King of the Lake

25. September 2021, 9:01 Uhr
geschrieben von Lukas Hartmann

„50kmh mit dem Auto – kein Problem. 50 kmh mit dem Fahrrad und das eine Stunde lang – eine Tortur. Zeitfahren ist eine der härtesten Disziplinen im Radsport. – Damit ist klar – dieser Event ist genau das richtige für unerschrockene Affen!

Ein gnadenloser Kampf um Sekunden, neue Rekorde, brennende Beine und glückliche Gesichter – das war die bereits 11. Auflage des ASVÖ King of the Lake 2021. Als am 18. September der Startschuss zu dem europaweit einzigartigen Einzel- und Mannschaftszeitfahren rund um den Attersee fiel, galt es für 1.400 Radfahrer aus 26 Nationen ihre beste Zeit rund um den Attersee hinzulegen.

Gerade im Herbst zeigt sich die Gegend rund um den Attersee von seiner schönsten Seite und der in der Herbstsonne türkisblau schimmernde Attersee muss im Uhrzeigersinn umrundet werden. Dabei müssen auf gesperrter Strecke 47,2 km mit ca. 280 Höhenmeter so schnell als möglich zurückgelegt werden.

Gestartet wird in knappen Abständen in 10er Teams (14 Starter), in 4er Teams (Männer, Frauen, Mixed – gesamt 107 Teams am Start) sowie 536 Einzelstarter (jew. Rennrad oder Zeitfahrrad-Klasse) von der durchaus „tückischen“ Startrampe!

Doch bevor gestartet werden kann, gilt es schon im Frühjahr überhaupt das Glück zu haben, einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Dieses Jahr wurden sogar aufgrund der großen Nachfrage, das erste Mal die Einzelstartplätze verlost, die Team Startplätze waren nach wenigen Stunden ausgebucht.

Neben einigen weiteren Teams aus Wien (VICC Racing Division war u.a. stark vertreten) haben auch 2 Sports Monkeys Teams einen Startplatz ergattert. Unglaublich schade, dass dem Team SMTC 1 aus gesundheitlichen Gründen letztendlich eine Teilnahme nicht möglich war. Dennoch haben Rene S., Roman V. und Katharina Sch. (Philipp H. musste leider in Wien das Bett hüten) die Möglichkeit genutzt um vor Ort die Atmosphäre aufzusaugen und uns, das SMTC 2 Team entsprechend anzufeuern – Danke nochmals auf diesem Wege!

Alle anderen Interessierten konnten das Renngeschehen am bemerkenswert gut kommentierten Live Stream auf der Facebookseite des KOTL verfolgen.

Rennbericht vom Team SMTC 2:

Christian Almeder, Matthias Müller, Lukas Hartmann und Michael Scheibelecker (noch nicht Monkey – aber wir haben das Wochenende fest daran gearbeitet!)

Das KOTL Wochenende beginnt für uns bisher immer schon Freitag mit der Anreise aus Wien, nach der Arbeit oder im Idealfall mit einem Urlaubstag. Wie auch im letzten Jahr haben wir ein Privatquartier oberhalb von Schörfling in Oberachmann bezogen – der Vorteil: man ist etwas abseits des Rummels und in perfekter Distanz zur Wettkampfstrecke und kann in direkter Umgebung ideal aufwärmen und ausradeln. (Anmerkunge: neben Haustieren dürfen auch Räder ins Zimmer!) Die früher angereisten Teammitglieder konnte noch die Zeit für eine Streckenbesichtigung und eine lockere Radrunde nutzen, Startunterlagen abholen und dankenderweise für alle schon den Kühlschrank füllen. Der Freitag Abend wurde traditionell mit unmengen an Pasta und selbstgemachten Kaiserschmarrn (Danke Julia! – Frau von Christian, die mit einem VICC Team an den Start ging) sowie letztem Radtuining und Streicheleinheiten (für die Räder & Equipment) verbracht.

Das Wetterglück ist auch dieses Jahr dem Veranstalter treu geblieben und bei Sonnenschein und angenehmen 20 Grad und wenig Wind wartete der Samstag als perfekter Wettkampftag auf uns. Nach der ungewohnten Möglichkeit ein wenig auszuschlafen und gemütlichem Frühstück, gab es mit der späten Startzeit um 13:16 Uhr noch genügend Zeit für Entspannung am Vormittag. Dieser wurde für einen Morgenspaziergang und Yoga am Wasser; klassischem „Knotzen“ bzw. Besuch und Austausch mit anderen KOTL Startern genutzt.
Nach einer letzten Stärkung ging es um 12.00 Uhr zum Warmfahren und Einrollen und danach direkt zum Startbereich in Schörfling. Staunend aus unterschiedlichen Gründen wurden die Mitstarter genau beobachtet und analysiert. Besonders das deutsche Damenteam (Radsportteam Gaimersheim) welches direkt hinter uns Aufstellung nahm, hat uns aufgrund der Oberschenkeldurchmesser schon vor dem Start schwer unter Druck gesetzt! Im Startbereich ging es dann Schlag auf Schlag und schon standen wir auf der Startrampe. Der Mund ist trocken, das Herz schlägt kurz durch die Brust: 10…9...8…2…1. und los geht’s!

Nachdem beide Beine, wie bei Triathleten oft trainiert, schnell eingeklickt sind, pedalieren wir hinter Christian die Steigung aus Schörfling hinaus um danach auf dem schnellen Teil der Strecke uns ins Reih und Glied zu formieren (wir nannten es heuer: „die Daltons´s Formation“) und mit dem Kreiseln zu beginnen.
Dieses Jahr, eher entgegen den üblichen Bedingungen, weht uns auf dem ersten Teil doch spürbarer Wind entgegen. Die ersten km in einem Zeitfahren, soll man sich ja gut einteilen und strickt an den Plan bzw. die eigene Leistungsfähigkeit halten. Wie gewohnt, gelingt dies nicht und wir hauen fester in die Pedale und können so auch gleich das erste Team vor uns überholen. Wir sprechen uns jedoch gut ab und finden auf den nächsten Kilometern ganz gut in einen gleichmäßigen Tritt und radeln so an der frenetisch anfeuernden Kathi vorbei. Das hohe Anfangstempo zwingt uns in den leichten Anstiegen ein wenig herauszunehmen – und prompt schlägt die Angst im Nacken (das deutsche Mädl´sTeam) zu und zieht an uns vorbei. Nach gut 20km schon am Ende des Sees angelangt, ziehen wir mit vereinten Kräften bei der ersten nennenswerten Steigung wieder an den Damen vorbei und können uns in der Abfahrt danach mit bis zu 65kmh im Geschwindigkeitsrausch ein wenig ausruhen - (zumindest die 3 im Windschatten, denn der Vordermann muss in so einem Fall wie ein Hamster seine Tätigkeit verrichten!)

Im Flachen, schon auf dem Retourweg, wiederholt sich das gegenseitige Überholen des Damenteams. Letztendlich war der (der Norm entsprechende) Windschatten hinter den starken Damen zwar (sportlich) beeindruckend, doch der gekränkte männliche Wettkampftrieb hat uns noch so viel Kraft verliehen, um letztendlich vor den Damen ins Ziel zu kommen (jedoch zeitlich hinter ihnen liegend) Chapeau an die starke Leistung der Damen aus Deutschland und den sportlich fairen Wettkampf!
Die letzten 15km, speziell die kurzen Steigungen und die Antritte zum Überholen, ließen dann doch einige Körner und mit einer unmenschlichen Leistung über die Steigung am Buchberg (14% Steigung), konnten sich auch Matthias noch in der Gruppe halten. Dennoch bekamen wir ca. 3km vor dem Ziel den Freifahrtsschein vom SMTC Generalsekretär – worauf wir uns aufmachten, alle vorhanden Kraftreserven in die Pedale zu legen und im Kreisel beinahe „all out“ gingen und im Zielsprint mit bis zu 55kmh das (leider viel zu kurze) Renngeschehen beendeten.
Nach Luft ringend und mit zitternden Beinen schossen sofort Glücksgefühl und Adrenalin ein – auch Matthias konnte letztendlich nach wenigen Sekunden im Ziel wieder auf uns aufschließen! Gefühl zu dem Zeitpunkt: „Ur geil! Ich will nochmal!“ (nicht sofort – aber bald)
(Gedankennotiz am Rande oder für alle die neben Triathlon auch ein wenig mehr Geschwindigkeitsrausch am Rad erleben möchten: KOTL, Zeitfahrtcup und Kriterien im Cyclodrom nächstes Jahr auf den Wettkampfkalender setzen!) www.zeitfahrcup.constantcontactsites.com / www.vicc.racing – Race Days / www.kotl.at)

Nach dem Rennen:
Nach kurzer Erholung wurde mittels kohlenhydratreichem Getränk angestoßen, danach ausgeradelt, geduscht und danach wieder der Weg retour zum Renngeschehen angetreten.
Zielstrebig vorbei an den Messeständen der kleinen aber feinen Rad-Expo ging es Richtung, schon am Vorabend entdeckten, Würstelstand an der Agerbrücke. Tiefstehende Sonne über dem Attersee im Gesicht, Bosna und ein kühles Helles in der Hand, während wir bei glückserfüllter Stimmung Frauen und Männer auf Ihren Maschinen im Endspurt bewundert.
Zum große Finale, vorbei an namhaften Athleten wie Christoph Strasser #vuigasradlfoan, Marcus Baranski #fratzengeballer oder Nick Stoggenborg #pushingthelimits … ging es zu den Absperrgittern im Zielbereich zum großen Show Down der Favoriten und Elite-Fahrern.
Die eingefangene Stimmung auf wenigen m² ist unbeschreiblich: Glücksgefühle und –schreie, Gefluche und Gespucke, Räder die liebkost oder weggeworfen werden, „Rotz- und Speichelglocken“, Schweißtropfen, Luftringen, ein kraftloses Taumeln hier ein Luftsprung da…
Räder im 5stellinge Preis-Bereich mit Scheibenrädern, Carbonteilen, Aerutuining oder goldene Schnellspanner - von denen Männern steigen, die scheinbar halb so viel wiegen wie ich und den Kurs in unter einer Stunde mit fast 50kmh Durschnitt bestreiten.
Hätte ich nicht ein Bier in der Hand gehabt, wäre mein Mund wohl für einige Zeit wortlos offen gestanden…
In den letzten Minuten des Rennens treffen noch einige Favoriten bzw. Elite Fahrer ein und sekündlich verändert sich das Live Leaderboard. Der Stolz, dass unter den Top Fahrern auch Triathleten mithalten können, währt nur kurz, da der scheinbare KOTL Sieger Paul Ruttmann wegen Windschattenfahrens disqualifiziert wird.
Letztendlich steht das Ergebnis und unser Entschluss, wieder zu kommen und auf schnellstem Weg Richtung Abendessen aufzubrechen. Denn zu lange durfte der Tag nicht mehr dauern, denn der Wecker für die frühmorgendliche Abreise Richtung Maissau Duathlon war schon gestellt.
Ich, Matthias und Michael verabschiedeten uns also im frühen Morgennebel Richtung Osten, während Julia und Christian die Zeit für eine entspannte Ausfahrt bzw. eine „Coffee Ride“ mit Christoph Strasser am Sonntag Vormittag nutzten. Wie es uns in Maissau ergangen ist findet ihr in einem anderen Bericht und einige Daten & Fakten hier im Anschluss und alles zu diesem wirklich sehr empfehlenswerten Event unter www.kotl.at !

Endzeit SMTC 2:
1:11,04 – 39,8kmh Durchschnitt

Endzeiten einiger interessanter Teilnehmer und weiter interessante Einblicke in das Event am Attersee:

Christoph Strasser (24h Weltrekordhalter, 6maliger RAAM Sieger, …) 0:57,54 (2. Platz allg. Klasse) – Wettkampfbericht auch im Podcast: https://recast.simplecast.com/5a717c13-c6b0-4f9e-91fa-38f2e2cb5190?t=36m49s

Marcus Baranski „der Baranski“ (der „Aero und Wachsketten-Papst“) 1:01,06 (17. Platz allg. Klasse) – Wettkampfbericht auch unter: https://www.derbaranski.de/blog

Andreas Silberbauer (Dua- u. Triathlon) 1:00,08 (8. Platz allg. Klasse - der am nächsten Tag in Maissau doch nicht gegen uns angetreten ist)

Nick Staggenborg 1:03,53 (50. Platz allg. Klasse – Nick von Bocki & Nick vom Triathlon Blog und Podcast „Pushing the Limits“) – Wettkampfbericht und Event-Video unter: https://youtu.be/cTmKneK3QDM

Zoidl Riccardo (Radprofi) und Ruttman Paul (Triathlon) kamen nicht nur unmittelbar hintereinander als 2. und 3. Ins Ziel sondern dürften auch auf der Strecke unerlaubt nah aneinander gefahren sein, daher wurden beide wegen Windschattenfahren im Nachhinein disqualifiziert!

Ergebnisse KOTL:
Queen of the Lake: Gabriela Erharter in 1:04,55 (43,6 kmh Schnitt)
King of the Lake: Tobias Häckl in 0:57,48 (49,0 kmh Schnitt)
Elite King of the Lake: Julian Braun 0:54,56 (51,55 kmh Schnitt)

Weitere Siegerzeiten:
4er Team Damen 1:09,46
4er Team Herren 0:59,47
Einzel Rennrad Klasse Damen 1:13,08
Einzel Rennrad Klasse Herren 1:03,00

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