Myokarditis + Relevanz sportmedizinischer Untersuchungen

2. Juli 2021, 18:00 Uhr
geschrieben von King Louie

Beginnen wir mit den Basics: was bedeutet Myokarditis überhaupt? Wie hängt Myokarditis mit einem plötzlichen Herztod zusammen? „Sie scheinen stark und gesund, trotzdem sterben immer wieder junge Sportler an plötzlichem Herztod“ (Spiegel Sport, 2012).
Schwimmweltmeister Alexander Dale Oen starb 2012 mit 26 Jahren, während einem Höhentrainingslager des Norwegischen Schwimmverbands als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London. Einer der aktuellsten Fälle ist wohl der des belgischen Profiradfahrer Michael Goolaerts. Der 23-Jährige kommt während dem Eintagesrennen Paris-Roubaix laut Obduktionsbericht durch einen Herzinfarkt ums Leben.

Klingt nicht nur spooky, sondern ist es auch!

Betrachten wir die Thematik genauer:
Unter der Myokarditis versteht man die akute und chronische Entzündung des Herzmuskels, verursacht durch verschiedenste Erreger. Unter anderem können Bakterien (Chlamydien, Salmonellen, Staphylokokken, Streptokokken, Lyme-Disease), Pilze, Parasiten, Toxine, Autoimmun-Erkrankungen und die Hauptverursacher: Viren, die Auslöser sein. In den letzten Jahren zeigte sich, dass vor allem Influenzaviren und Herpesviren einen Entzündungsprozess im Herzmuskel auslösen. (Frick et al.) Bei einer, durch einen Virus induzierten, akuten Herzmuskelentzündung gelangen kardiotrope (am Herz wirkende) Erreger in die Herzzellen und vermehren sich dort weiter, greifen weitere Zellen an und zerstören diese (schlimmstenfalls). Es kommt zu einer Immunreaktion des Körpers und Ansammlung von Immunozyten welche die Viruszelle zuerst markieren und schließlich unschädlich machen. Akut ergibt sich daraus oftmals eine Einschränkung bzw. Funktionsstörung der rechten und linken Ventrikel, sowie spezifische Symptome wie Brustschmerzen (Angina pectoris), Fieber, Herzrhythmusstörungen, Übelkeit, Erbrechen und bei einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems, kann es bis zu einem Herzinfarkt aka plötzlichem Herztod kommen. Werden diese Symptomatiken frühzeitig erkannt, kann der Athlet/ die Athletin rechtzeitig behandelt werden und bei einem Großteil der Betroffenen kommt es zu einer vollständigen Genesung ohne bleibende Schäden. (Frick et al.)
Wenn der Erreger jedoch nicht früh genug eliminiert werden kann, sondern nur abgeschwächt, dann bleibt die Entzündung erhalten. Man spricht von einer chronischen Myokarditis. Da das Herz nur geschwächt arbeiten kann, ergeben sich entsprechende Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Motivationsverlust, Kraftlosigkeit und Brustschmerzen. Häufig verläuft die chronischer Herzmuskelerkrankung jedoch letal und asymptomatisch, oder kann nicht offensichtlich von einer Erkältung oder einem grippalem Infekt unterschieden werden. Dies kann dann gefährlich werden, wenn die Erkrankung unentdeckt bleibt und weiterhin Sport ausgeübt wird. Dabei kommt es zu einer Suppression der T-Lymphozyten, die körpereigenen Immunzellen. Durch die Entzündung bilden sich lebensgefährliche Fibrosen (Narbengewebe), welche die Pumpfunktion bzw. Kontraktilität des Herzens vermindern und auf Dauer zu einer dilatativen Kardiomyopathie führen. Zusätzlich kommt es zu Störungen der Erregbarkeit des Herzens und damit zu krankhaften Arrhythmien. (Dettmeyer et al.)
Oftmals wird die chronische Myokarditis nur durch Zufall und dank einem genaueren Hinschauen des zuständigen Arztes erkannt, bzw. ein Verdacht ausgesprochen. Genau das kann lebensrettend sein! Die Diagnostik einer asymptomatischen Herzmuskelentzündung ist schwer und kann in vielen Fällen nicht allein durch ein EKG unter Ruhe und Belastung ausgemacht werden. Daher empfiehlt sich zusätzlich regelmäßige Blutbildanalysen durchzuführen und besonders auf die C-reaktiven Proteine (CRP) sowie Troponin zu achten. Besteht ein akuter Verdacht wird man oft zu einem Herzultraschall geschickt, oder es wird eine Zellprobe in Form einer invasiven Biopsie entnommen. (Kühl et al.)
Was passiert nun, wenn eine Myokarditis diagnostiziert oder vermutet wird? Bei Sportlern ist es simpel: 3-6 Monate Trainings- und Wettkampfpause. Je nach Stadium der Entzündung, werden zusätzlich noch Immunsuppressiva verabreicht. Aber alles in allem kann eine Herzmuskelentzündung gut therapiert werden. Aber dementsprechend ist es wichtig regelmäßige Untersuchungen durchzuführen, um eine Erkrankung frühestmöglich auszuschließen.

Literatur:
Dettmeyer, R. Strehler, M. Winkelmann, S. Madea, B. (2006). Myokarditis. Rechtsmedizin, 16:138–142. DOI: 10.1007/s00194-006-0378-y
Frick, M. Pachinger, O. Pölzl, G. (2009). Myokarditis als Ursache des plötzlichen Herztodes bei Sportlern. Diagnose, Behandlung und Prävention. Herz, 34:299–304. DOI: 10.1007/s00059-009-3237-2
Kühl U, Schultheiss HP: Myocarditis — early biopsy allows for tailored regenerative treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(20): 361–8. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0361
Möckel, M. Radke, W. P. Wolfrum, S. (2020). Kardiovaskuläre Notfall- und Akutmedizin. Walter de Gruyter GmbH, Berlin. https://doi.org/10.1515/9783110597516-201
Pankuweit, S. Maisch, B. (2013). Ätiologie, Diagnose, Management und Therapie der Myokarditis. Herz, 38:855–861. DOI: 10.1007/s00059-013-3988-7

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