Mein Weg zum IRONMONKEY

8. September 2020, 13:09 Uhr
geschrieben von Markus Potthast

…vor genau drei Jahren stand ich frierend bei 13 Grad nur in der Badehose um 7 Uhr in der Früh am Ufer des Neusiedler Sees. Dann kämpfte ich mich 750 m durch hohe Wellen, fuhr 20 km im strömenden Regen Rad und quälte mich über 5 km Laufen mit Schmerzen im gesamten Körper. Danach sollte eigentlich mein einmaliges Projekt Triathlon beendet sein.

Es kam anders ….
2018 folgte die erste olympische Distanz in Gerasdorf …
2019 der Transvorarlberg als erste Halbdistanz …
….eigentlich waren meine Ambitionen damit erschöpft. Für 2020 meldet ich mich zur Halbdistanz in Obertrum an und sah dies als vernünftiges Saisonziel.

Im Juni 2020 zeichnet sich ab, dass meine berufliche Auszeit noch etwas dauern wird. Gleichzeitig verhinderte Corona meine üblichen ausgedehnten Segelaktivitäten im Ausland. Mein 50. Geburtstag motivierte mich zusätzlich ein „besonderes“ Ziel anzugehen.
Damit ergab sich die Herausforderung in meinem 4. Triathlonsommer eine Langdistanz zu absolvieren fast zwangsläufig.

Eigentlich wollte ich nie wieder im Neusiedler See schwimmen. Da ich allerdings keinen Startplatz für den Ironman Kärnten bekam und sonst in Österreich 2020 keine Langdistanz ausgetragen wurde, musste ich meinen Frieden mit dem See schließen.

Am 20.6. meldet ich mich an. Jetzt gab es kein Zurück mehr und viele offenen Themen.
Ich kaufte mir ein gebrauchtes Zeitfahrrad und lies es von unserem Radpartner Speed Planet auf mich anpassen. Kurzentschlossen nahm ich am SportsMonkeys Trainingslager im Klagenfurt Anfang Juli teil und entwickelte meine individuelle Trainingsstrategie: Einerseits verfügte ich über einen generischen Trainingsplan aus dem Internet der mir wöchentliche Umfänge vorgab, anderseits orientierte ich mich stark an den Aktivitäten und Ratschlägen unser Ironman Veteranen Rudi und Robert. Beide waren in der Vorbereitung für den Ironman 2020 in Klagenfurt und meine Überlegung war, wenn ich mit den erfahrenden Routiniers trainiere wird es für mich auch reichen.

Ich verzichtete auf einen individuellen, für mich geschriebenen Trainingsplan und entwickelte Routinen: Die wöchentliche Teilnahme an einem geleiteten Monkey Schwimmtraining ergänzte ich jede Woche durch eine Runde ums Gänsehäufel. Das Lauftraining bestand aus dem Intervalltraining in der Gruppe am Montag, einen zweistündigen Nüchternlauf mit Rudi und Robert am Mittwoch und konsequentes Koppeln auf fast jede Radeinheit. Ein Großteil meiner Radeinheiten absolvierte ich entweder mit meiner Freundin Martina oder mit den Monkeys bei den Samstagsausfahrten – Geschwindigkeit und Strecke waren dabei durch die Begleitung vorgegeben – wichtig für mich waren die Stunden im Sattel.

Bis Anfang August schaute ich nur dass meine Umfänge grob im Rahmen des vorgeschlagenen Trainingsplans waren und achtete nicht auf präzise Vorgaben für die einzelnen Trainingseinheiten. Erst in den letzten 4 Wochen hielt ich mich präzise an die Vorgaben des Trainingsplans. Dies bedeutete auch dass ich plötzlich den Großteil meines Trainings allein absolvierte.
Als Pasta Liebhaber waren die letzten Tage vor dem Wettkampf ein echtes Highlight: mindestens 2 Portionen Pasta täglich.

Am Wettkampftag stand ich wieder – diesmal warm angezogen im Neoprenanzug - neben dem Leuchtturm und blickte auf einen spiegelglatten See.
Der See ist ein ausgezeichneter Schwimmtrainer: er zwingt einem zum „hohem Ellenbogen“ da man sonst bei jedem Schwimmzug am Boden streift. Diese „Disziplinierung“ technisch sauber zu schwimmen verbessert meine Schwimmzeit gegenüber meinen Trainingszeiten und meiner Zielzeit um 15 % und ich kam nach 1:25 Stunden und 3,8 km recht zufrieden und wenig erschöpft aus dem Wasser.

Auch das Radfahren startete sehr gut. Die ersten Runden konnte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 30 km gut halten. Dann nahm der Wind zu und drehte in eine ungünstige Richtung in der er zu jeweils 2/3 jeder Runde überwiegend von vorn kam. Aus Sturheit wollte ich nicht langsamer werden und stemmte mich noch für einige Runden mit mehr Kraft und Energie gegen den Wind. Als nach der 5. Runde (von sechs) mein Maltodextringemisch leer war und ich von der letzten Labe bei km 150 mit einer halbleeren Wasserflasche statt einer vollen Isoflasche wegfuhr dämmerte mir langsam, dass jetzt die härtere Hälfte des Wettbewerbs beginnt.

Nach einer anstrengenden letzten Runde finishte ich den Radsplit in 6:11 h bzw. mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 29 km/h. Beim Laufen spürte ich schon nach wenigen Kilometern deutlich mehr Schmerzen in den Beinen, als ich es von meinen Kopplern gewohnt war. In der 2. Runde musste ich immer wieder gehen und ging davon aus, Runde 3 und 4 nur noch zu „wandern“. Ich plante von Labe zu Labe und konsumierte an jeder Labe ein Gel und eine Unmenge an Flüssigkeit. Aufgrund der Energiezufuhr und den Regenerationsphasen beim Gehen konnte ich schon in der 2. Hälfte der 3.Runde wieder besser laufen und die 4. Runde zu meiner eigenen Überraschung wieder ganz durchlaufen. Die letzte Runde hatte eine ganz eigene Stimmung: es war dunkel, kühl, windstill und abgesehen vom gelegentlichen Überhohlen anderer Athleten sehr einsam.
Die letzten Meter und der Zieleinlauf nach einer Triathlon Langdistanz ist ein ganz besonderes Erlebnis: Anfeuerung von den Zuschauern an der Strecke, der Zielbogen wird immer grösser, die Beine schmerzen gar nicht mehr und dann kurz nach dem Ziel die Glückwünsche von Martina und den Monkeys Kollegen – einfach unvergleichbar.

Ach ja, die Gesamtzeit: war eigentlich nicht so wichtig, da ich nur finishen wollte. Aber ein wenig stolz bin ich schon, dass ich trotz der Probleme beim Laufen, dem Wind und der Hitze noch meine „Best Case“ Zielzeit von 13 h mit genau 12.59:11 erreichen konnte!

Herzlichen Glückwunsch an meine SportsMonkeys Langdistanz Kollegen: Vivien und Thomas waren als erfahrende Spitzenathleten schon nach 9,5 bzw. 10 h mit dem Wettkampf fertig und Ralph – der wie ich seine erste Langdistanz absolvierte - ca. 1 h vor mir im Ziel (siehe separaten Artikel von Ralph). Glückwunsch auch an alle anderen Monkeys die an diesem Wochenende in Podersdorf über anderen Distanzen gestartet sind und sehr beindruckende Leistungen gezeigt haben.

Abschließend vielen Dank an die Monkey Supporter an der Strecke: Es hilft unheimlich wenn man 10 Runden Radfahren und Laufen muss und weiß, dass am Ende jeder Runde ein Horde wilder Affen steht und ein in die nächste Runde voran treibt.

Proud to be an IRONMONKEY

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