Der Sports Monkeys Triathlon Club

IronMan - Christian

18. Juni 2026ca. 7 Minuten Lesezeit

Sag niemals nie
Dies ist die Geschichte eines Mannes, der sich selbst Lügen strafte.

Nachdem ich im Mai 2024 meine erste Halbdistanz (St. Pölten) geschafft hatte, grübelte ich, welche sportlichen Ziele ich mir noch setzen könnte. Lena Tölkes vermessener Ratschlag: Natürlich Ironman! Meine Reaktion: Niemals! Nicht in diesem Leben!
Nun ja: siehe Überschrift.

Es waren zwei Hauptfaktoren, die mich zu einem Meinungsschwenk veranlassten. Einerseits die Tatsache, dass ich am 1. Mai 25 in Pension ging, daher genügend Zeit für entsprechendes Training haben würde. Und zweitens das unglaublich inspirierende Feeling, das die Monkeys – nachzulesen in den Chatgruppen – jedes Jahr beim Klagenfurter IM als Athleten und als Supporter vermittelten. Da einmal mittendrin zu sein, dieser Wunsch wurde immer stärker.
Und ja, als dann auch Hanna, ebenfalls nach längerem Zaudern, entschied, das Abenteuer mitzumachen, gab’s kein Zurück. Medizinischer Check, um auch das Placet von den weißen Kitteln zu bekommen und Anmeldung.
Vinc Hummel erklärte sich gerne bereit, mir bei dieser Tour de Force zur Seite zu stehen und entwickelte ein forderndes, aber nicht überforderndes Programm.
Klarerweise machte ich kein Geheimnis daraus, auf was ich mich einließ, sagte aber immer dazu, dass ich keinen meiner Körperteile darauf verwetten würde, dass ich die Sache auch bis zur Ziellinie am 14.6. durchziehen würde können. Vor allem konnte ich im Voraus nicht sagen, ob ich das immer intensiver werdende Training durchhalten würde – körperlich, aber auch mental.
Ich konnte! Es machte Spaß, und es gab praktisch keinen Tag, an dem ich mich beklagte, wieder raus oder auf die Walze zu müssen. Das ist das Schöne an unserem Sport, die Abwechslung. 3 verschiedene Disziplinen plus Stabi, Kraft, Dehnen, es wird nie langweilig.

Dazu kam auch ein wenig Urlaubsfeeling auf drei Trainingslagern, die wir uns mit Schwerpunkt Rad gönnten: Lanzarote im Jänner, Malle Ende März, Klagenfurt im Mai.

Auf Lanzarote wurde allerdings die einzige körperliche Krise bei mir evident.
Das rechte Knie meldete sich heftig, ein in Wien gemachtes MRT und der Laborbefund verhießen nichts Schönes, aber unser kompetenter Orthopäde,
Dr. Gerhard Eiserle, gab Entwarnung: IM aus seiner Sicht machbar. 2 Wochen kein Laufen, 2 Wochen nur Walze im niederen GA1, und jeden Tag eine Tablette zur Knorpelstärkung brachten mich wieder in die Spur. Das Knie war dann bald kein Thema mehr.

Was den Trainingsalltag auch erleichterte, war natürlich die Tatsache, dass meine Frau im Boot war. Auch wenn wir nicht allzu viele Einheiten gemeinsam machten, aber wir hatten ein tolles gemeinsames Ziel, sowas fördert Trainingslust und Beziehung. Da sag ich Euch wohl nichts Überraschendes.
Ganz wichtig für mich waren die Gespräche mit Monkeys Langdistanz Veteran:innen, die mir aus ihren Erfahrungen viel vermittelten, vor allem: es verläuft nie alles nach Plan, weder in Vorbereitung noch beim Rennen selbst, man darf sich dadurch nicht zurückwerfen lassen. Und (als logische Folge der ungewollten Planänderungen): fast noch wichtiger als die körperliche Fitness ist die mentale. Was auch kommen mag, die Ziellinie ist das Ziel, Aufgeben keine Option.

Race Week
Nun wurde es ernst, am Donnerstag vor dem Bewerb reisten wir an, nächtigten in einem Airbnb. Die Wechselzone lag genau am Weg zwischen Strandbad und Unterkunft, was logistisch kein Nachteil war. Essen und Gespräche mit den Monkeys, die selbst als Teilnehmer oder Support angereist waren, versüßten die Spannung im Vorfeld.

https://www.ironman.com/sites/default/files/2026-05/IMAT2026_athlete%20guide%20DEUTSCH%20%281%29.pdf

Race Day
Die Nervosität vor allem in der Nacht davor hielt sich in Grenzen, ich glaub, sogar bei meiner ersten Halbdistanz war ich aufgeregter.

Schwimmen: mein bester Wassergang ever. Wörthersee genial. Hab mich natürlich in die letzte, langsamste Startwelle eingereiht, erwischte einige Wasserschatten und konnte mehrere Athlet:innen sogar überholen – für mich eine gänzlich neue Erfahrung…Robert S. und Astrid G. hatten mich gewarnt, dass das Schwimmen gegen die Sonne (wenn es Richtung Lendkanal geht) die Sichtverhältnisse auf die Bojen sehr erschwert. Sie hatten so recht! Gott sei Dank konnte ich mich an anderen Schwimmer:innen orientieren und so erreichte ich die Einmündung in den Lend ohne große Umwege.
Nach 01:47 aus dem Wasser und Richtung Wechselzone. Vinc stand am Wegesrand, feuerte mich an – weiterer Motivationsschub.

Keine Hektik beim 1. Wechsel, und dann auf die 177 km lange Radstrecke.
Erste Runde alles gut, fast ein 29er Schnitt. Aber dann vor neuerlichem Anstieg nach Egg, etwa KM 120, der TOTALE EINBRUCH. Nichts ging mehr, Flasche vollkommen leer (©Trapattoni). Ab dann war der restliche Ironman eine Qual. Streckenabschnitte, die ich im ersten Split noch mit einem 30er bewältigte, jetzt nur mehr 16er. Klarerweise frage ich mich seither, was da los war. Vielleicht die erste Runde doch zu schnell, zu wenig oder zu viel gegessen oder getrunken, alles möglich.
Mein Ernährungskonzept war, obwohl mir dessen Wichtigkeit im Vorfeld bewusst war, wahrscheinlich doch zu wenig durchdacht. Wie auch immer. Mit vorletzter Kraft nach 7:15 Stunden…

…in den 2. Wechsel gerettet, dann auf die Marathon Via Dolorosa. Nach dem Verfall beim Radeln rechnete ich eh nicht mehr mit einem überragenden Laufsplit. Und so kam es. Anfangs nur – wie geplant - Steh- und Gehzeiten bei den Labestationen, musste ich auf der zweiten Runde auch zwischen den Laben immer öfters immer längere Gehintervalle einbauen.
Aber ich hab mich durchgekämpft. Aufgeben war tatsächlich keine reale Option. Meine Rad- und Laufzeiten sind zum Vergessen, da hatte ich mir besseres erwartet. Aber worauf ich tatsächlich stolz bin, ist meine mentale Stärke, etwas dessen ich mir im Vorfeld nicht so sicher war, dass ich sie habe. Der Kopf hat dem restlichen Körper trotz allen Haderns die Durchhalteparole verordnet.

Der Zieleinlauf nach einer Lauf/Geh-Zeit von 5:16 Stunden (Total 14:38)
war dann emotional im positivsten Sinne. Dafür hat sich das Ganze so was von gelohnt. Bald danach sank ich in die Arme meiner um 1:08 Stunden schneller gewesenen Frau, der Tag war endgültig gerettet.

Neben den Hofbauers unterzogen sich heuer noch weitere 12 Monkeys der Härteprüfung, alle haben gefinished mit großartigen Leistungen, alle verdienen es namentlich erwähnt zu werden:
Max Bombarde, Johann Brisker, Mark Dhein, Andreas Falkensteiner, Paul Heinz, Thomas Holzer, Sebastian Sprigade, Xaver Stadlbauer, Alex Tscherwenka, Mario Wabnig, René Wysoudil, Florian Zartl.

DANK!
Allen voran an Hanna, ohne deren Unterstützung in den letzten Monaten ich es wohl nicht zu Ende gebracht hatte.
An Coach Vinc, dessen Trainingsprogrammerstellungsleistung gleichermaßen überragend wie seine regelmäßigen Motivationswortspenden war.
An Gerhard Eiserle, dessen medizinische Expertise das Vertrauen in meinen Körper stärkte.
An die vielen Monkeys, die nach Klagenfurt gereist sind, um uns anzufeuern, ob am Lendkanal, am Rupertiberg, bei der Radwende nach 90 Km oder an der Laufstrecke.
An alle übrigen Monkeys, die mir im Vorfeld Mut machten, das Ding zu rocken.

Jetzt reicht’s aber!
Die nächste Herausforderung wartet: der Aquathlon in Ferlach!

Christian Hofbauer
geschrieben von Christian Hofbauer

Kommentare

Um die Kommentare zu diesem Thema zu lesen oder selbst einen zu schreiben, musst du eingeloggt sein.

Weitere Beiträge