No Risk – No Fun

14. September 2021, 10:35 Uhr
geschrieben von Tanja Wollner

Mein erstes Jahr als Triathletin
Im August 2020 begann mein Abenteuer mit dem Ladies Tri in Breitenbrunn, für den ich mich 1 Woche vorher ziemlich spontan angemeldet habe. Damals noch als Brustschwimmer (als vorletzte aus dem Wasser) und mit dem Crossbike unterwegs, habe ich im Ziel beschlossen „Ja, ich mache ab jetzt Triathlon!“ Zwei Wochen später durfte ich mich bereits Monkey nennen und nahm neben den wöchentlichen Vereinstrainings auch noch an einem Kraulkurs in der Stadthalle teil. Zwei Monate später: Lockdown! Keine gemeinsamen Trainings und kein Schwimmkurs mehr.. beste Voraussetzungen also auf die kommende Saison.

Ich nützte also den Winter für Lauftrainings, Wanderungen und um das Langlaufen kennenzulernen. Mein persönliches Highlight in dieser Zeit war mein erster inoffizieller Halbmarathon Ende November. Wenn man den Geburtstag schon nicht feiern kann, warum dann nicht jedes einzelne Lebensjahr einmal ablaufen? Und so lief ich nach nur 3 Trainingswochen 23km in einer Zeit von 02:29.

2021
Anfang des Jahres plante ich bereits die kommende Saison. Insgesamt sollten es sieben unterschiedliche Bewerbe werden (Aquathlon, Duathlon, Triathlon Sprint & Olympisch und ein paar reine Laufveranstaltungen) Mit steigenden Temperaturen, erlaubte ich mir in ein wettkampffähiges neues Rennrad zu investieren und begann meine Trainings im Sattel – welche von Woche zu Woche länger und intensiver wurden. Ich verließ den Donauradweg und verliebte mich in die Höhenmeter westlich von Wien. Jedes Mal aufs Neue ein tolles Gefühl oben angekommen zu sein!

Ende Mai / Anfang Juni konnten die Schwimmtrainings endlich wieder aufgenommen werden. Ich kehrte schnell zu meiner alten Form zurück (leider immer noch mehr Walross als Delfin ;)) und konnte schon bald persönliche Erfolge erzielen. Erstmals 500m durchkraulen, dann 750m, dann 1000m und schließlich 1500m! Unglaublich wie sehr man sich über die kleinen Dinge freuen kann!

Am 24. Juli kam dann, früher als geplant, mein erster Triathlon in diesem Jahr (der erster Bewerb sollte erst Mitte August sein). Wieder Mal recht kurzfristig entschied ich mich beim Supaman in Wallsee zu starten – einfach um mal wieder Wettkampfluft zu schnuppern. Es war ein tolles Erlebnis!

Samstag, 07.08.2021 – 08:45
Ich fühlte mich großartig und bereit fürs Radtraining. 1.5h hügelig und danach ein Koppellauf. Also ab in den Sattel und los geht die Fahrt Richtung Mauerbauch – Königstetten – Dopplerhütte etc. Alles schon genau geplant. Genau jetzt sollte unsere liebste Iron-Dani das Wasser hinter sich gelassen haben und ebenfalls in die Pedale treten. Zusammen macht es eben mehr Spaß - auch auf die Distanz ;). Gerade einmal 10 Minuten unterwegs, ließ ich auch schon die gefährlichen Straßenbahnschienen hinter mir und flüchtete auf den beginnenden Radstreifen. Endlich sicher und bereit um Gas zu geben. Aber: WAS IST DAS?? Ein Auto parkt am Radstreifen, Frechheit! Na dann eben Schulterblick und bei Gelegenheit zurück auf den Fahrstreifen. Blick nach vorn: WIESO BIEGT DER DA JETZT AB?! DAS GEHT SICH NICHT AUS!! Tanja, Ruhe bewahren, Vollbremsung und hoffen! Du kommst da heil raus! … Beine heil, Arme heil – perfekt, aufstehen und weiterfahren! Moment – meine Zähne gehören da nicht hin und.. ist das Blut??! Lange Rede, kurzer Sinn: Oberkiefer gebrochen, 3 verbogene Zähne, 2 davon abgebrochen. Fahrrad heil (nur ein leicht eierndes Hinterrad) - unglaublich!!!

Die Vernunft siegt über meine Verrücktheit – Sprint in Blindenmarkt und Aquathlon wird ausgelassen, dafür voller Fokus auf den Wien Triathlon – den lasse ich mir nicht nehmen! Schon 1,5 Wochen nach dem Unfall nahm ich das Schwimm- und Lauftraining wieder auf. Anfangs noch eher unangenehm, aber: ein Indianer kennt keinen Schmerz! Nach 3 Wochen das erste Mal am Rad – lief auch besser als gedacht, nur auf die Straße bringen mich so schnell keine zehn Pferde!

Freitag, 10.09. – zwei Tage vor dem Wien Triathlon: Halsentzündung. Ja, willst du mich verarschen??! Meine Entscheidung steht fest. Ich starte am Sonntag – in jedem Zustand! Samstag, 11.09. - Vormittag zum anfeuern auf die Donauinsel, ich habe es schließlich versprochen! Nachmittag mit Tee und Suppe im Bett, morgen wird es bestimmt schon besser sein!

Sonntag, 12.09. – kaum geschlafen, nix gegessen, Schnupfen gesellte sich noch zu den übrigen Beschwerden, aber meine Entscheidung steht fest! 08:00 Bike Check in, Monkeys begrüßen, Wettkampfbesprechung, schnell noch ein paar Fotos und ab ins Wasser zum Start.
Was tu ich hier eigentlich?? 3-2-1-Tüüüüt. Eins, zwei, drei, atmen. Eins, zwei, drei, atmen. Füßen ausweichen – mein Kiefer muss heil bleiben! Eins, zwei, drei, atmen. Eins, zwei, drei, atmen. Ellbogen ausweichen… Läuft doch eigentlich ganz gut! Erste Runde vorbei – wo sind die anderen? 50m vor mir niemand. 50m hinter mir niemand. Konzentration! Einfach weiter schwimmen! Du bist nicht Letzte! Eins, zwei, drei, atmen. Wieso kommt diese Boje nicht näher?? Jetzt bin ich doch sicher 100m geschwommen und die Boje ist immer noch so weit weg.. Eins, zwei, drei, atmen. Ah endlich, und jetzt schnurstracks zum Schwimmausstieg! Eins, zwei, au! Vor mir ist doch keiner?! Wer hat die gelbe Boje dahin gestellt?! Haha, ich Dummkopf..die kenne ich doch eh schon vom Training.. Und weiter! Eins, zwei, drei, atmen. Die Musik wird lauter, die Stimmen auch. Gleich ist es vorbei! Ich wechsle von der horizontalen in die vertikale Position und da höre ich schon meinen „Fan Club“ (Freunde und Familie) und fühle mich wie der größte Superstar. So müssen sich also die Profis fühlen. Toll! Neo auf, ab zu den Stiegen und da steht meine liebe Dani für einen weiteren Motivationsschub bereit. Im Augenwinkel nehme ich meine Geschwister wahr, wie sie mich in die Wechselzone begleiten und auch fremde Menschen mit dem Gekreische anstecken. So viel Aufmerksamkeit hab ich doch gar nicht verdient! Aber danke! Neo aus. Schuhe an. Brille, Radhandschuhe – ja so viel Zeit muss sein! Startnummer, Helm und ab geht die Post.

Die ersten zwei Runden sind erstaunlich stark (für meine Verhältnisse) und auch die scharfe Kurve vor der Wechselzone erwische ich immer gut. Auf der dritten Runde merke ich wie die Kräfte nachlassen. Blick auf die Uhr: 26km/h . Ok..das ist peinlich! Und laufen muss ich auch noch. Mist! Kurz vor Beginn der vierten Runde schon wieder mein „Fan Club“ und andere Zuschauer die mir nochmal einen Motivationsschub für die letzten Radkilometer mitgeben. Jetzt ist es komplett vorbei mit der Kraft. Nur schnell runter vom Rad! Aber hey, Philipp hat mich noch nicht eingeholt! Kurz darauf ertönt eine bekannte Stimme von hinten. Toll, jetzt ist er vorne - aber hat er sich auch verdient! Am Rad ist er einfach besser! Ich sehe von der Rampe aus wie er absteigt und in die Wechselzone läuft. Sekunden später steige auch ich vom Rad. „Kein Problem, Tanja! Den holst du dir noch“, ertönt die Stimme von meinen Leuten. Helm ab, Schuhe aus, Schuhe an. Was macht Philipp? Egal! Lauf!! Und schon bin ich wieder vorne, fragt sich nur für wie lange. Nach ca. 1,5km vernehme ich schon wieder eine bekannte Stimme: „Voll stark! Lass uns ein Stück zusammen laufen!“ „Wenn du langsamer wirst, gern! Ich bin schon bei einer 6er Pace“ Traurig. Aber wahr. Es folgt eine kurze Berichterstattung beiderseits. Nach der nächsten Labestation trennen sich unsere Wege und ich gebe mich geschlagen! Ca. einen Kilometer später läuft auch Johanna an mir vorbei und Lena ist bereits am Weg in die zweite Runde. Auf Kilometer 6 gesellt sich ein Herr mit Startnummer 88 zu mir und fragt höflich ob er sich denn anhängen dürfte. Es ist sein erster Triathlon überhaupt und er muss nur durchkommen. Wir unterhalten uns kurz und setzen dann schweigend unsere Runde fort. Kurz darauf fällt er zurück um ein Stück zu gehen. Ich laufe weiter, wieder an der Labestation vorbei (dort bin ich schon bekannt als „die Lady in pink“ – nicht nur meine Familie, sondern auch die Damen an der Labestation rasten bei meinem Anblick jedes Mal völlig aus). Jetzt gönne mir eine 200m Gehpause. Da kommt Nr. 88 schon mit den motivierenden Worten „Komm, die 1,5km schaffst du auch noch. Wir laufen zusammen!“ Und wieder setzen wir schweigend unsere Runde fort. 1km, 800m, 400m, letzte Steigung, letzter Schluck Wasser, 200m – Zielsprint! Ich lasse Nr. 88 schweren Herzens hinter mir und laufe einige Sekunden vor ihm ins Ziel, wo mich Lena und Philipp schon herzlich empfangen. Meine erste Olympische Distanz habe ich nicht nur überlebt, sondern auch in unter drei Stunden gefinisht.

Vielen Dank an alle die mich unterstützt und den Tag so unvergesslich gemacht haben! Es ist wunderschön Teil der Affenfamilie zu sein! Und: Ich freue mich schon sehr auf das nächste Duell ;)

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