Wörthersee Swim – das etwas andere Event

4. Oktober 2020, 4:53 Uhr
geschrieben von Wolfgang List

Angesichts der allgegenwärtigen Pandemie ist für alle Hobbysportler und auch Profiathleten das Jahr 2020 sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Bewerb um Bewerb wurde abgesagt. Geplante Starts und der gesamte darauf abgestimmte Trainingsplan verkümmerten zu Nebendarstellern. Nichts war so wie gewohnt. Auch für mich nicht.

Da meine gesetzten sportlichen Ziele im Kalenderjahr 2020 nach meinem letztjährigen Start beim IRONMAN Klagenfurt sowieso dünn gesät waren, blieb eigentlich ein Highlight über – der Wörthersee Swim.

Im Februar 2020 setzte ich mir das Ziel, die Distanz von 17km von Felden nach Klagenfurt schwimmend in Angriff zu nehmen. Diese Zielsetzung musste ich aber nach dem Black-Friday (13. März 2020, Anmerkung: Schließung der Bäder aufgrund COVID19) leider frühzeitig beenden, da mir schlicht und ergreifend die Trainingsmöglichkeiten fehlten. Schnell war klar, dass es die verkürzte Distanz vom 9km werden würde. Auch schlich sich ein gewisses Mir-Ist-Wurscht-Gefühl an. Nichts Vergleichbares gab es ja vorher. Die Gedanken waren nicht beim Training und den gesetzten Zielen. Familie, Freunde, Arbeit waren vielmehr zu diesem Zeitpunkt gefragt und geschätzt.

So begann ein wirklich ernstzunehmendes Schwimmtraining erst Mitte Juni. Wöchentlich begab ich mich drei bis vier Mal ins kühle Nass und spulte Meter für Meter meine Einheiten ab. Da sich die Wasserzeit ausschließlich im Freiwasser abspielte, wurden Technikübungen von Ausdauereinheiten abgelöst. Woche für Woche wurden die Einheiten verlängert und im wieder mit kurzen knackigen Tempoverschärfungen gespickt.

Da die Wetterprognose sehr vielversprechend für Kärnten angesagt war, beschloss ich, bereits einige Tage früher mit meiner Familie anzureisen, um auch in diesem Sommer einmal ein Gefühl von Urlaub zu erhaschen.

Am Samstag vor dem Wettkampf wurde das übliche Prozedere eines Wettkampfwochenende abgehalten. Startnummernausgabe und Briefing für den Wettkampf. In der Zeit zwischen der Startnummernausgabe und dem Briefing durfte ich dann einen beeindruckenden Vortrag von André Wiersig lauschen. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir dieser Herr so etwas von unbekannt und auch völlig egal. Doch als er über sein gelungenes Vorhaben „Ocean’s Seven (Anmerkung: ist das Pendant zu den Seven Summits) zu sprechen begann, war ich schwerstens beeindruckt und wurde sehr demütig. Nach dem Vortrag musste ich unbedingt unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen sein Buch „Nachts allein im Ozean“ erwerben, es signieren lassen und ein Erinnerungsfoto machen.

Nach einer angenehmen und entspannenden Nacht war nun mein „Saisonhighlight“ gekommen. Während ein Großteil der Affenbande in Podersdorf Ihren Start bevor bzw. schon hinter sich hatten, absolvierte ich im Schattendasein meinen Wettkampf im wunderschönen Wörthersee.

Da der Start erst am späten Vormittag angesetzt war, hatte ich genug Zeit zu Frühstücken und den Tag ruhig angehen zu lassen. Im Bewusstsein, dass ich ja auch schön langsam, aber sicher, zu der älteren Affengattung gehöre, war die Aufregung und die Nervosität vor dem Wettkampf mit wenig bis mäßig zu umschreiben.

Um Punkt 11:15 Uhr wurde jeder einzelne Teilnehmer im Abstand von zehn Sekunden von der Schiffsanlegestelle an der Landspitze von Pörtschach/ Peter Alexander Steg in den wunderbaren Wörthersee entlassen. Da ich die Startnummer 63 hatte, konnte ich noch in Ruhe ein Gel und einige Schlucke Wasser zu mir nehmen. Nun wurden auch mein Name und Startnummer aufgerufen. Ich stellte mich in den Startbereich und fühlte meine Lungenflügel mit mehreren tiefen Atemzügen. Es erklang der Countdown fünf, vier, drei, zwei, eins und go!

Ab nun begann die Challenge Wörthersee über die Distanz von 9km. Gleich zu Beginn des Wettkampfes gelangt es mir, einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden und jeden einzelnen Zug lang zu ziehen. Schnell schwam ich auf die ersten vor mir gestarteten AthletInnen auf. In den ersten eineinhalb Kilometern konnte ich sukzessive einen Schwimmer nach dem anderen überholen. Das Anfangstempo hatte ich absichtlich etwas höher angesetzt, um zu sehen, wo meine Tagesverfassung lag. So verflog der erste Kilometer in einer Zeit von 17:08 Minuten. Mir war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass das angeschlagene Tempo aufgrund des Gegenwindes und der Wellen nicht durchzuhalten war. Auch fehlten mir gleichgesinnte Schwimmer, an denen ich ein wenig im Schwimmschatten verweilen konnte. Auf Höhe Maria Wörth war nun die erste Verpflegung angesetzt. Dafür hatte ich bereits im Vorfeld ein Gel auf die mitgeführte Boje angebracht. Kurz verweilen, Gel runterschlucken, mit etwas klarem Wasser aus dem Wörthersee runterspülen und weiter ging es.

Auf den ersten Kilometern konnte man sich an Landmarken leicht orientieren. Je näher man sich jedoch der offiziellen Verpflegungsstellte in Krumpendorf näherte, desto schwerer wurde es, sich zurechtzufinden. Die errichtenden Bojen des Veranstalters waren in Weiß gehalten und diese waren mehr als schwer am Horizont zu erkennen. Bei Kilometer sechs war Krumpendorf erreicht. Hier wurde mir vom Steg ein Gel und Cola gereicht und umgehend in meinem Körper verarbeitet. Ich warf auch einen Blick hinter mich, konnte aber weit und breit keinen nachfolgenden Athleten erkennen. So machte ich mich wieder auf den Weg. Schön langsam, aber sicher, wurden die Schultern schwerer und schwerer. Immer wieder gingen mir die Worte von Dori aus dem Film „Findet Nemo“ durch meinen Kopf. Einfach schwimmen, einfach schwimmen, einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen. Von weitem konnte ich schon die Rutsche und den Springturm des Strandbades in Klagenfurt erkennen. In einem weiten Bogen wurde das letzte Teilstück der Schwimmstrecke von Krumpendorf nach Klagenfurt geführt. Hier hatte ich auch das letzte Mal Feindkontakt mit einen Open-Water-Schimmer ohne Neopren. Auf den letzten beiden Kilometer verspürte ich dann in der linken Wade die ersten Anzeichen eines Krampfes. Ich versuchte noch einmal die Sache entspannt zu betrachten und den Krampf mit lockeren Beinschlägen entgegenzuwirken. So verging auch recht flott die letzten Meter vor dem Zielbogen. Am Beginn des Steges kam an diesem Tag das erste Mal so etwas wie Stimmung auf. Neben den unzähligen Badegästen hatten sich auch einige Familienangehörige der Athleten eingefunden. Nach 2:55:40 Stunden hielt ich meine rechte Hand mit dem Zeitnehmungschip in Richtung des Zielbogen – geschafft!

Bereits am Heimweg auf Höhe Graz wurde mir telefonisch mitgeteilt, dass ich der Gesamtsieger und auch Sieger in der Altersklasse auf der 9km Distanz wurde. Als Draufgabe konnte ich in der Teamwertung mit meinen drei Mitstreiterinnen den zweiten Gesamtplatz erreichen.

Abschließend kann ich nur festhalten, dass es ein sehr geiles Schwimmevent war und das ich kommendes Jahr wiederkommen werde, um meinen Frieden mit den 17km Bewerb zu finden.

Hang loose

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