„Genieße“ deine erste Langdistanz

6. September 2020, 20:50 Uhr
geschrieben von Ralph-Christian van Linthoudt

Unter dem Motto „Genieße es“, habe ich am 05.09.2020 bei den ÖSTM Langdistanz in Podersdorf meine erste LD in Angriff genommen. Mein erste LD sollte erst 2021 in Klagenfurt beim IronMan Austria stattfinden, doch das Sportjahr 2020 wurde aufgrund des Covid 19 komplett durcheinander gewirbelt. Doch dann kam der 22.06 an dem Vinci in die SMTC Info Gruppe geschrieben hatte, dass wir 10-20 Langdistanz-Debütanten benötigen, um den HSV im Vereinscup 2020 noch einholen zu können. War es anfangs noch als „Spaß“ vom Obmann gemeint, wurde bei mir sofort mit den ersten Überlegungen angefangen.

Alle meine Halbdistanzen für 2020 waren bereits abgesagt und somit stand der Entschluss gleich in den nächsten Tagen fest, dass ich schon 2020 mein LD-Debüt geben werde. Um für eine LD optimal vorbereitet zu sein, wenn auch nur knapp 2 Monate spezifische Vorbereitung, hat Moritz begonnen meine Trainingspläne zu schreiben. Die Schwimm- und Radumfänge waren ja schon ein wenig auf die LD ausgerichtet, ausgenommen die Pace. Also musste ich am Anfang bei den ersten Radeinheiten ordentlich vom Gas herunter. Die Laufumfänge mussten deutlich erhöht werden, teilweise bis zu ca. 50km pro Woche. Nach der Anmeldung gab es nun kein zurück und das Projekt „LD 2020“ war in vollem laufen.

Um „ernährungstechnisch“ für die Langdistanz vorbereitet zu sein, wurde der Essensplan in den letzten beiden Wochen umgestellt. Kein Alkohol, zuerst eiweißlastiges Essen und in der letzten Woche ab Mittwoch auf Kohlenhydrate und viel Wasser geändert. Ab diesem Zeitpunkt bestand das Essen aus Reis, Nudeln, Erdäpfeln und meist ohne Beilage.

Die letzten Stunden vorm Tag X

Am Tag vorm Wettkampf wurde die Anreise nach Podersdorf in Angriff genommen um die Startunterlagen abzuholen und das Bike Check-In vorzunehmen. Rad zum Wechselplatz und die Wechselzone anschauen, wo sind die Ein- und Ausgänge für die jeweiligen Disziplinen. Nach dem Einschwimmen mit Michi, ging es mit der anwesenden Affenbande zum „letzten Abendmahl“ in die Pizzeria. Eine Portion Spaghetti Bolognese war mir dann doch zu wenig. Auf Ratschlag von einem persönlichen LD-Supporter Alex, wurde noch eine zweite Portion gegessen. Dieser Empfehlung folgte ebenfalls unser LD-Rookie Markus Potthast. Mit dem Sonnenuntergang an der Seepromenade wurden noch die letzten Momente vom Neusiedler See für den morgigen Wettkampf aufgesaugt.

Tag X

Mit 04:30 Uhr erfolgt die Tagwache, der Tag vor dem ich schon lange mehr als Respekt hatte, war angebrochen. Es sollte ein langer und intensiver „Arbeitstag“ werden. Kurzer Spaziergang in Gols, Einnahme der „Henkersmahlzeit“. Um 06:00 folgte dann der Check-In, während Vivien Roussez und Thomas Spreitzer bereits im Vorstartbereich waren. Als um 06:30 der Startschuss erfolgte, war beim mir eine innerliche Anspannung mehr als vorhanden. Noch eine Stunde und dann erfolgt meine Premiere auf der Langdistanz!! Die letzten Minuten vor dem Start war ich seit langem wieder mal vor einem Wettkampf nervös. Eine LD ist halt doch was anderes als eine Halbdistanz.

Ca. 30 andere Triathleten stürzen sich vor mit mittels 5-Sekunden Startintervallen in den Wettkampf. An der Startanzeige waren nun mein Name und meine Startnummer zu sehen. Der Countdown war scharf 5,4,3,2,1 und GO!! Mit einem Sprung stürzte ich mich auf das 3,8km lange Schwimmen bei dem zwei Runden zu absolvieren waren. Ab der zweiten Runde kam es zu leichtem Wellengang, der jedoch nicht vergleichbar war mit den Wellen bei den Halbdistanzlern. Während dem Schwimmen habe ich immer wieder andere Starter gesucht, um ein wenig im Wasserschatten schwimmen zu können. Vergleichbar mit der Abstiegslinie beim Radfahren, gibt es in Podersdorf auch beim Schwimmen eine „Abstiegslinie“. Ab dieser ist das Gehen erlaubt und es konnte maximal 5m weiter Richtung Wechselzone geschwommen werden, da der Körper bereits am Boden gestriffen hat. Nach 01:13:34 stoppte ich die Uhr ab>>Zeit unglaublich. Vor knapp zwei Jahren konnte ich nicht mal 25m durchkraulen und nun waren es 3,8km am Stück. Die letzten ca. 100 Meter im Wasser wurde locker gehend zurückgelegt, Neo öffnen, ausziehen bis zur Hüfte und rein in die Wechselzone.

180km Radfahren aufgeteilt auf 6 Runden waren zu absolvieren. In unmittelbarer Nähe der Aufstiegslinie feuerten uns die Supporter sowie die HD-Starter an. Nun folgte ein ca.50 min „Ruheteil“, da außerhalb von Podersdorf fast keine Zuschauer waren. Immer wieder sagte ich mit den Satz „Genieße es“ um die restlichen Stunden zu bewältigen. Sobald die Ortseinfahrt von Podersdorf erreicht war, kamen von Meter zu Meter immer mehr Zuschauer zum Vorschein. So richtig affengeil wurde es aber, als die SMTC Affenbande passiert wurde. Beachflag, Trommel, Glocke, Tröte, Affengeschrei, in meinem Aero-Helm kochte es vor Lautstärke richtig.

Ab der zweiten Radrunde wurden die Bedingungen zunehmend immer schwerer. Der Wind zeigte uns die Kalte Schulter und hatte pro Runde ca.17km ordentlichen Gegen- und Seitenwind auf Lager. Auf dem Retourweg nach Podersdorf (ca. 13km) konnte dann die Windsegel gesetzt werden. Flaches Streckenprofil (auf 180km sind 180 hm zu absolvieren), mit Durchschnitt 40km/h Richtung Affenbasis. Es galt die mentale Kopfstärke auszuspielen, zuerst Gegenwind, zach, Rückenwind, juhu. In Podersdorf erfolgte pro Runde zweimal im vorbei fahren mit Moritz ein kurzer Austausch. Ab der 4ten Runde wurde immer ein kurzes Stück stehend gefahren, ein rollenlassen im Freilauf war auf ein paar Hundert Meter pro Runde begrenzt. Mit einer Zeit von 05:39 wurde die 180km (war jedoch nur knapp 178km) Radstrecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit 31,3km/h beendet.

Es fehlt „noch“ der Marathon

Das Radfahren wurde ohne technischen Defekt beendet und es waren ja nur „noch“ 42,195km zu laufen, diese wurden auf 4 Runden aufgeteilt. Beim Headquarter der Affen wurde pro Runde zweimal vorbeigelaufen. Pro Laufrunde gab es drei Labestellen, jedoch nur mit Wasser und Cola. Ab ca.6km habe ich dann eine ordentliche Watschn kassiert. Meine Zustand verschlechterte sich immer drastischer, zwischenzeitliches gehen, beim Gehen wahrscheinlich aufgrund einer falschen Ernährungsstrategie/Pace von einer Seite auf die andere herum getaumelt, fast schon Sterne vor den Augen gesehen. Da wurden Erinnerung an Sarah True beim IM Frankfurt 2019 wach, als die ca. 1km vorm dem Ziel zusammengebrochen ist.
Meine Lauftaktik war damit am Boden zerstört und es galt meine ERSTE Langdistanz zu finishen. Die abschließenden Kilometer werden zum Training der mentalen Stärke. Wurscht wie du durchkommst, Hauptsache ins Ziel kommen!! Am Weg in die neue Laufrunde wurde ich lautstark von den Affen angefeuert und mit tollen aufmunterten Worten von Alex und Moritz betreut. In der zweiten Laufrunde habe ich mit unserem Silberrücken einen Walk&Run gemacht. Bei der zwischenzeitlichen „Plauderei“ vergingen die Kilometer sehr zügig. Jetzt folgten nur noch 2 Runden/Halbmarathon, die Hälfte habe ich schon. Gleich am Anfang der dritten Laufrunde wurde zwei andere Leidensgenossen gefunden, die ebenfalls den mit extremen Bedingungen zu kämpfen hatten. #Fast , Hard, Legendary.

Gemeinsamen mit den anderen beiden verging die dritte Laufrunde sehr zügig, rund 6 km wieder mal durchgelaufen, kurzes gehen und weiter. Vorbei an der tollen Zuschauer-Kulisse ging es mit Blickrichtung Richtung Ziel, es war noch die eine und letzte Runde zu bewältigen. Mit der Unterstützung der Affen sowie meinen Eltern war die letzte Runde, die gefühlt leichteste von allen. Das ZIEL vor den Augen kam immer näher. Auf den letzten beiden Kilometer konnte ich nun wieder mal richtig lachen, die Vorfreude auf den Zieleinlauf wieder immer größer und größer. Gefühlt 200 Meter vor dem Ziel wurde ein kurzer Zwischenstopp samt abklatschen bei den Affen eingelegt. Die Laufzeit war Nebensache, es galt die tollen und harten Stunden mit den Affen gemeinsam zu genießen. Vorbei an den Zuschauer und mit entschlossenem Blick auf den Zieleinlauf, erfolgten die letzten Laufschritte. Hierbei genoss ich jeden Meter, es ist die erste Langdistanz, da muss man den Zieleinlauf so richtig genießen. Nach 05:04 Stunden war der Marathon beendet, glückerweise waren es nur knappe 40km.

Mit einer Zielzeit von 12:04:16 wurde die erste Langdistanz gefinisht. Bei einer neuen Distanz ist die Zeit nicht im Vordergrund sondern das „Genießen“, wenn man es bei einer LD überhaupt als Genuss bezeichnen darf. Dieser Genuss wird bei der nächsten LD sicher nochmals kommen, da die Langdistanz seine Zeitintensive Trainingsvorbereitung in Anspruch nimmt und der Wettkampf schon mal seine Zeit dauert. Das Schwimmen und Radfahren war zum Genießen, das Laufen eher eine Qual. Naja was solls. Angekommen in der Langdistanzwelt der Triathleten.

Am Start waren ebenfalls die beiden Langdistanzler Thomas Spreitzer und Vivien Roussez, top Zeiten von beiden. Ebenfalls feierte Markus Potthast sein Debüt auf der Langdistanz. Hut ab Markus vor deiner Leistung!!

Ergebnisse SMTC bei der ÖSTM LD 2020

Vivien ROUSSEZ 09:33:19
Thomas SPREITZER 10:04:05
Ralph-Christian VAN LINTHOUDT 12:04:16
Markus POTTHAST 12:59:11

Die Erlebnisse der vergangen Stunden wurde mit den anwesenden Affen dann im Lokal noch gefeiert, inklusive blick auf das Feuerwerk. Mit Beinen die gefühlt aus Stahl waren, ging es nach dem wohl längsten und anstrengenden Tag des Jahres ins wohlverdiente Bett. Mit den schweren Haxen wurden am nächsten Tag unsere Affen auf der Sprint und olympischen Distanz angefeuert. Das Zuschauen und anfeuern kann richtig gemütlich werden, wenn man am Vortag bereits den Wettkampf hatte.

Ein großes Danke möchte ich hiermit an Moritz (Trainer, der mir zur Seite stand, auch wenn es noch so richtig brutal wurde), Alex (toller persönlicher Support einer Langdistanz erfahrenen), Steffi (super Quartier) und die gesamte Affenbande richten. Die Anfeuerung war 1A. Es war ein richtiger Genuss jedes Mal bei euch vorbeizukommen und die affengeile Stimmung aufzusaugen. Ihr seid echt der absolute Wahnsinn.

Sunpie Agency