Nordkap-Wien
Bikepacking durch Europa...
Alles begann mit einer Dokumentation vor fünf Jahren: „Austria 2 Australia“.
Zwei Österreicher radelten mit dem Fahrrad von Österreich nach Australien. Seither war ich von dem Gedanken fasziniert, mit dem Fahrrad durch die Welt zu reisen. Doch leider hatte ich bisher weder die Zeit, noch war ich alt genug, um so ein Abenteuer alleine durchzuziehen. Doch diesen Sommer war es soweit.
Zwischen Zivildienst und Studium beschloss ich mir meinen langjährigen Traum zu erfüllen.
07. Juli: Nach zwei Monaten des Planens und Testens startete die Reise Richtung Nordkap, dem Start des Bikepacking-Abenteuers. Am 11. Juli erreichte ich den nördlichsten Punkt Europas und machte mich mit viel Euphorie, auf den Weg Richtung Oslo, dem ersten großen Zwischenziel dieser Reise. Die folgenden Tage kann ich unmöglich in Worte fassen. Zwei Wochen strahlender Sonnenschein und atemberaubende Landschaften prägten meinen Alltag am Rad. Mit 20 km/h durch endlose Weiten dahinzufahren und diese Art der Freiheit zu erleben, hatte eine unglaublich entschleunigende Wirkung. Auch das Reisen mit wenig Gepäck zeigte mir, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht. Der Start hätte nicht besser sein können.
Doch so einfach war es natürlich nicht immer.
Eine der größten Herausforderungen war die Zufuhr von Energie. Denn Supermärkte, Restaurants und Tankstellen gibt es, vor allem im Norden Norwegens, nicht wie Sand am Meer. Nicht selten kam es daher vor, dass ich mich in der Ernährungsstrategie verzettelte und mehrere Kilometer im „Hungerast“ zurücklegen musste. Aber auch das gehört zum Bikepacking dazu.
Zum Beginn der dritten Woche änderte sich leider das Wetter und ich konnte Norwegen auch von seiner regnerischen Seite erleben. Zwar war ich für Regen ausgerüstet, aber nach spätestens zwei Stunden im strömenden Regen, waren Kleidung und Schuhe komplett durchnässt. Doch bekanntlich wird nur ein Brief aufgegeben! Deshalb Zähne zusammenbeißen und weiterfahren. So erreichte ich nach 23 Tagen und 2.400 zurückgelegten Kilometern endlich Oslo. Der erste große Meilenstein war damit geschafft!
Von Oslo aus, ging es mit der Fähre nach Kopenhagen und dann weiter nach Rostock.
Da sich das Wetter in Deutschland besserte und es deutlich flacher wurde, beschloss ich mehr Kilometer am Tag zurückzulegen. Mit Erfolg: die 800 km von Rostock nach Passau legte ich in gerade einmal 4 Tagen zurück. Trotz der Strapazen, Zweifel und zahlreicher Rückschläge, konnte ich die österreichische Grenze nach 3.300 km überqueren. Ein sehr emotionaler Moment!
Nach 29 Tagen und 21 Stunden erreichte ich schlussendlich Wien. Das Gefühl durch Wien zu fahren war unbeschreiblich. Obwohl ich genau wusste wo ich war, fühlte es sich so an , als würde ich das erste Mal hier fahren und als ich das Ziel meiner Reise, den Stephansdom, erreichte, war ich einfach sprachlos. Ich konnte nicht realisieren, dass ich 3.600 km quer durch Europa gefahren war. Ehrlicherweise habe ich es noch immer nicht ganz realisiert.
Es war eine unvergessliche Reise. Ich durfte innerhalb dieser 4 Wochen so viele hilfsbereite, nette Menschen kennenlernen, wunderschöne Landschaften sehen und konnte einige wertvolle Erfahrungen sammeln. Auch wenn es nicht immer leicht war, bin ich trotzdem froh, dieses Abenteuer gewagt zu haben. Es ist erstaunlich was Körper & Kopf alles leisten können!
Abschließend noch die Auswertung der Tour:
Distanz: 3.664,76 km (täglich: 141 km)
Kalorien verbrannt: 97.238 kcal (täglich: 3740 kcal)
Fahrzeit: 168h 18min (täglich: 6h 30 min)
Höhenmeter: 34.725 m (täglich: 1.335 m)
Geschwindigkeit ⌀: 21.5 km/h
Puls ⌀: 123 bpm
Ruhetage: 3
Defekte: 6 Patschen