Vom Nicht-Läufer zum Ironman

24. Juni 2023ca. 6 Minuten Lesezeit

Rennbericht von Lena Tölke

Ich hoffe ihr habt euch schon einen Tee, Kaffee und Snacks geholt, denn hier muss ich kurz ausholen.

IRONMAN Klagenfurt 2023 liegt nun fünf Tage hinter mir und ich bin schon wieder fit. Unglaublich, wenn ich darüber nachdenke. Aber wie bin ich überhaupt in die Lage gekommen, mit 27 Jahren meinen ersten IRONMAN zu machen? Einige wissen es bereits: Meine Wurzeln liegen im deutschen Rettungsschwimmen. Die Leidenschaft zum Triathlon habe ich erst bei den Monkeys in Wien entdeckt. Dass ich aber jemals einen Marathon, geschweige denn einen Ironman machen würde, hätte ich damals nicht für möglich gehalten. Laufen lag mir nie und für meine damalige Swim-Run-Swim Prüfung innerhalb der Rettungsschwimmausbildung habe ich sogar wochenlang das Laufen trainiert. Das, obwohl nur 300 m (ja Meter) zu absolvieren waren - ich war einfach keine Läuferin. Aber langsam hat sich das Murmeltier ernährt und mit dem Eintreten in den Verein war ich bald schon Feuer und Flamme für den Sport. Total inspiriert von Dani, die damals ihren ersten Ironman machte, entwickelte sich langsam der Traum auch selbst einmal einen zu absolvieren. Bis ich 30 Jahre alt bin, wollte ich also selbst auch einen Ironman machen. Was für ein verrücktes Ziel. Kurz darauf lief ich nach einigen Tipps von Matthias dann schon das erste Mal mehr als 21km. Als ich dann das zweite Mal 30km laufen konnte, war ich überzeugt, dass ich den Höhepunkt meiner sportlichen Laufbahn erreicht hatte und ich jetzt oder nie wieder einen Marathon laufen kann. Fest von dem Gedanken überzeugt, meldete ich mich fünf Wochen vor dem Marathon an, trainierte rückblickend natürlich viel zu viel, aber hatte eine Menge Freude. Den Marathon schaffte ich dann überglücklich in 4:25h und war froh, als es vorbei war. Mittlerweile hatte ich mich auch für meine erste Halbdistanz angemeldet und mehr als Respekt davor. Ich trainierte in Eigenregie weiter und ließ mich von meiner Motivation zu einigen langen Radfahrten verleiten. Als ich dann aber alle Disziplinen für sich in der Tasche hatte und das Ziel Ironman immer realistischer wurde, kribbelte es schon sehr in den Fingern. Voller Motivation meldete ich mich also Hals über Kopf mit Sebastian für Klagenfurt 2023 an - und das bevor ich überhaupt meine erste Halbdistanz gemacht hatte. Naja - wird schon werden, dachte ich mir. Durchhalten war immerhin selten mein Problem, ich war einfach nicht schnell. Ironman 70.3 Zell am See kam und mit ihm mein erster und bisher einziger Triathlon den ich komplett (auch durch die Laben) durchlaufen konnte. Warum? Weil es an dem Tag nur regnete. Trotzdem ein tolles Event und mit einer Zielzeit von 5:44h ein absoluter Wahnsinn! In Zell beschloss ich dann auch, dass ich für die Reise zum Ironman professionelle Hilfe brauche. Seitdem jagte eine PB die nächste und ich fühle mich so fit wie nie. DANKE MATTHIAS! Der Sport ist das eine, aber unterschätzt euer Supportteam nicht. Egal, ob es der beste Trainer, der coolste Verein, die verständnisvollsten Freunde, etc. sind - das sind diejenigen, die all das überhaupt erst ermöglichen. Somit auch hier an dieser Stelle noch einmal DANKE an alle von euch. Danke für die vielen tollen Gespräche, das viele Daumen drücken und das stetige Anfeuern!

Nach acht Monaten fokussiertem Training hieß es dann um 3 Uhr in der Früh aufstehen und Träume verwirklichen. Mit insgesamt 14 Startern waren wir der "biggest Club racing" und ich somit umgeben von Vollprofis - alle eine Inspiration für sich. Im Wasser fühlte ich mich gut und war in meinem Element. Die Sicht war bedingt durch die Sonne nicht immer leicht und das Schwimmen im Kanal etwas stressig. Den Support der Monkeys am Kanal spürte man aber dennoch im Wasser. Nach 59min und 3,8km Schwimmen fing der Wettkampf dann erst so richtig an für mich. Voller Euphorie begegnete ich Balint noch in der ersten Wechselzone, der mich am Start noch beruhigte. Die ersten 90km am Rad liefen super und wie erwartet. Danach spürte ich dann schon deutlich die Hitze und traf kurz Roland Königshofer, bei dem ich einige Wochen vorher einen Rad-Technikkurs hatte. Übrigens eine große Empfehlung, falls jemand noch überlegt oder Ausbaubedarf am Rad hat. Nach dem absoluten Tief bei km 120 sprang mir dann auch noch die Kette ab und steckte ganz fies zwischen Rahmen und Kettenblatt fest. Glücklicherweise fuhr genau in dem Moment Samuel vorbei und half mir dabei die Kette zu lösen. Was für ein großartiger Zufall! Nachdem ich Samuel also 5 Minuten Radzeit genommen hatte (danke dir nochmal, Samuel!) fuhr ich weiter und nach einem weiteren Kettenproblem auch schon in die Wechselzone ein. YES! Das meiste war geschafft und ich wusste, irgendwie bringe ich das jetzt auch noch zu Ende. Das Witzigste war, dass ich mich schon seit Kilometer 130 auf das Laufen freute. Alternativ wäre ein Kaffee mit einem Stück Schokotorte auch ziemlich toll gewesen, aber ich wollte ja einen Ironman machen (*Augenrollen*). Robert überholte mich dann bedingt durch meine Klopause noch in der Wechselzone und lief frisch davon. Meine Beine fühlten sich auch überraschend fit an, aber meine Muskulatur unter dem Rippenbogen hatte sich total verkrampft. Nach einigen Stehpausen, um das zu lösen, konnte ich bis Kilometer 26 mit kurzen Gehpausen zum Kühlen an den Laben sehr gut durchlaufen. Wahnsinn, wenn ich bedenke, dass ich mal für 300m trainiert habe. Nach 26km hatte die Muskulatur dann aber genug und ich musste über den Schmerz laufen. Das gelang mir mal besser und mal gar nicht. Am Ende habe ich mein Ziel erreicht und mit 11:59h einen Ironman gemacht. Ob ich das empfehlen kann? Keine Ahnung. Es ist viel Arbeit. Viel Geld. Viel Fokus. Aber auch eine riesige Gaudi! Ich bin dankbar, dass das alles so funktioniert hat und da ich mich für Kona qualifiziert hätte, überlege ich jetzt ob ich es nächstes Jahr nicht auf die World Championships in Nizza anlegen soll. Mal sehen. Die Stimmung war jedenfalls der Wahnsinn!

Mein persönliches Highlight: Der Zieleinlauf von Rudis letzter Langdistanz.
Mein persönlicher Horror: Das Rad am selben Abend noch aus der kilometerweit-entfernten Wechselzone zu holen.
Fun Fact: 21km auf eine neue PB zu laufen fand ich schlimmer als den Ironman.

Bleibt alle so toll wie ihr seid und bis bald - Lena <3
https://tri.sportsmonkeys.at/news/?id=591

Lena Tölke
geschrieben von Lena Tölke

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