IM Austria… MEIN Heimrennen

21. September 2021, 18:27 Uhr
geschrieben von Ralph van Linthoudt

Der Ironman Austria vom 19.09.2021 ist Geschichte und wurde gefinisht. Beim Triathlon gibt es grundsätzlich 4 Disziplinen, da wären einerseits die Kerndisziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen sowie als berühmtberüchtigte 4te Disziplin der Wechsel. In der Monkeyscrew gibt’s eigentlich 5 Disziplinen. Als 5te Disziplinen steht am Plan, das Schreiben eines Rennartikels um die gesamte Affenbande mit dem Rennverlauf sowie sämtlichen wichtigen News bestmöglist zu informieren. Eine schnelle Newserstattung gehört für mich da auch dazu. Also habt’s meinen Bericht bereits am nächsten bzw. übernächsten Tag. Das Adrenalin, die Gedanken und Emotionen müssen schnell verarbeitet werden, mit Fortdauer der Regeneration vergisst mal vielleicht einiges.

Viele von euch werden sich denken, warum in der Überschrift „MEIN Heimrennen“ steht. Dies hat den Grund, dass ich die Strecke in und auswendig kenne. Vor allem die Radstrecke, sie wurde in den steilen Abfahrten, kurvenreichen Passagen, zu meinem Heimspiel. Allein 2021 wurde die 180km Runde 3mal gefahren, hinzukommen 3mal die Südschleife. Mit der Schwimmstrecke sowie der tiefstehenden Sonne über dem Lendkanal war ich auch bestens vertraut.

Tagestrainingslager am Wörthersee by Ralph

Für meinen Triathlon des Jahres 2021 wollte ich bestmöglichst vorbereitet sein, also wurden viele Trainingseinheiten auf der Strecke in Klagenfurt verbracht. Mit den Strecken war ich dank der Trainingslager mit den Monkeys aus 2019, 2020 und 2021 ja bereits vertraut. Es war mir jedoch nicht genug. Die schöne Landschaft, der traumhafte Wörthersee, es war zu verlockend, also wurde weitere Streckenbesichtigungen unternommen. In Abstimmung mit meinem Trainingsplan wurde jeweils ein Tagestrainingslager gemacht. Diese bestanden daraus, Tagwache um rund 04:00, Abfahrt aus Wien gegen 05:00, absolvieren des Radtrainings. Danach chillen am Wörthersee und Ausfahrten mit dem Standupboard, Abfahrt aus Klagenfurt gegen 16:00. Nun werden sich viele von euch denken, der ist ja vollkommen Irre. Allein 7 Tage wurde als Einzel Tagetrainingslager in Kärnten verbracht. Kärnten meine 2te Wahlheimat?? >> vielleicht. Für mich jedoch waren diese vielen Ausfahrten aufgrund des sonnigen Wetters wie ein Kurzausflug, indem ich meinen Kopf richtig auslüften könnte.

Folgende Streckenbesichtigung wurden 2021 gemacht:

Trainingslager mit den Affen
1x Radstrecke neu 90km
1x Radstrecke alt 90km
1x Radstrecke gesamt 180km

Tagestrainingslager Ralph
1x Schwimmstrecke 3,8km
1x 1,5 laufstrecke 42,2km
3x Radstrecke alt 90km
1xRadstrecke uralt 60km (keine Zusatzschleife über Faaker See)
1x Radstrecke gesamt 180km
1x Radstrecke gesamt 180km + Zusatzschleife Wörther See >>220km

Eine bessere Verbreitung mit den vielen Streckenbesichtigungen kann es nicht geben. Für keinen einzigen meiner unzählig vielen Triathlons habe ich so viel Zeit in die Streckenbesichtigung investiert, wird wohl bei keinem weiteren mehr vorkommen.

Neue Verpflegungsstrategie

Bei meiner letzten Langdistanz hatte ich Probleme mit der Ernährung, also holte ich mir für den IM externe Ernährungsberatung bei Viki. Mit der neuen Verpflegungsumstellung für den Wettkampf wurde lediglich 4 Wochen vorm Wettkampf begonnen. Normalerweise sollte man kurzfristig vor dem Bewerb keine allzu großen Änderungen an der Ausrüstung/Verpflegung machen. Auf Basis meines Gewichtes sowie den geplanten Splitzeiten werden ein personalisierter Ernährungsplan für den Wettkampf erstellt. Bei erstmaligem Durchlesen habe ich nur die Hälfte des Textes verstanden, hatte jedoch volles Vertrauen in den neuen Plan. Austesten der neuen Verpflegung bei den Radeinheiten, mehrmaliges anpassen, da sich mein Magen aufgrund der Menge an Kohlenhydrate verpickt hatte. Dank den neuen Rezepturen war ich bestmöglich für die Langdistanz gewappnet.

Letze Abschlussprüfung

Sämtliche Strecken waren mir bereits mehr als bekannt, jedoch kannte ich die Laufstrecke überhaupt nicht. Daher wurden die letzten beiden Schlüsseleinheiten zwei Wochen vorm Wettkampf, wo sonst halt, am Wörthersee abgehalten. Da der Wettkampf von Juli auf Mitte September verschoben wurde, musste auch der Sonnenstand getestet werden. Anfang Juli schwimmst du im Wörthersee die Länge von ca. 1,2km in Richtung des Lendkanals gegen die Sonne, da musst du schon die „Einfahrt“ zum Lendkanal finden. Im Wettkampf dienen die Bojen zum Orientieren, viel weiter als die Bojen, die ca. 200m auseinander sind, siehst eh net. Also wurde am 04.09 beschlossen, das lange Abschlussschwimmen auf der WK-Strecke mit einem Vormittagsausflug zu verbinden. Tagwache um 02:50, um zur geplanten Startzeit des Ironmans (ca. 07:20) rechtzeitig in den See starten zu können. Pünktlich gegen 06:45 am Strandbad vom Wörther See angekommen, aufwärmen, umziehen in den Neo und auf zum Original Start vom traumhaften Sandstrand des Wörthersees. Gemäß dem Wettkampfstart wurde ins Wasser gelaufen, und einige Delphinsprünge eingelegt, um eine optimale Wettkampfsimulation zu erzielen. Beim retour schwimmen Richtung Lendkanal war dann die altbekannte Sonne da und blendete mich. Es sind sehr ähnliche Bedingungen wie im Juli, nur das die Sonne um a eizal höher steht. Hilft nix, weil blenden tut sie trotzdem. Das Schwimmen wurde dann in ca. 01:15 Stunden absolviert, so eine Zeit hatte ich letztes Jahr bei meiner Langdistanz Premiere in Podersdorf. Mit der geschwommenen Zeit konnte ich durchwegs zufrieden sein, minimaler Schlaf, Nachtanreise mit dem Auto, kein Wasserschattenschwimmen und das fehlende Wettkampffeeling. Schwimmsachen im Auto verstauen und zurück nach Podersdorf, um Thomas und Christiane auf der Laufstrecke bei der Halbdistanz anzufeuern. Da wurden ordentliche Erinnerung an meinen Marathon (Laufen+Gehen) bei der Langdistanz in Podersdorf 2020 wach. Trotzdem war es ein eigenartiges Gefühl an den Ort zurückzukehren, wo ich meine erste Langdistanz finishen konnte.
Mit den good vibes vom Vortag, ging es am nächsten Morgen auf die Reise, wie so oft in diesem Jahr, zurück zum Wörther See. Es stand die große Abschlussprüfung bevor. Diese bestand aus zwei Teilen (60km Radln + 30km Laufen). Als Radstrecke wurde die Südschleife gewählt, ausgenommen der Zusatzschleife über Faaker See, Rosegg. Fahren der Strecke mit den geplanten Wattwerten, die ich beim IM treten sollte. Abstieg vom Rad beim Strandbad Wörthersee, Rad ins Auto, zügiger Wechsel aufs Laufgewand und los auf die originale Laufstrecke vom Wettkampf. Mit Laufweste samt Verpflegung (Getränke und Riegel) sowie der Karte in der Hand gings los nach Krumpendorf, mehrmaliges Orientieren mit der Karte, welche Abzweigung zu nehmen ist. Retour in den Europapark, entlang des Lendkanals nun rein ins Ortzentrum von Klagenfurt. Wende im Zentrum von Klagenfurt retour zum Europapark. Der Lendkanal fühlte sich richtig Elends lange an, hoffentlich ist der im Wettkampf net so zach. Angekommen im Europark war die erste Runde bzw. 21km abgelaufen, nochmals raus nach Krumpendorf und zurück in den Park. Der 30km Lauf war vollbracht, die Temperaturen waren hoch, die Haxn waren gut drauf, Pace war konstant gleich. Gegen Ende waren die Haxn zwar net mehr so locker drauf, aber gelaufen sinds trotzdem irgendwie.

Carboloading – oder iss so viel du kannst

Mit der letzten Woche vorm Ironman, wurde meine Ernährung auf eine brutale Weise umgestellt. Kein Essen auf das ich Lust habe (Schokolade,….), absolutes Alkoholverbot bis zum Wettkampf, wobei aufs erste Bier nach dem Wettkampf freue ich mich schon. Auffüllen der Kohlenhydrat-Speicher mit teils mehr als dubiosen Methoden: Mittagessen bestand mal aus 500g Reis oder 750g gekochten Erdäpfeln ohne Nix/Beilagen. Gusta auf Kaiserschmarren, die übliche Menge kann ich verdoppeln, das ess ich schon z’sammen!! >>Kaiserschmarren mit 8 Eiern!! In dieser Woche wurde ich zum richtigen Vielfraß, wobei so wenig esse ich sonst auch nicht.

Rennen des Jahres

Der Morgen begann mit einem kleinen Spaziergang beim sternenklaren Himmel vielversprechend, traumhaftes Wetter war angesagt. Wie so oft vor einem Wettkampf wurde der Magen geleert. Anreise zur Wechselzone, Reifen aufpumpen, Verpflegung auffüllen, Laufsachen und Radsachen in die Startersackerl vorbereiten. Zurück zu Rudi zum Campingplatz, während die anderen Monkeys ihren Morgenkaffee genossen. Nochmals den Magen entleeren. Neo anziehen und auf zum Start ins Strandbad. Aufwärmen der Arme, Schultern, Nacken und ein kurzes Einschwimmen. Danach gings ans Verabschieden vom Monkey Support sowie Glückwünsche an die startenden Monkeys.

Beim IM erfolgt der Schwimmstart mittels Rolling Start. Alle 5 Sekunden werden 4 Athleten auf die Strecke gelassen. Ein großer Vorteil gegenüber dem Massenstart ist, dass es zu keiner Schlägerei mit den anderen Starten auf den ersten Schwimmmetern kommt. Rein ins Wasser laufen, 3 Delphinsprünge, einige Züge dreier Atmung, danach Umstellung auf zweier Atmung und den Schwimmrythmus finden. Gefühlt 1.000 Meter waren geschwommen, als sich auf einmal einige hohe Wellen über dem Wörthersee aufstauten. Sind die hohen Wellen aufgrund des heftigen Windes??? Kurze Zeit später waren die Wellen auch schon wieder vorbei. Auf der halben Strecke kamen auf einmal wieder diese Wellen, warum nur?? Hauptverursacher war ein großes Boot auf dem Zuschauer das Schwimmen verfolgten. Sie hatten ihre Freude beim Zuschauen und wir durften uns mit den Wellen abquälen. Naja, jammern hilft eh nix, also weiterschwimmen. Es ging nun rund 1.000m gegen die tiefstehende Sonne in Richtung des Lendkanals. Durch die Sonne waren selbst die Bojen nur schlecht zu erkennen. Im Lendkanal erwarteten uns die Zuschauer auf beiden Seiten des Kanals. Auf Höhe des Campingplatzes erwarte uns der Monkeys Support. Hierbei wurde es richtig laut, die Anfeuerungsrufe konnten klar und deutlich verstanden werden. Kurze Showeinlage mit zwei Delphinzügen und auf zum Schwimmausstieg beim Seepark Hotel. Ein eigenartiges Gefühl machte sich plötzlich in meinem Magen spürbar, hatte das Bedürfnis den Magen zu entleeren. Vom Schwimmausstieg bis zur Wechselzone waren ca. 800m zu laufen.

Beim Radaufstieg ging es vorbei an der großen Menschenmasse in Richtung Krumpendorf. Ein kleiner Anstieg zum Schloss Hallegg. Auf den zwei Serpentinen bergab konnte ich gleich zwei Athleten überholen. Hinauf auf die S37 in Richtung St. Veit an der Glan. Maximale Aeroposition waren auf der teilgesperrten Schnellstrecke mit rund 18km angesagt. Die Magenschmerzen kamen schon wieder und waren einige Minuten später auch wieder weg. Hier wurde ich vom LD-Rookie Christian Wild überholt, ließ mich jedoch nicht von seinem Tempo mitreißen und fuhr meine Watt weiter. Beim Anstieg nach Tratschweg konnte ich Alwin Saraswat überholen. Ein altbekannter von Dienstags- und Freitags Frühschwimmeinheiten im Donaustädter Bad. Kurzer Austausch mit Alwin während dem Berganstieg, es fühlte sich an wie eine Gruppenausfahrt an. Haha. Auf der folgenden temporeichen Abfahrt mit rund 65 km/h ging es zurück nach St. Veit an der Glan. Selbst bei dem hohen Tempo konnte ich drei weitere Athleten wie Statisten rechts neben mir liegen lassen. Dieser Temporausch war so richtig geil, gesperrte Strecke. Mitten im Ortszentrum war auf der Fußgängerzone eine Partymeile der Zuseher. Pass auf deine Flaschen im Sattelhalter auf, beim Kopfsteinpflaster werde diese schon mal zum Geschoß. Vorbei an unzähligen Österreichfahnen mit Ironman Aufschrift, lautstarke Anrufe und die erste Labestelle. Griff zur Wasserflasche und auffüllen des Wassertanks, der sich in meinem Specialized Shiv befindet. Leichter gesagt als getan, auf einem Kopfsteinpflasterbelag wurde dies zur ultimativen Challenge. Weiter flach mit einigen Schupfal nach Feldkirchen. Dieses Teilstück hatte rund 20km in sich, Aeroposition und hin und wieder mal aus dem Sattel in den Wiegetritt. Angekommen in Feldkirchen gab es einen kurzen, aber richtig schirchen Anstieg. Es folgte eine lange flache Abfahrt, ideal für die Aeroposition, auf der ich mich richtig austoben konnte. Mit knapp 60 Sachen ging es bergab. Rock ‘n Roll!!! Bei Moosburg folgte ein kurzer knackiger Anstieg, hierbei wurden wir wortwörtlich von den Zuschauern über den Anstieg getragen. Über eine Zusatzschleife ging es flach danach kamen einige Schupfer und kurvenreiche Passagen in Waldstücken. Ab dann ging es zurück nach Moosburg. Auf nach Krumpendorf, hinunter zum Wörthersee. In der doppelten S-Kurve Abfahrt nach Krumpendorf war das Einfahrtstempo sehr hoch, musste aber deutlich verzögert werden, um die Kurve noch zu schaffen. Entlang des Wörthersees gings nun zurück nach Klagenfurt. Bei der Ortseinfahrt konnte ich bereits von weitem die SMTC Beachflag sehen. Aeroposition aggressiv einhalten, Blick nach vorne, kam ja mit Karacho daher, für die Presse wurde der Hang-Loose Gruß mit der rechten Hand fabriziert. Die ersten 90km waren geschafft, Halbzeit also. Entlang des türkisblauen Wörthersees ging es über Rosegg nach Faak am See. Die leicht kurvenreiche Strecke am See konnte fast durchgängig in Aeroposition durchgezogen werden, großartiges Panorama, da hatte ich einen richtigen Grinsa drauf. Um zum Faaker See zu gelangen, musste noch der Anstieg mit ca. 8% bewältigt werden. Trittfrequenz über 50 Umdrehungen/Minute halten, teils in den Wiegetritt, Puls nicht allzu hochkommen lassen. Vom Faaker See erfolgte der Streckenverlauf nach Ledernitzen. Hierbei hatte ich eine richtig schlechte mentale Phase. Du fährst am Aufleger mit knapp 20km/h und glaubts du stehst am Stand und kommst nicht weiter. Es geht leicht bergauf, das sieht man leider nicht, man merkt es nur an der Geschwindigkeit. In Ledernitzen ging es vorbei an den beiden Affen Graffitis, ein ordentlicher Motivationsschub durchdrang meinen Körper. Eine Highspeed Abfahrt folgte, in denen es wie so oft galt, den Kopf unten zu halten und sich klein zu machen. Biete dem Wind keine Angriffsfläche. Zurück nach Rosegg ging es über Schiefling in Richtung Berg aller Berge beim Ironman Austria, dem RUPERTIBERG. Nach knappen 155km musste der Rupertiberg mit einer Steigung von etwa 8% bewältigt werden. Kurz vor der Gipfelankunft schauten mich drei Affenköpfe vom Asphalt aus an. Mit einer Trittfrequenz von teilweise 45 ging es auf den Rupertiberg. Oben angekommen, kurz durchschnaufen, Puls senken. Die Radstrecke war nun fast geschafft es ging bereits nach Klagenfurt zurück. Nach dem Rupertiberg folgten noch einige kleine Anstiege gefolgt von langen Abfahrten mit hoher Trittfrequenz. Auflockern der Muskulatur für den anschließenden Marathon. Ortseinfahrt Klagenfurt, vorbei am Wörthersee Stadion und gemütliches Ausrollen der letzten verbleibenden 3 km.

Übel nahm seinen Lauf

Des Radln wurde ohne Defekt abschlossen, meine größten Sorgen waren nun beiseite. Was soll auf den abschließenden 42km noch passieren?? Das Durchbeißen beim Marathon kannte ich bereits von der letzten Langdistanz. Noch in der Wechselzone entleerte ich meine Blase, um beim Laufen keine Klopausen einlegen zu müssen. 42 km auf zwei Laufrunden aufgeteilt, pro Runde bekommst du ein Armband (eins in Gelb, das andere in Grün). Durch den Europark ging die Laufstrecke nach Krumpendorf. Nach nicht einmal dem ersten Kilometer durfte ich eine kurze Bekanntschaft mit den schnellsten beiden Männern machen. Ein ordentliches Tempo hatten die beiden Herrschaften drauf, ein kurze Laufstilbeobachtung der beiden konnte ich noch machen und schon weg warens. Mitten im Europark warteten die Affen auf mich und pushten auf die kommenden Kilometer. Einnehmen des Isos vom Veranstalter, bei den Riegeln vertraute ich auf meine altbewährten. Auf den ersten beiden KM war meine Laufpace deutlich unter der Vorgabe, oje!! Tempo verlangsamen, die restlichen KM können noch sehr laaange werden. Auf den ersten 11km war ich noch im Soll um den Marathon in SUB 03:59 Stunden zu erreichen. Die Beine waren gut drauf, die Motivation war hoch, die mentale Stärke war da, es kann doch nichts mehr schief gehen. Vorbei an den jubelnden Monkeys im Europark ging es entlang des Lendkanals in Richtung Innenstadt. Bei der Labestelle KM12 hatte ich so ein richtig mieses Gefühl im Bauch. Der Magen kribbelt und wollte aufs Klo. Ich dachte mir nur, das geht schon noch, schau ma auf den folgenden Kilometern wies weiter geht. Mit letzter Müh und heftigen Magenschmerzen schleppte ich zur nächsten Labestelle und der Magen wurde dort am Dixie Heisl entleert. Noch schnell ein Schluck Wasser zum Nachspülen und weiterlaufen. Mit einem mehr als gutem Gefühl, der Magen spielt mit, ging es zum Ende des Lendkanals, weiter in die Innenstadt und retour in den Europapark. Am See angekommen, war die erste Runde absolviert, ich konnte mir mein grünes Band für die 2te Laufrunde abholen. Die Hälfte ist geschafft, Yes!

Mit den Glücksgefühlen war es jedoch nicht lange so, bei KM 23 wusste erneute eine Klopause eingelegt werden. So a schaß aber auch, dieser Magen. Warum muss das genau heute sein?? Mit Mühe und Not sowie großen Schmerzen konnte ich die Riegel und das Iso zu mir nehmen. Bei KM 26 hats mir dann die Sicherung geschossen. Komplett dehydriert und vermutlich auch unterzuckert, baumelt ich einige hunderte Meter herum. Da war doch was in Podersdorf 2020. Nachdem mich einigen Athleten sowie Zuschauer fragten, ob alles in Ordnung ist, beschloss ich mich nochmals aufzuraffen, um mich irgendwie die restlichen 15 Kilometer ins Ziel zu schleppen. Komme was wolle. Aufgeben ist KEINE Option. Mit dem schlechten Zustand wurde mir klar, dass mein großes Ziel der Marathon Sub 03:59 verloren war. Ich konnte es nicht fassen und musste teilweise mit Tränen kämpfen, warum auch immer, die Niederlage hatte mich tief getroffen. Mehrmals sagte ich mir die Worte „You are an Ironman“, das waren die Worte, die ich unbedingt beim Zieleinlauf vom Stadionsprecher hören wollte. Darauf trainierst du hin, damit‘s das einmal hören kannst. Angekommen an der nächste Labestelle änderte ich meine Verpflegungsstrategie. Coca-Cola, Wasser zum Nachspülen und Salzcracker das sollte doch helfen. Mit der neuen Strategie kam ich wieder einigermaßen zu Kräften und der Magen meldete sich nicht. Verpflege dich bei der Labe, einnehmen der Verpflegung beim langsamen Gehen, mit leichtem Schritt zur nächsten Labestelle schleppen. Flotten Schritts überholte mich Nicole und rief im Vorbeilaufen „Gemma Ralph!!“. Das war wohl die Motivation, die ich brauchte. Auf geht’s, lass deine Beine einfach NUR laufen. Ich sehnte nur den Park vor mir, vorbei an den Monkeys. Tief gesenkter Blick ging es vorbei an den Affen. „Des schaut guat aus“ riefens mir hinterher. Es sind nur noch 10 Kilometer. KM 35, plötzlich ein Sinneswandel, ich konnte annähernd meine geplante Wettkampfpace laufen, ausgenommen der „Magenentleer Pausen“. Angekommen im Zentrum von Klagenfurt sehnte ich mich so sehr nach dem Ziel. Im Gegensatz zu meinem Magen wollte ich keine Pause mehr einlegen. Die Abenddämmerung setzte langsam ein, die Sonnenbrille bleibt aber oben, schaut besser auf. Aufrechte Körperhalterung, Kopf nach oben, gleich hast du es geschafft. Letztmals vorbei am Monkeys Support und einbiegen in den Zielkanal. Hunderte Menschen entlang des Kanals jubelten und die Scheinwerfer rückten mich ins richtige Licht.

Endlich es war nun der Moment gekommen, an dem ich hören durfte „Ralph, YOU ARE AN IRONMAN“. Es war so geil, das lange herumquälen und abqäulen mit dem Magen zahlte sich aus. Ich konnte Herr über meine Magen werden, auch wenn dieser in einigen Momenten stärker als ich war. Ok ich hab’s geschafft, auch wenn ich nicht meiner Zeit zufrieden war, aber ich habe gefinisht. Die heißbegehrte IM Finisher Medaille sowie des Finisher Shirt holte ich mir gleich ab, ehe ich mir sofort trockenes Gewand aufgrund der kühlen Temperaturen anzog. Mit schwerem Schritt ging es zu den Supporten zurück. Hierbei merkte ich sofort gleich, das etwas gewaltig nicht stimmt. Die erfahren LD-Supporter merkten sofort das etwas nicht passte. Ich hatte ein Dutzend Tränen in den Augen (auch große Jungs müssen hin und wieder mal weinen). In diesem Moment war ich so richtig angefressen auf meinen Magen, der mir beim wichtigsten Tag des Jahres einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machte. Mit der Finisherzeit sowie den Splitzeiten hatte ich mich gar nicht beschäftigt. Der Frust war mir einfach zu viel.

Mittlerweile ist der nächste Tag angezählt und der Frust bzw. Kummer über den misslungenen Marathon ist glücklicherweise schnell verflogen. Realisiere gerade welche Leistung, seis mental sowie magentechnisch ich da gestern vollbracht habe. Egal wie stark die Schmerzen oder auch Qualen sind, Hauptsache du ziehst es durch.

Ich bedanke mit bei der gesamten Monkeyscrew für die nun jahrelange Unterstützung. Seis als Trainingspartner, Hilfe bei technischem Support, andere Sichtweisen über unseren affengeilen Sport. Die gesamten Einheiten (Training, Wettkämpfe, Stammtisch,…) machen mit euch einen riesigen Spaß und vor allem Freunde. Weiters für die großartige Unterstützung vor Ort, durch Rudi, Robert, Wolfi, Vinci, Shini und Thomas Mulderer (hoffentlich auch bald a Monkey). Gratulieren möchte ich unseren Monkey Rookies Nicole Zahradnicek, Yasin Elbizanti und Christian Wild, sowie dem erfahrenen Vladimir Lyssenko zum Finish. Hut ab vor eurer Leistung, das war spitze.

Ausblick auf 2022

Die in Österreich stattfindenden Langdistanzen (Podersdorf und Klagenfurt) wurden beide gefinisht, also muss die zukünftige Reise ins Ausland gehen. Der Hunger auf eine Langdistanz ist noch nicht gestillt, also erfolgt 2022 eine weitere Langdistanz (sollte ich vorher vielleicht noch mit meinem Trainer Moritz absprechen, haha!!). Momentan am Zielradar für eine Langdistanz 2022 steht der IM Gdynia (Polen).

Proud to be an (Iron)MONKEY!!!

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