wenn der Bereich zwischen den Ohren nicht mitspielt. Letztlich kannst du dich in so einer Situation aber nur dann selbst besiegen, wenn du es riskierst, eventuell auch zu scheitern. Daher gab`s am Ende mit toller Unterstützung der Monkey-Crew (DANKE!!!) in Thiersee für mich nur eine Lösung und die hieß „Auf zum Check-In!“

Renntag – Österr. (Staats-) Meisterschaften über die Olympische Distanz

Pünktlich um 14.20 Uhr startete der erste Starter der Herren am Gelände des Strandbades bei perfektem Wettkampfwetter und toller Bergkulisse mit Kopfsprung in den Thiersee. Wie schon beim Mostiman wurde im Einzelstartmodus alle 10 Sek. ein Teilnehmer ins Rennen geschickt – es war eine große Runde ohne Neoprenanzug zu schwimmen und das Starterfeld mit zahlreichen österreichischen und internationalen Top-Athleten und Athletinnen hochkarätig besetzt.

Unsere Monkey-Herren Tom, Ralph, Luki, Lukas und Yasin waren schon mitten im Renngeschehen, als Steffi, Michi, Alex und ich uns kurz nach 15 Uhr beim Damenstart ins Wasser schmissen. Ich hatte beschlossen, das große Ganze in Etappen anzugehen und erst einmal den Schwimmpart hinter mich zu bringen, um dann weiter zu schauen. Es stellte sich rasch heraus, dass mein vieles Grübeln und Zweifeln im Vorfeld der Konzentration nicht wirklich förderlich gewesen ist. Die ersten 500 Meter hatte ich mit massiver Atemnot zu kämpfen und musste abschnittsweise zum Brustschwimmen übergehen, um genügend Luft zu bekommen. Ich gebe zu, dass ich sogar kurz mit dem Gedanken gespielt habe dem Begleitboot zu winken und mich ins Strandbad zurückbringen zu lassen. Plötzlich war er aber da der heiß ersehnte Schwimmrhythmus und ich schaffte es sogar innerhalb der erlaubten Zeit aus dem Wasser und in die Wechselzone. Ab jetzt gab es wirklich keine Ausrede mehr, um nicht aufs Rad zu steigen und die Strecke zumindest in Angriff zu nehmen.

Die komplett gesperrte Radstrecke hatte es in sich! Bereits direkt nach der Mount-line ging es bergauf in Richtung des von mir so gefürchteten erste Abschnitts. Die steilen Serpentinen nach Kufstein hinunter stellten bei trockenem Wetter kein Problem dar – danke lieber Wettergott, dass die angesagten Regenfälle und Gewitter ausblieben! Erste echte Schwierigkeit war die Wende, die mitten im Gefälle in Form eines U-Turns auf der Straße zu absolvieren war. Hier hieß es vorweg schon den richtigen Gang einlegen, um danach die gesamte Strecke wieder rauf zu kurbeln. Servus die Wadln! Zurück am Ausgangspunkt ging es auf einem deutlich entspannteren Streckenabschnitt weiter ins Schmiedtal wo der zweite Wendepunkt lag und von dort wieder retour nach Thiersee. Diese Runde war zweimal mit insgesamt 590 hm zu absolvieren.

Leider blieben die Monkeys im Verlauf des Radabschnittes nicht vom Defektteufel verschont. Während Steffi die Schwierigkeiten mit ihrer beim Bergabfahren rausgesprungenen Kette souverän lösen und das Rennen unbeschadet fortsetzen konnte, stand Ralph vor einem gröberen Problem. Einer seiner hinteren Bremsbeläge war gebrochen und weg. Passiert das mir, ist mein Rennen zu diesem Zeitpunkt für mich definitiv beendet. Aber wer Ralph kennt, weiß, dass aufgegeben bestenfalls ein Brief wird. Er brachte die Radstrecke mit viel Geschick auch ohne Hinterradbremse zu Ende, musste aber natürlich bei den Bergab-Passagen aus Sicherheitsgründen ordentlich vom Gas runter gehen.

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr erwachte in Runde 2 auch endlich mein verloren geglaubter Ehrgeiz wieder, denn mir war klar, dass der Time-Cut zu schaffen ist. Überholt habe ich nur noch die letzte Teilnehmerin des nach uns gestarteten Sprint-Starterfeldes. Die Arme hatten ihre Kräfte verlassen und sie musste ihr Mountainbike den Anstieg nach Thiersee tatsächlich hochschieben. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits weit und breit die allerletzte Teilnehmerin im Starterfeld der Kurzdistanz auf der Strecke. Auf meiner letzten Schleife Richtung Schmiedtal kamen mir nur noch vereinzelt Starterinnen auf der gegenüberliegenden Fahrbahn entgegen, die schon am Weg ins Ziel waren.

In der Wechselzone durfte ich dann endlich meine Laufschuhe anziehen und in meine Lieblingsdisziplin starten! Hierfür war der 2,5 km lange Rundwanderweg um den Thiersee zur Wettkampfstrecke umfunktioniert worden und insgesamt 4 Runden zumeist auf Schotter zu laufen. Dabei war die Musik aus den Lautsprechern im Zielbereich ständig zu hören und der Zielbogen immer in Sichtweite. Irgendwie sehr passend, als Hubert von Goisern meinem Zieleinlauf mit „Brenna tuats guad“ kommentiert hat!

Ergebnis der Österr. Staatsmeistermeisterschaften 2020:

Staatsmeister Männer: Lukas Hollaus 1:53:19
Staatsmeister Frauen: Lisa Perterer 2:06:23

Monkey-Ergebnisse in der AK-ÖM:

Herzliche Gratulation an alle zu den tollen Leistungen! Insgesamt konnten wir 4 AK-Medaillen mit nach Hause nehmen:

Einzelwertung:

Thomas Spreitzer: 2:17:53 / AK 2. Platz
Lukas Mari: 2:24: 54 / AK 7. Platz
Elbizanti Yasin: 2:34:59 / AK 11. Platz
Van Lindthoudt Ralph-Christian: 2:46:25 / AK 13. Platz
Lukas Hartmann: 2:41:18 / AK 9. Platz
Pober Michi: 2:49:33 / AK 3. Platz
Tschank Stefanie: 2:52:37 / AK 4. Platz
Hahn Alexandra: 3:08:10 / AK 2. Platz
Petrik Daniela: 3:17:05 / AK 3. Platz

Mannschaftswertung:

6. Platz: Sports Monkeys Triathlon Club 1: Spreitzer, Mari, Pober
9. Platz: Sports Monkeys Triathlon Club 2: Elbizanti, Hartmann, Tschank
10. Platz: Sports Monkeys Triathlon Club 3: Van Lindthoudt, Hahn, Petrik

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