Urlaub am Meer der Wiener...
...oder auch Neusiedlersee Radmarathon 2024
Am Wochenende des VCM machte sich eine 10 Kopf starke Delegation auf nach Mörbisch am See, um dort am 32. Neusiedlersee Radmarathon, veranstaltet vom Hill Racingteam, zu starten. Es gibt eine 65km-Etappe nach Illmitz, wo man mit der Fähre zurück nach Mörbisch gebracht wird, oder eine 127 km lange Rundfahrt um den See, die bei ~800 hm gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird.
Der Wetterbericht war nicht gerade aufbauend. Sollten sich die Läufer beim VCM noch über die niedrigen Temperaturen gefreut haben, so war es für uns das Gegenteil. Eiseskälte bei 3-6 Grad gepaart mit Windstärken von 55km/h aus NW waren angesagt, und leider wurde es auch zur Realität. Eingepackt in tief winterlicher Monkeywäsche (Baselayer, Radtrikot kurz und lang, Ärmlinge und Winterjacke waren erforderlich, um nicht zu frieren) starteten wir aus mehreren Startblöcken.
SB1: Philipp
SB2: Ingrid, Susanne, Dani & Sebastian
SB3: Christian, Roman & René
SB5: Martin & Manuel Winkler
Dani:
Wie schon so oft hat ein geselliges Beisammensein im Dezember mit meinen Freunden vom Sports Monkeys Triathlon Club mal wieder zu einer Spontananmeldung für einen Bewerb geführt. Die Initialzündung kam diesmal von Susanne, die sich bereits für den 32. Neusiedlersee Radmarathon am 21. April angemeldet hatte. Und schon war auch ich auf der Startliste - 127 km rund um den Neusiedlersee - das sollte doch dank Trainingsplan von Vinci machbar sein!
Was ich mir – nichts ahnend, was auf mich zukommt, - zu diesem Zeitpunkt auch noch dachte, beschreibt Rudi in seinem Kurzbericht mit den Worten „Wer es gerne flach hat und trotzdem radeln möchte, startet, um den Neusiedlersee zu umrunden“. Ich kann euch sagen: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“: Beim Aufstehen in der Früh gleich der Schreck beim Blick aufs Thermometer: 3 Grad – brrrrr! Dazu noch die angesagten Windböen bis 55 km/h und meine anfängliche Euphorie war gleich mal futsch. Gemäß dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ versammelte sich die gesamte Truppe natürlich trotz aller Widrigkeiten am Start, ein bisserl Raunzen und leise Gedanken an die Fähre in Illmitz beim einen oder anderen inklusive.
Um, 9 Uhr ging es für Ingrid, Susanne und mich aus Startblock 2 los. Philipp (Block 1) und Sebastian (Block 2) waren rasch auf und davon und Ingrid, Susanne und ich somit vorerst im 3-er-Mädelsgespann auf uns allein gestellt (Start von Roman, Christian und Rene aus Block 3 erfolgte zeitverzögert). Ich fühle mich ja grundsätzlich jenen Radfahrer:innen zugehörig, die es gerne flach haben, und war daher von den beiden langen und deftigen Anstiegen gleich zu Beginn des Rundkurses echt überrascht. Kaum hatten wir diese hinter uns gebracht, überrollten uns mehrere wilde Horden aus Startblock 3 ohne Rücksicht auf Verluste und wir hatten große Mühe nicht im Straßengraben zu landen oder in der zurückbleibenden Testosteronwolke zu ersticken.
Die nächsten 50 km bis zur ersten Labe in Illmitz verbrachten wir drei dann in wechselnder männlicher Begleitung. Wer glaubt, dass wir hier charmante Unterstützung hatten, der irrt! Handelte es sich doch ausschließlich um sogenannte „Lutscher“, die wenig gentlemanlike in unserem Windschatten hingen und keinerlei Anstalten machten, selbst ein bisschen Führungsarbeit zu übernehmen. Umso erfreuter waren wir, als Roman, Christian und Rene in Illmitz zu uns stießen und wir die 2. Hälfte der Strecke in altbewährter und oft trainierter Formation gemeinsam in Angriff nehmen konnten.
Mein Fazit: Für mich zählt das sportliche Erlebnis gemeinsam mit lieben Menschen, unabhängig von der Sportart! Ich habe meine bisher längste Radstrecke bewältigt und bin stolz darauf! Mein einziger Gegner bin ich selbst!
Ingrid:
Na gut dann mach ich halt auch mit…..
Bei unserer Trainingsbuddys-Gruppe kommt meist irgendjemand auf die Idee, sich für einen Bewerb anzumelden. Oftmals sind diese Ideen Begleiterscheinungen von einem Glas Aperol ????
Es dauert dann nicht lange, bis jemand anderes dann davon überzeugt wird (manche meinen, auch gezwungen wird) und mitmacht.
Dieses Mal war es Familie Vetter, die gestartet hat – dann kam Dani und fragte mich, ob ich nicht mitfahren möchte – naja gut, dann mache ich halt auch mit. Nach wirklich sehr stressigen Wochen mit wenig Vorbereitung, bis auf 1 Woche Trainingslager auf Mallorca, gings also an die 127 km.
Ich wusste, dass die Distanz nicht das Problem wird für mich, dennoch hatte ich sehr großen Respekt vor den Rahmenbedingungen mit Kälte und Wind. Aber ich wusste auch, dass wir ein super Team sind, in dem wir uns immer wieder gegenseitig motivieren und pushen können. Und so war es auch dieses Mal – wir Mädels starteten gemeinsam und kamen relativ schnell in einen guten Rhythmus. Dani und ich wechselten uns gegen den Wind ab – dennoch blieb die Frage, wo denn unsere Jungs seien. Bei der Labe traf man sich dann – große Freude auf beiden Seiten. Nach der Stärkung gings dann gemeinsam im Buddys-Team weiter mit der 2. Hälfte des Rennens.
Die Bedingungen wurden nicht leichter, aber wir hatten es immer lustig untereinander oder auch in Interaktion mit anderen Teilnehmer:innen. Bei manchen Bewerben geht es nicht darum, welche Zeit oder Platzierung man ins Ziel bringt, sondern darum eine geile Zeit mit seinen Trainingsfreunden zu haben – und das hatten wir trotz aller Umstände definitiv.
Roman:
Bei meinem bereits 5ten Antreten beim Neusiedlersee Radmarathon stand dieses Mal nicht die schnellste Umrundung des Sees im Vordergrund, sondern ein kleines Jagdrennen und die gemeinsame Gruppenfahrt.
Die Damen durften einen Startblock früher als die Alt-Herren-Partie um René, Christian und mich auf die Strecke. Die Ladys waren sehr zügig unterwegs, sodass wir sie erst bei der ersten Labestation nach 65 km in Illmitz einholen konnten!
Ab da fuhren wir gemeinsam gegen den Wind kämpfend Richtung Ziel.
Wie es sich gehört, gaben die Männer wie echte Gentlemen den Damen auch brav Windschatten!
Nachdem wir uns bei Labe2 nochmals gestärkt hatten, bekamen René und ich die Freigabe, die letzten 26 Kilometer ins Ziel zu ballern.
Es war mir eine Freude mit Euch, Susanne, Dani, Ingrid, Christian & René um den See zu radeln.
Sebastian:
„Was nicht passt, wird passend gemacht“, so sagen wir auf jeden Fall bei uns im Ruhrgebiet oder auch kurz gesagt im Pott
https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrgebiet,
wenn „wa“ mal aus gegebenen Situationen das Beste machen müssen. So auch die Devise seit Ende Januar dieses Jahres, weil der Fuß einfach mal nicht mehr mitmacht und die verschriebene Schonung mich zur Umgestaltung des Trainings und Wettkampf Kalenders verdonnert. Noch ein wenig „unverhofft kommt oft“ und schon war ich da, am Start des Neusiedlersee Radmarathons. Hatte ich doch schon öfter von der Veranstaltung gehört oder gelesen, dachte ich nicht, dass ich dieses Jahr ein Teil davon sein würde. Ganz ehrlich, nach dem Wetterbericht am Abend vorher sah ich mich auch noch nicht wirklich antreten. EGAL, man sucht ja eh immer nur was für die ganz Harten.
Beim Countdown noch ahnungslos und Motivation suchend … 3, 2, 1 … ok … VOLLGAS! Alles auf eine Karte war eher alles gegen die Kälte und den Wind. Kurz nach dem Start einen kurzen, aber heftigen Anstieg weggeschnupft, pedalierte ich mich in Rage und entschied, dass hier und heute kein Stopp eingeplant wird. Aus dem 2. Block vom Start herauskommend wurde die Motivation nochmal angeheizt, als ich mich wie „PACMAN“ durch das schon 7 Minuten vorher gestartete Feld des 1. Blocks fraß. Dass ich noch Schulungsbedarf, sowohl bei der Rennverpflegungsstrategie als auch bei der Krafteinteilung habe, sagten mir die letzten Körner, die mich irgendwie auf den letzten 20 km ins Ziel begleiteten. Ein wenig Brisanz war dann am Ende noch mit von der Partie, als Philipp Huppmann sich auf den letzten km noch einige Segment PBs gönnte, die aber nicht mehr ausreichten, um mir den Titel „schnellster Monkey des Tages“ zu nehmen. Ich bin mir sicher, da bahnt sich eine Revanche an ????.
Danke an das ganze Monkey-Team vor Ort für dieses Erlebnis!
Philipp:
…flach und zach… oder auch nicht?
Der Saisonauftakt am Neusiedlersee, genau zur richtigen Zeit nach der Masterarbeit! Bereits am Vortag war ich in mütterlicher Begleitung angereist und hatte die erste Erfahrung mit diesmal noch stärkeren Windböen als üblich gemacht. Aber sei’s drum, 10 richtige Sportler trafen sich zum Saisonauftakt gegen 08:10 Uhr, um eine kalte, wenig aufregende Runde um den Neusiedlersee zu drehen- oder habe ich da was falsch verstanden?
Der Wind, Böen bis zu 40 Meilen, sollte uns allen zu schaffen machen. Insbesondere deshalb, weil er aus Nordwesten kam und wir daher mehr als die Hälfte gegen den Wind fuhren… zum Schluss Seitenwind… herrlich und gar nicht anstrengend. Irgendwie funktioniert es offenbar auch bei einem Vielflieger, der sonst kaum richtigen Sport macht, aber auch nur, weil ich mich beim Gegenwind hinter dem Skispringer und -flieger Martin Koch einreihen konnte. Trotz allem Seitenstechen, ausgelöst durch zu viel Cola und fehlendes Warm-up, habe ich es irgendwie ins Ziel geschafft. Ein Battle Royal mit Sebastian gegen Schluss hin, wer denn nun der schnellste Monkey sei, hat mir einen langweiligen Sonntag deutlich versüßt!
René:
Tatsächlich sah meine Saisonplanung für dieses Jahr keinen Radmarathon um den Neusiedlersee vor. Auf der Menukarte standen in der 1. Saisonhälfte Swimrun 1+2, VCM Halbmarathon, Duathlon und dann die Halbdistanz in St.Pölten.
Doch manchmal kommt es anders als gedacht - mein Fuß wollte die Strapazen vom Dezember und Jänner nicht länger mitmachen und entschied sich für eine Stressfraktur des 3.Mittelfußknochens. Für mich erstmal ein Schock bei der Diagnose, aber als der Orthopäde meines Vertrauens meinte, dass ich Rad fahren und schwimmen darf, war die Welt wieder in Ordnung. Matthias, mein Coach, hat den Trainingsplan umgestellt, Schwerpunkt Rad, und für den Halbmarathon beim VCM wurde schnell diese Alternative gefunden. Mit ein wenig vereinsinterner Werbung gelang es eine kleine Affenschar zu stellen, macht es doch in der Gruppe mehr Spaß als allein. Im Wissen, dass das Burgenland nicht flach und meistens windig ist und der Radmarathon für mich kein Fokus-Bewerb ist, habe ich das Rennen aus dem Training heraus bestritten und daher als smarte & lockere Trainingsfahrt gesehen, quasi Urlaub.
Doch manchmal kommt es anders als gedacht. Galt es anfangs noch, Jagd auf die Damen zu machen, mussten wir schnell einsehen, dass dieses Unterfangen nicht einfach ist, wenn man permanent boykottiert wird. Zuerst beim chaotischen Start, bei dem die Startblöcke nach dem Start des 1.Startblocks freigegeben wurden, aber nur Nummern des jeweiligen Startblocks starten durften, Stau auf der Startlinie inklusive. Dann durch den Defektteufel, der die Sattelhöhe von Christians Sattel schrumpfen ließ. Nach ~32 km machte sich die Kälte in den Zehen und Fingern derart bemerkbar, dass ich bis Apetlon (weitere ~30 km) haderte und von Aufgabe in Illmitz halluzinierte.
Doch manchmal kommt es anders als gedacht. Die Ladys, die schon an der 1. Labestelle in Illmitz bei km 65 auf uns warteten, dachten nicht ans Aufhören. Nach erfolgter Stärkung machten wir uns auf den Weg Richtung Neusiedl, natürlich fuhren wir Männer voran, um den Damen den Wind zu nehmen und kämpften gegen denselben mal mehr mal weniger an. „A lockere Trainingsfahrt“ sieht definitiv anders aus. Auf der westlichen Seeseite angekommen, als der Wind endlich tendenziell von rechts hinten blies und wir die Freigabe des Teams bekamen, machten sich Roman und ich zu zweit auf den Weg Richtung Ziel, um die letzten 26 km noch etwas Tempo zu bolzen, Zielsprint und Adrenalinkick inklusive. Schlussendlich hat es trotz der Widrigkeiten und Anstrengungen richtig Spaß gemacht. Dafür möchte ich mich bei allen bedanken, die diesen Tag zu diesem Erlebnis gemacht haben