Der Sports Monkeys Triathlon Club

Istanbul - Europameisterschaft

5. September 2025ca. 3 Minuten Lesezeit

Mein Wettkampf in Istanbul
von Pascal Pavlik

Noch bevor die Stadt erwachte, stand ich am Ufer des Bosporus. Die Sonne schob sich langsam über den Horizont – 6:13 Uhr, ein goldener Streifen über dem Wasser. Um 6:30 sollte der Start sein, dann die Durchsage: fünf Minuten Verzögerung. Genug Zeit, um nervös auf die Wasseroberfläche zu blicken, die in der Dämmerung noch zu dunkel für eine normale Brille war.

Schwimmen
2,2 Kilometer lagen vor uns – länger als die klassische olympische Distanz. In der Mitte des Bosporus erwartete ich Strömung, die mich tragen würde. Doch was mich stattdessen begleitete, waren Quallen.
Der Start erfolgte in Vierergruppen, alle fünf Sekunden. Kein Sprung, sondern ein kontrolliertes Abtauchen vom Ponton. Brille zurechtrücken, tief durchatmen – los.
Ich orientierte mich an zwei Triathleten, zog gleichauf, überholte. Mein Kurs war gerade, die Flagge an der Brücke fest im Blick. Nach 1,1 Kilometern glitt ich unter ihr hindurch. Die Frage kam: Wann abbiegen Richtung Ziel? 200 Meter später sah ich, wie einige abdrifteten. Ich hielt die Linie, schwamm direkt hinein. Drei Quallenschwärme passierte ich, ein leichtes Brennen am Hals, das ich erst beim Radfahren richtig spürte. Kurz vorm Ziel zog ich das Tempo an. Ein Motorboot hupte, Hände fuchtelten – nicht für mich. Ich blieb fokussiert und erreichte als Erster den Zielponton.

Wechselzone 1
Der Weg war lang, die Waden krampften leicht. Ich dachte schon ans Laufen – würde das noch Probleme geben? Doch der Wechsel klappte sauber. Als Zweiter stieg ich aufs Rad.

Radfahren
Gleich am Anfang ein Gel, dann ein Anstieg über 2,5 Kilometer. Die Belohnung: die Brücke, der Blick über den Bosporus – atemberaubend. Dann Tunnel, schlechte Sicht, GPS weg, ein Schlagloch. Der Rücken meldete sich nach fünf Kilometern. Immer wieder musste ich mich aufrichten.
Trotzdem gelang es mir, einige Fahrer zu überholen. Ein Triathlet aus Malta blieb lange in Sichtweite. Auf dem Rückweg kam der Gegenwind, heftig, fast 20 Kilometer lang. Rücken, Wind, Hügel – ein Kampf. Viel trinken half ein wenig. Kurz vor der Wende zog ich am Malteser vorbei, und von da an pushten wir uns gegenseitig.
Die Abfahrt war rasant – 63 km/h, noch schnell ein Gel. Am Ende stand ein Schnitt von 34,5 km/h bei 230 Höhenmetern. In der Wechselzone klemmte kurz der linke Radschuh, schliff über den Boden – ein paar Sekunden verloren. Doch der Wechsel blieb insgesamt schnell.

Laufen
Ein Gel im Gepäck, aber der Magen war schon gereizt. Die Strecke – kein flacher Rundkurs, sondern hügelig. Bei jeder Station griff ich nach Wasser, trank oder kippte es mir über den Kopf. Die Hitze machte das Rennen schwerer. Ich versuchte, nach vorne aufzuholen, doch die Lücke blieb. Offiziell 9,96 Kilometer, meine Uhr zeigte 9,1. Pace: 3:56 pro Kilometer.

Fazit
Nach 2 Stunden, 17 Minuten und 30 Sekunden war ich im Ziel. Zwei Minuten fehlten aufs Podium meiner Altersklasse.
Und trotzdem: ich war stolz. Das Schwimmen hatte perfekt funktioniert, das Laufen war stark – nur das Radfahren blieb unter meinen Möglichkeiten. Aber so ist es eben: nicht jeder Wettkampf läuft in allen Disziplinen glatt. Und genau das macht diese Tage unvergesslich.

Ergebnisse
https://triathlon.org/events/2025-asia-and-europe-triathlon-age-group-championships-istanbul/results

Pascal Pavlik
geschrieben von Pascal Pavlik

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