Euphorisches Wiener Schwimmtraining

2. Februar 2017, 18:11 Uhr
geschrieben von Rudi Hummel

In Wien ist sportliches, systematisches Schwimmtraining mit gut geschultem Personal auf einer dafür vorgesehenen Wasserfläche/Schwimmbahn in der kalten Jahreszeit in einer Leistungsgruppe fast unmöglich. Sollte man keinem Olympiakader angehören, oder gar einer Randsportart zuarbeiten, die beim Ausführen von Körperübungen Wasser in einer geheizten Halle benötigt, fühlt man sich als ambitionierter Freizeitsportler wahrscheinlich ähnlich wie die Flusspferde in ihrem Schönbrunner Gehege....Das ist für das emotionale Verständnis der folgenden Zeilen nämlich unbedingt notwendig zu wissen.
Wer in Wien zielorientiert Schwimmen trainieren möchte, kann dies in der Regel nur vor der Arbeit/Schule von 06:30 bis 07:30, oder aber von 20:00 bis 21:00 Uhr abends in den öffentlichen Städtischen Bädern tun....diese gleichen einander übrigens wie ein Ei dem anderen. Sollte man vergessen wo man sich gerade aufhält, könnte man nicht spontan sagen in welchem Wiener Hallenbad man sich eigentlich gerade befindet. Die meisten von ihnen sind vom selben Architekten geplant worden und das hat ja bestimmt auch gewisse Vorteile.
Wir Affen zogen diese Woche das große Los und durften zum Spättermin ins Großfeldsiedlungsbad.
Die Stimmungslage von uns war vergleichbar der beim Gewinn eines Lotto-Haupttreffers.
Fünf Personen, männlich, zwei davon ganz jung und talentiert, konnten tatsächlich eine Stunde lang hochwertig trainieren. Wir pushten uns gegenseitig und schwammen eigentlich alle über unsere Verhältnisse, am Limit. Adrenalinausstoß pur, ein Endorphingewitter. Wunderbar. Nur wenige Menschen im Bad, die wir allerdings mit unseren Ambitionen nicht störten, standen sie doch unter Duschen oder hingen im Kinderbecken rum. Es war genügend Platz zum Nebeneinanderschwimmen, was Ehrgeiz und Leistungswillen von uns natürlich nochmals steigerte. Wir waren im totalen „Swimming-high"...Ausnahmezustand. Gute Leistungen, zufriedene Sportler. Rasches Umziehen in der „Wechselzone" und dann raus ins minus 8° Grad kalte Großfeld-Wien. Ausblasen, geschafft. Oswald Redlich-Straße, drei Jung -und ich Alt-Affe im viel zu kleinem Stadtauto. Eine Dampfkammer wäre ein klarer Bergsee gegen unsere Sardinenbüchse gewesen. Gebläse und Heizung- Vollgas. Radio ebenso. Der „Kommissar" vom Falco wird auf Wiener-Welle gegeben. Allgemeines Head-Banging. Hinten durch die angelaufene Rückscheibe eine blaue Lichtorgel. Polizeisirenengeheul....allerdings nicht aus dem Autoradio.
Fahrzeugkontrolle: Drei Ordnungshüter im Einsatz. „Guten Abend, Herr Inspektor, was hab ich denn angestellt"?... „Inspektor gibt´s kan" bekomme ich den Kottan zurück.
1. In der 1. 30er Zone 40ig gefahren,
2. Bei der Einfahrt in den Kreisverkehr trotz Stoppschild noch langsam hinein gerollt.
3. In der 2. 30er Zone wieder auf 40 Stunden-KM beschleunigt.
4. Das alles noch dazu zu weit mittig. Die Räder links rollten am Mittelstreifen.
„Haben Sie viel getrunken"? Der Befehl: „Blasen" folgte...Das traf sich jetzt aber gut, gehöre ich im sechzigsten Lebensjahr doch einer Altersgruppe an, die normalerweise schon ausreichend Erfahrung mit dem Blasen ins Rohr besitzt. Ich betrat allerdings Neuland. Das Gerät besitzt keine Ähnlichkeiten mit einem „Röhrl". Eigentlich müsste es sich so anfühlen, wenn man die Fernbedienung eines TV-Gerätes in den Mund nimmt, dachte ich in diesem Moment. Na dann-Dopingprobe. „ Nicht so stark, das zeigt mir ja nichts an. Wenn Sie so stark reinpusten, zerstören Sie mir noch das heikle Instrument." Nach mehrmaligen Versuchen konnte ich meine Schwimmerlunge dahingehend disziplinieren, dass keine Schäden an diesem High-tech-Teil entstanden. Papiere in Ordnung, Fahrzeug verkehrssicher. Der Lenker hat keine verbotenen Substanzen konsumiert und ist um eine Erkenntnis reicher. „Wollen Sie eine Anzeige oder sind Sie mit € 50.- in bar zufrieden?" Und... da ist der ganze Sport-Sonderrabatt schon abgerechnet. Das Ausstellen der Quittung dauerte noch einige Zeit, die Schreibgeräte der Polizei hielten mit dem „Super-röhrl" nicht mit und bewegten sich bei diesen Temperaturen nur sehr widerwillig. Gott sei Dank gibt es noch Bargeld. Auf der Scheibe unseres Autos waren inzwischen von innen in Blockbuchstaben „A-C-A-B" zu lesen, was Gott sei Dank beim Weiterwinken von unserer Ordnungsmacht übersehen wurde. Noch schnell die Jung-Monkeys daheim abgeliefert, ging es doch schon gegen 23:00 Uhr und der Wecker läutet wieder um 05:00 Uhr Früh. Man möchte ja vor dem Schwimmen noch einen Schluck Tee trinken.

Inzwischen alleine im Auto, kommt „Auf der Flucht" vom Falco aus dem Lautsprecher und man verliert sich in Gedanken wie: Warum haben wir bei den Olympischen Spielen in Rio wieder keine Goldmedaille geschafft? Oder...Wann werden die hunderten Fachkräfte ausgebildet die unseren Kindern die tägliche Turnstunde ermöglichen? Haben wir denn jetzt wirklich keine einzige Triathlon-Veranstaltung mehr die in der Stadt Wien ausgetragen wird? Wann war das eigentlich, als Österreich die letzte Medaille im Triathlon-Sport bei Olympia erreichte? Ist das Stadthallenbadbecken schon wieder undicht?...Aber dann konzentrierte ich mich wieder mehr auf das Lenken vom Kleinwagen. Ein zweites mal fünfzig Euro an einem Tag hätte mein Schwimm-Budget deutlich überschritten.
Sollte ich zum nächsten Training nicht doch lieber mit dem Fahrrad kommen???
...Zieht euch bitte warm an und föhnt die Haare trocken, ahm...und die Haube nicht vergessen.

Auf bald, der TRI „Altaffe".

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