Der Sports Monkeys Triathlon Club
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WRU 2024 - halbe Gschicht

15. November 2024ca. 5 Minuten Lesezeit

„Du hast gestern viel mit sehr hoher Intensität trainiert. Dies hat sich auf die Schlafqualität ausgewirkt. Versuche gut zu essen und dich viel auszuruhen und vermeide in Zukunft, dich zu Überanstrengen.“
Das sagt meine Uhr am Tag nach dem Wien Rundumadum. 3 ½ Stunden Schlaf, aufgeputscht von koffeinhaltigen Getränken, Gels und jeder Menge Emotionen. Nicht nur die körperlichen Strapazen waren zu verdauen. Essen und ausruhen – mit Sicherheit. Überanstrengung vermeiden – wohl eher nicht.

Trotz guter Vorbereitung war die Anspannung vor meinem ersten Ultralauf extrem. Sie machte sich schon einige Tage vorher bemerkbar. Der erste Marathon, die erste Mitteldistanz – ich kann mich nicht erinnern, dass es so schlimm war. Das letzte Mal wahrscheinlich in den Tagen vor der Matura. Erst mit dem Start am Samstagvormittag wurde es besser. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Vom Donaupark liefen wir in einer Gruppe von 5-10 Personen über die Donauinsel rein in die Lobau. Wien hat viele schöne Plätze für Läufer zu bieten. Die herbstliche Lobau bei Sonnenschein steht mit Garantie ganz oben. Am Josefsteg fliegt ein Sports Monkey förmlich vorbei. David Hajduk ist zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckende 80 Kilometer unterwegs und wirkt frischer als so mancher Läufer am Start.

Nach 20 Kilometern, am Ausgang der Lobau wartet Manu Hofbauer, meine Radbegleitung. Kurze Pause an der ersten Verpflegungsstelle und weiter geht’s über Essling und die Seestadt nach Süßenbrunn. Mittlerweile schließen die ersten Kurzgeschichtler, angeführt von unserem Stefan Eichinger,auf und düsen vorbei. Nach 30 Kilometern, die Beine werden langsam schwerer, überrascht mich meine Familie. Das gibt Kraft für die nächsten 6 Kilometer bis zur Verpflegungsstation in Gerasdorf. Hier gönne ich mir die erste echte Pause. Suppe, Tee, Cola, Gatorade, Obst dazu Gebäck vom Hauptsponsor Ströck – man überlegt, ob man nicht besser bleiben sollte :-). Das wieder Anlaufen fällt schwer, erste seltsame Zuckungen in der rechten Wade zwingen nochmals zu einem kurzen Stopp, um Magnesium zu aufzunehmen. Nach ein paar Metern geht es aber wieder gut. Noch 5 km bis zum Bisamberg.

Der Bisamberg – der Berg, der keiner ist. Und doch sind etwas mehr als 250 Höhenmeter auf knapp 5 Kilometern zu überwinden. Ich wusste bereits im Vorfeld, dass ich den Anstieg gehen werde. Bergläufe nach 40 Kilometern überlasse ich vorerst anderen. Auf den flacheren Stellen versuche ich ein paar Mal wieder ins Traben zu kommen. Die Gefahr, einen Krampf zu bekommen ist leider zu groß, flotter Wanderschritt muss für den ersten Ultra reichen. Oben angekommen zeigt sich Wien im Mondschein wieder von seiner schönsten Seite. Wo es rauf geht, muss es auch wieder runter gehen. Der Nachteil ist, dass es auf dieser Seite noch steiler ist, dazu Pflastersteine, teilweise mit Laub bedeckt – sehr rutschig. Obwohl es langsam kalt wird, bleibe ich vorerst beim Gehen und komme nach 48 km zur letzten Verpflegungsstelle. Hier sind wieder alle Distanzen vereint, so dass wieder deutlich mehr los ist. Wieder gibt es Essen und Trinken in Hülle und Fülle. Der Drang hier zu verweilen ist durch die Kälte und die nur mehr 12 verbleibenden Kilometer deutlich geringer als in Gerasdorf. Mit heißem Tee und einem Salzstangerl begebe ich mich auf das letzte Bergabstück – die von mir so ungeliebte Krottenhofgasse. Eh schön, aber so unangenehm am Rad oder zu laufen. Unten angekommen verbleiben noch 10-11 flache Kilometer und ein halbes Salzstangerl, das in Manu‘s Rücksacknetz verstaut wird – es wird bei den Brückenunterführungen entlang der Neuen Donau noch als Grund zum Gehen herhalten müssen :-).

Seit dem Gipfel des Bisambergs befinde ich mich in einem emotionalen Hoch, das weiter anhält. 50 Kilometer und alle Höhenmeter sind geschafft. Ich beginne wieder zu laufen – kein Ziehen, kein Zucken, die Beine sind müde, aber ich kann durchgängig laufen. Entlang des Marchfeldkanals, rauf zur Neuen Donau – meinem Trainingsgebiet und dem Ziel immer näher.

Beim Einbiegen in den Donaupark, weiß ich, ich kann diesen Lauf nur mit einem Lied beenden. Dieses Lied lief zufällig, als ich 2018 ungeplant meinen ersten Halbmarathon gefinished habe. Die Zeilen „What a feeling“ und „Take your passion and make it happen” sind Teil meines Lebens geworden. Der Beginn des Liedes “First, when there's nothing / But a slow glowing dream / That your fear seems to hide / Deep inside your mind” trifft so ziemlich alles, was ich in den letzten Jahren bei den Sports Monkeys erleben durfte und erreicht habe. Als ich 2018 gestartet bin, konnte ich gerade mal 5 Kilometer in 33 Minuten laufen und jetzt laufe ich nach über 60 Kilometern ins Ziel
What a feeling!

Besonderer Dank geht an Manu für die geduldige Radbegleitung und den Support unterwegs sowie alle anderen, die ihren Support angeboten haben!

Sports Monkeys beim Wien Rundumadum 2024:
David Hajduk-Kürschner 11:43 Std – schnellste Zeit über 130 km / 1.880 hm
Stefan Eichinger 3:42 Std – schnellste Zeit über 42 km / 400 hm
Michael Urban 7:44 Std – 61 km / 430 hm

https://www.wien-rundumadum.at/

Michael Urban
geschrieben von Michael Urban

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