MONDSEE
ALOHA Tri Mondseeland am 6.September 2026
Der Mondsee-Tri ist heuer erstmals ausverkauft …
…1100 Teilnehmer:innen haben sich zu den Sprint-, Olympisch- und Mitteldistanzbewerben angemeldet, entweder als Staffel, BikeRun, Aquabike oder komplett. Viele Gäste sind aus den Nachbarländern angereist, was der Veranstaltung gemeinsam mit dem Umstand, dass zeitgleich in Podersdorf die ÖM Mitteldistanz und Aquabike stattfindet, eine ganz besondere Atmosphäre gibt. Es sind deutlich mehr Rennräder am Start und generell mehr Einsteiger.
Als besonderes Highlight bietet der Veranstalter am Samstag eine exklusive Pastaparty auf der MS Mondsee an. Da fahre ich natürlich mit und bin sofort am Informationsaustausch mit anderen. Endlich macht sich auch Entspannung breit, denn die Besichtigung der Wechselzone, des Schwimmeinstieges und das Studium der Athlete Info haben mich teilweise ratlos gemacht. Aus der gelieferten Skizze der Wechselzone ist nicht zu erkennen, wo Mounting und Dismounting line sein werden, wo der Schwimmausstieg ist und wie der Start funktionieren wird. Allgemein kommt mir das Wettkampfgelände sehr unübersichtlich vor. Ich bin gespannt, wie ich mich zurechtfinden werde.
Am Sonntag plane ich eine frühe Anreise, denn die Wechselzone hat von 6 - 7:15 geöffnet und für 7:30 ist bereits der Start der Mitteldistanz angesetzt. Olympisch und Sprint folgen in halb-Stunden Abständen. Es müssen also innerhalb einer Stunde alle Athlet:innen aller Bewerbe einchecken. Kann das gutgehen?
Ich parke kurz nach 6 Uhr auf einer großen, leeren Wiese ein und stehe um Viertel sieben beim Check-in in einer kurzen Schlange. Ein paar Minuten später bin ich fertig und habe genug Zeit mich umzusehen. Zu meiner großen Erleichterung wird gerade bekannt gegeben, dass die MD mit Neo schwimmen darf, die anderen Distanzen nicht. Ich suche mir also ein Bankerl im Park zum Anziehen und frage mich, wo die anderen Athlet:innen sind. Zwei, drei andere schauen sich ebenso verunsichert wie ich um und beginnen ihre Neos anzulegen. Wo sind alle? Am Weg zum Bag-Drop Off (habe ich nicht gebucht, durfte ich trotzdem ohne Probleme benutzen) sehe ich die Schlange beim Check-In: Die stehen bis zum Parkplatz an, die leere Wiese ist fast voll, auf der Zufahrt ist Stau und es ist kurz vor sieben!
Einschwimmen mit ca 5 anderen Starter:innen, aufwärmen, warten auf die Wettkampfbesprechung. Ich bin auf die Minute pünktlich, doch es kommt die Durchsage, dass alle Starts um eine halbe Stunde verschoben werden! Toll, ich stehe nass in der kalten Morgendämmerung und mir ist eh schon seit dem Aufstehen übel. Am Kiosk erbettle ich mir ein Glas Wasser. Dass ist aber so kalt, dass ich sofort zu zittern beginne. Dann beginnt meine Stimmung ins Positive zu kippen: Der Vorstartbereich füllt sich langsam, die Musik wird besser und hilft mir mental und physisch beim Warmhalten, die Sonne kommt über den Berg und mir ist nicht mehr schlecht. Ich bin bereit.
Der Schwimmstart wird in zwei Wellen geteilt, wobei sich jede/r selbst einordnen kann. Im Athlete Guide steht, dass Aquabike 5 min nach der zweiten Welle startet. Darüber wird aber kein Wort mehr verloren, also stelle ich mich in die zweite Welle. Es geht los, die erste Welle ist weg, die zweite deutlich größer. Der Start erfolgt im Wasser stehend. Dazu muss man Betonstufen vorsichtig hinunter, im Wasser liegen noch große, rutschige Steine. Es dauert und 30 Sekunden vor dem Start sind noch nicht alle im Wasser. Ich auch nicht, aber ich finde eine Lücke, bin rechtzeitig im Wasser, verletze mich tatsächlich an der Ferse und finde die erste Boje in 550 m Entfernung, Landmarke: Guglhupf. Durchatmen und los.
Geschwommen wird ein „M“, wodurch die schnelleren nach den Bojen knapp an den langsameren in Gegenrichtung vorbeikommen. Ich finde das motivierend. Andere haben andere Ideen: Neben mir hebt plötzlich einer den Kopf aus dem Wasser, schaut links-rechts – der Rettungsschwimmer visiert gerade die Boje an – und biegt scharf rechts ab! Der ist wohl nicht auf Strava. Inzwischen wird mir wieder übel und bei der zweiten Boje muss ich husten und spucken, dann geht’s sofort besser. Das Schwimmen macht Spaß, das Wasser ist herrlich, das Wetter top und die Kulisse unschlagbar. Nur die Ferse schmerzt. Mir fällt auf, ich schweife ab. Leider geht das Schwimmen bei mir nicht automatisch und jeder einzelne Armzug muss kontrolliert werden. Sobald ich mich konzentriere, schiebe ich mich an anderen vorbei. All die Tipps, die ich in den letzten zwei Jahren von Vincent, Markus, Pascal und Matthias gesammelt habe, werden beherzigt. Danke euch, ich habe euch während dem Schwimmen gehört, gesehen und die kritischen Blicke gespürt!
Das Ende naht und ich erhöhe auf den letzten 400 m nochmals die Intensität. Der Schwimmausstieg ist mit einer riesigen roten Boje nicht zu übersehen und tatsächlich mitten im Yachthafen von Mondsee. Man schwimmt sehr publikumswirksam an den Booten und Stegen vorbei. Ich habe mir 50 min für die 1,9 km vorgenommen und punktgenau geschafft! Das klingt vielleicht nicht berauschend, für mich bedeutet das aber eine starke Verbesserung zu meinen vergangenen Wettbewerben. Beim Schwimmen werde ich 11. von 12 bei den AquabikeMD-Frauen (Es gibt nur eine Gesamtwertung, keine AGs). Sehr zufrieden geht’s in die Wechselzone und da bin ich zweitschnellste. Der Wechsel passt also. Dabei war das Ausziehen des Neos auf Kieselsteinen etwas, dass man eher vorsichtig macht….ein Handtuch zum draufsteigen wäre toll gewesen.
Die Radstrecke führt gegen den Uhrzeigersinn am Mondsee entlang zum Südende, durch einen Tunnel und von dort weiter zum Attersee. Dieser wird komplett umrundet, dann geht es zurück zum Mondsee. Ein Abstecher mit langem Anstieg nach Oberwang ist zu bewältigen, bevor es die letzten Kilometer zurück nach Mondsee geht. Eine Runde, 88km und 600 HM. Die Kurz- und Sprintdistanzen umrunden ebenfalls den Mondsee und lassen den Attersee aus.
Es geht lässig los, erst flach, dann leicht ansteigend. Die Strecke ist nicht gesperrt, weshalb ich mich bald in die Autokolonne einreihe, die im idealen Tempobereich für mich mit 30 – 35 km/h dahinfährt. Für schnellere sicher problematisch, da überholen auf der schmalen, kurvigen Straße riskant ist. Es sind auch relativ viele Autos unterwegs. Zwischen mir und dem Radfahrer vor mir sind 2 PKW – Windschattenbox also perfekt eingehalten? Die Kreuzungsbereiche sind gut abgesichert von Polizei und Helfer:innen. Die Autofahrer:innen warten schicksalsergeben auf eine Lücke. Allgemein hatte ich selbst keine stressige Situation mit dem Verkehr, nur einmal hat ein breites Wohnmobil auf einer schmalen Stelle gebremst. Beim Überholen ist natürlich besondere Vorsicht geboten.
Ich habe mir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 30 km/h vorgenommen. Die ersten 30 km laufen super, aber ich kann fast nichts essen und trinken fällt mir auch schwer. Nachdem sich die Beinmuskeln langsam melden, zwinge ich mich zum Trinken und etwas Gel muss auch rein. Die erste Hälfte des Attersees ist mit körperlichen Wehwechen ausgefüllt. Dafür hat sich der Rennverlauf beruhigt. Ich überhole niemanden mehr und werde auch nicht mehr von schnellen Herren überholt (Wo sind die eigentlich alle hergekommen?). Dann merke ich wieder, dass die Konzentration nachlässt, ich ertappe mich dabei, die Gegend zu bewundern. Also wieder voller Fokus auf den Tacho und Gas geben. Bei den zwei Labestationen brauche ich nichts, da es weder heiß ist noch meine erste Flasche leer ist. Dazu habe ich Rene S. im Ohr: „Bei der MD solltest du mindestens 3 Flaschen trinken! Und 50-60 g Kohlehydrate!“ Ich treibe mich an, Tempo im Flachen und bergab, beim Bergauf auch, aber mit Trinken und etwas naschen zwischendurch. Die letzte Prüfung ist der Abstecher nach Oberwang – ewig lange Kilometer leicht bergauf. Endlich kommt mir eine freudestrahlende Radlerin entgegen, die ruft: “Glei habts es gschafft!“ Vielen Dank an die Unbekannte! Dann sind es noch 8 km ins Ziel und mir bleibt nicht mehr viel Zeit auf die drei Stunden. Jetzt heißt es nochmals in Zeug legen. Als das Zielgelände in Sicht kommt stellt sich die große Frage nach der Dismounting line. Die habe ich vorher nicht gefunden. Egal, ich fahre weiter, entlang der Laufstrecke, durch die mit Zuschauern gesäumte Straße. Irgendwann löst sich ein Mensch aus der Masse und zeigt mit ausgestrecktem Arm auf den Boden. Ich interpretiere die Geste richtig, mache eine Zielbremsung und entdecke knapp vor mir die mit weiß-rotem Klebeband aufgeklebte Dismounting line. Passt, jetzt noch schnell zur Wechselzone laufen und – FERTIG! Rang 9 von 12 beim Radsplit macht mich nicht ganz glücklich, ist aber mit meinem Endurance Bike okay.
Beim Aquabike stoppt die Zeit beim Betreten der Wechselzone. Im selben Moment wird der Sieger der Herren-MD angekündigt. Wow, tolle Sportler! Ich kann entspannt mein Rad aufhängen, meinen Platz aufräumen und mich etwas erfrischen. Dann mache ich mich auf den Weg ins Ziel für mein persönliches Finish-Erlebnis, Medaille und Kaiserschmarren. Ich hatte allerdings Probleme, den Run-Out zu finden. Ich musste unter einer Absperrung durch, um zum Run-Out zu gelangen. Eine andere Aquabikerin ist verzweifelt über die Absperrung geklettert. Dann ein leichter Jogg ins Ziel. Die Beine waren überraschend gut drauf – wäre da vielleicht sogar noch ein Halbmarathon drin gewesen? Im Ziel werde ich groß angekündigt mit: „Jetzt kommt Sonja von den SPORTS MONKEYS, da gibt es sicher einen großen Fanclub!“ Ich muss schmunzeln, so bekannt ist unser Verein für seine tollen Fans! Die schönste Finisher-Medaillie, ein Rennen in einmalig schöner Umgebung bei perfektem Wetter, eine Zeit unter drei Stunden und Rang 10 (= nicht letzter Platz!) machten diesen Bewerb für mich zu einem sehr wertvollen, motivierenden Erlebnis. Das Training war nicht umsonst und ich bin sicher: Da geht noch was!