Mein Jahr als Monkey-Fan...

22. Oktober 2022, 10:20 Uhr
geschrieben von von Stefanie Tschank

… oder ein persönlicher Schwangerschaftsbericht

Am 22. März 2022 hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand und meine Gefühle überschlugen sich. Von gewaltiger Vorfreude und Glück bis hin zu Traurigkeit und leichter Panik war alles dabei, hatte ich doch erst vor kurzem das Monkeys Trainingslager in Cesenatico gebucht und mit Frani die Mitfahrgelegenheit gecheckt. Nur schwanger ein intensives Trainingslager zu absolvieren ist eher kontraproduktiv, also entschuldigte ich mich bei Matthias und Frani und weihte sie schon recht früh in unser noch kleines Geheimnis ein.
Nach dem ersten Schock nun endlich wieder schwanger zu sein, beschloss ich für mich: na gut, dann wird das Jahr 2022 eben ein Jahr ohne Wettkämpfe und ich werde nur supporten und anfeuern. Denn die ersten Gefühle neben der Freude waren schon eher gemischt- Wie wird das alles in der Schwangerschaft ablaufen und sich anfühlen? Werde ich ohne Sport sehr viel an Gewicht zulegen, werden alle meine Muskeln verschwinden und schafft das mein Körper?

Kein Duathlon für das Duo
Beim ersten Staatsmeisterschaftsbewerb, dem Duathlon in Maissau, konnte ich leider nicht dabei sein, da ich von meiner Ärztin in den ersten Monaten der Schwangerschaft ein absolutes Sportverbot verhängt bekommen habe (O-Ton Fr. Doktor: „Verhalten Sie sich jetzt lieber vorerst einmal wie eine 80-Jährige und machen nichts…“) und noch dazu hatte ich genau an diesem Wochenende eine Verkühlung, was in der Frühschwangerschaft auf Grund des heruntergefahrenen Immunsystem leider völlig normal ist. Also war ich via online Live-Stream dabei und fieberte mit den Monkeys mit. Ich freute mich jedes Mal wenn ein Monkey-Sportler oder Supporter im Bild zu sehen war. Die Live-Übertragung eines solchen Events gab es bisher auch noch selten.
Beim Seestadt-Triathlon schaute ich natürlich auch vorbei um die Stimmung der neuen Triathlon Veranstaltung aufzusaugen.
Beim Waldviertler Eisenmann unterstütze ich meinen Freund Martin, der mit ein paar anderen wagemutigen Startern mit dabei war. So eine Halbdistanz anzufeuern ist eigentlich fast genauso anstrengend wie der Bewerb selbst. Man versucht, die besten Positionen für Fotos und Anfeuerungsrufe zu finden, wandert am Wettkampfgelände umher und fiebert mit.
Beim Crosstriathlon in Graz waren u.a. auch Andrea und Alex mit voller Ausstattung (Trommel, Tröten, Schilder) mit dabei und wir machten auf der Rad- und Laufstrecke Stimmung. Natürlich wurden nicht nur die Monkeys angefeuert, sondern jeder der vorbeikam, bekommt Applaus und Motivationszurufe – in den Augen oder an den Gesten der meisten, sieht man die Freude darüber und jeder gibt dann noch ein bisschen mehr.
Auf Übelkeit und Müdigkeit folgt Motivation
Nach dem ersten Trimester mit permanenter Übelkeit und Müdigkeit und eben ohne Sport, war es dann im zweiten Trimester bei mir umso besser, da merkte ich eigentlich nicht wirklich, dass ich schwanger war. Der Bauch war noch nicht wirklich groß, ich konnte wieder meiner Leidenschaft dem Schwimmen und Yoga nachgehen, fühlte mich eigentlich pudelwohl in meiner Haut und hatte mit den körperlichen Veränderungen meinen Frieden geschlossen. Immerhin produziert der ein neues Lebewesen.
Die anfänglichen Ängste, was darf man tun oder sollte man lieber nicht (essen, trinken, etc.) haben sich auch gelegt und bei den regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen konnte man das Wachstum des kleinen Geschöpfs gut mitverfolgen. Dieses Wunder der Natur ist bis heute für mich nicht wirklich in Worte zu fassen - einfach unglaublich.
Unseren gemeinsamen Campingausflug an den Wörthersee und zum Ironman Austria ließen wir uns trotz meiner Schwangerschaft auch nicht entgehen. Martin konnte Kilometer am Rad sammeln und ich ließ mir die Sonne auf den (wachsenden) Bauch scheinen.
Mini Monkey on Tour
Ich war zum ersten Mal bei einem Ironman-Event hautnah mit dabei und muss sagen, es war Gänsehautfeeling pur. Man kann von der Massenveranstaltung halten was man will, aber sie erzeugen eine Stimmung, die lässt glaube ich niemanden kalt. Noch dazu war es in der Früh beim Start sehr emotional, da Ralphs Eltern mit uns dabei waren und als Schwangere ist man ja noch näher am Wasser gebaut als ich es sonst schon bin und so wechselnden Anspannung, Aufregung und Traurigkeit sich in Sekunden ab. Ich war einfach überwältigt und ließ meinen Gefühlen freien Lauf. Ich vermisse Ralph wirklich sehr und bin traurig, dass er unseren Mini-Monkey nicht mehr kennenlernen konnte. Auch dieser Tag wurde lang und anstrengend aber ich bereue keine Minute davon und bin froh, so ein Spektakel miterlebt zu haben.
In Obertrum war ich ebenfalls Teil der Monkey-Fans und freute mich bei jedem Zieleinlauf mit.
Der Saisonabschluss war die Ironman-Halbdistanz in Zell am See, wo ich dann bereits im 7. Monat schwanger war und den ich bereits als sehr anstrengend empfunden habe. Da das Wettkampfgelände leider sehr zerrissen war und wir Fans recht weite Strecken von Schwimm- und Radstrecke zur Laufstrecke und wieder retour zurücklegen mussten. Noch dazu war das Wetter zum ersten Mal in dieser Saison wirklich durchgehend schlecht. Da kam mir das Angebot von Elke, dass sich alle Monkey-Fans bei Ihnen im Apartment aufwärmen und trocknen konnten, nur sehr recht, um mich etwas auszurasten.
Bei all diesen Bewerben war ich natürlich auch vorrangig Betreuerin für meinen Freund, der die vielen Staatsmeisterschafts-Starts für mich übernommen hat und sich tapfer in seiner zweiten Triathlon-Saison geschlagen hat. Aber auch die generelle Hilfsbereitschaft unter den Monkeys, ob Starter, Betreuer oder Fans ist einmalig und gibt mir jedes Mal ein gutes Gefühl im richtigen Verein Mitglied zu sein.
Mein persönlicher Wettkampf
Ich habe in dieser Saison vor allem das Rennradfahren vermisst, die Ausfahrten mit meinen Trainingskollegen oder auch einfach allein der Sonne entgegen zu treten. Die regelmäßigen Trainings mit meinem Trainer sind mir auch abgegangen.
Die Wettkämpfe die ich persönlich als Trainingsmotivation benötige, habe ich durchs zuschauen, mitfiebern und anfeuern diesmal von einer anderen Seite miterlebt, aber das Triathlonfieber ist dadurch aufrecht erhalten geblieben, wenn nicht sogar gestiegen. Die gemeinsamen Wochenenden mit den Vereinskollegen, das philosophieren über die Triathlonszene und die neuesten Gadgets haben mich daran zehren lassen, dass ich seit März bis auf Schwimmen und Yoga keinen Ausdauersport machen konnte.
Nun hat bei mir bereits der Mutterschutz begonnen und somit ist hier auch der Endspurt angebrochen. Als Triathletin durch und durch ist heuer mein persönlicher Wettkampf die Geburt, die vor uns steht, auf die ich mich genau wie beim Triathlontraining gewissenhaft vorbereitet habe und das Ziel wird es sein, unseren Nachwuchs dann endlich in den Armen halten zu können.

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