Mitteldistanz Rookie
2021: mein erster Sprint
2023: meine erste Kurzdistanz.
Nun traute ich mir zu, einen Schritt weiterzugehen. Für 2024 fasste ich also meine erste Mitteldistanz ins Auge. Dass es die Challenge St. Pölten werden sollte, weil dort auch Vereinscuppunkte zu holen sind, lag auf der Hand. Und dass das wieder einmal ein veritables Monkeys-Spektakel werden würde, war auch klar.
Sportlich ging ich in der Vorbereitung für diesen Meilenstein auf Nummer sicher. Ich engagierte mir einen Weltklasse-Coach, Vincent Hummel, der mich punktgenau und zielgerecht auf das Event hinführen sollte. Auch wenn ich mit meinem Marathon im April einen weiteren trainingsintensiven Bewerb am Plan hatte (es wurde berichtet), lag der Fokus prioritär auf St. Pölten. Vinc gelang es sehr gut, beide Ereignisse unter einen Vorbereitungshut zu bringen.
Meine Perspektive auf die drei Disziplinen im Vorfeld:
Schwimmen: ich sagte mir immer, wenn ich mal die 1500 Meter bei der OD geschafft habe, sind die 400m mehr auch schon wurscht. Darüber hinaus hatte ich voriges Jahr auch schon ein paar Mal das Gänsehäufl (im Wasserschneckentempo) umkrault. Ein richtiger Schwimmer wird aus mir in diesem Leben eh nicht mehr, aber absaufen werde ich auch nicht.
Rad: Großer Respekt vor den zwei großen Steigungen (Krustetten, Gansbach), eigentlich sogar drei. Obritzberg wird oft nicht diskutiert, ist aber auch nicht ganz ohne. Hanna, die sich ebenfalls auf ihre erste MD freute, und ich fuhren zwar nie die ganze Strecke im Vorfeld in einem ab (außer auf Rouvy im Keller), aber die Abschnitte mit den erwähnten Bergfahrten wurden natürlich - an zwei Tagen -ausprobiert. Analyseergebnis: respektabel, aber nicht wirklich zu fürchten.
Laufen: für mich eigentlich die große Unbekannte. Ich bin ja für mein Alter kein schlechter Läufer (meine Halbmarathon PB: 1h 40min), aber nach 90 Km Radeln hatte ich das noch nie gemacht. Mit welcher Pace sollte ich es angehen?
Den richtigen Horror hatte ich aber vor Wechselzone 1!!! Grausige G‘schichteln kursierten von den eiskalten Seen im Mai, wegen deren danach die Finger so klamm seien, dass selbst Pros Schwierigkeiten hatten, den Helmgurt zu schließen oder sich Socken anzuziehen. Meine diesbezügliche Angst legte sich aber, als in den Tagen vor dem 26. Mai Wassertemperaturen von 21 Grad gemeldet wurde.
Na gut, Race Day: wie ich einem Kollegen im Vorstartbereich am See anvertraute: meine Unaufgeregtheit hielt sich in Grenzen…. Und das schon seit einigen Tagen.
Aber wie Ihr erfahreneren Monkeys wohl bestätigen könnt: sobald Du einmal ins Wasser gesprungen bist, hast Du keine Zeit mehr für Nervosität. Es ging also dahin, wenn auch für mich gemächlich. Orientierung im Freiwasser ist nicht nur für mich ein Thema. Erfahrungsgemäß mach ich da meist ein paar Meter mehr, als die Bojen verlangen. Speziell im zweiten See, war das vor allem beim Zurückschwimmen mit der Bojensichtung nicht so einfach. Aber laut Garmin dürfte es diesmal nicht schlecht funktioniert haben. 58 Minuten für 2200 Meter (inklusive Landgang) – sagen wir ok.
Fürs Radfahren hatte ich vor einigen Wochen beim Wechseltraining mit „Schuhe mit Gummiringerln auf den Pedalen“ zu üben begonnen. Nicht unbedingt, um viel Zeit zu gewinnen, aber die vorhersehbare lange Strecke von der Wechselzone zur Mounting Line (und später zurück) wollte ich mir mit Schuhen an den Füßen ersparen. Hervorragende Stilnoten beim Radaufsteigen erhielt ich dann wohl nicht, aber der Zweck war erfüllt.
„Ich fahre auf der Autobahn, alles geht so schnell…“ Ja, das Feeling war ein einmaliges. Dann in der Wachau wies mich ein mich überholender Triathlet auf den schönen Donaublick hin. Ich war zwar mit anderen Gedanken beschäftigt, aber riskierte dann doch ein kurzes Sightseeing. Eh.
Die mir schon bekannten Steigungen absolvierte ich ohne gröbere Probleme.
Essen und Trinken mit selbst mitgeführter Verpflegung durfte ich nicht vernachlässigen, auch in Hinblick auf den dräuenden HM. Nach 3h 14min. war die Radstrecke hinter mir. Zufrieden. 3 Stunden, also 30km/h, zu erwarten wäre vermessen gewesen.
Nun also meine Paradedisziplin: um es kurz zu machen, der Rookie hat sich ein wenig verkalkuliert. Die erste Runde zu schnell angegangen, deswegen auf den zweiten 11,5K eingegangen. Wenn im Vorfeld (auch vom Coach) eine 5:15 Pace anvisiert wird, sollst Du nicht fürwitzig mit einer 5er starten. Das ging zwar auf Runde 1 noch halbwegs gut, aber danach war im Durchschnitt nur mehr eine 6:00 Pace drin. Was soll’s, hab gelernt. Immerhin mit 1:54 unter 2 Stunden.
Der Support am Streckenrand war sowohl am Rad, als auch beim Laufen temporär sehr gut. Höhepunkt natürlich der Monkeysbereich beim Stadion. Vielen Dank, da sind bei mir die Emotionen wirklich hochgekommen!
Gefinished letztendlich mit 6 Stunden 19 Minuten. Das kann ich so stehen lassen. Unter 6 Stunden wäre utopisch gewesen.
Nun ist es vorbei, nun fühle ich eine große Leere in mir, mein letztes großes Ziel ist erreicht… ;-) Als ich diese Gedanken gegenüber Lena äußerte, antwortete sie lakonisch: „Klagenfurt, in drei Wochen…“ Sorry, Lena, NEVER, weder in drei Wochen noch sonstwann in diesem meinem Leben.
Aber was die Halbdistanz betrifft: ES WAR SEHR SCHÖN, ES HAT MICH SEHR GEFREUT!
Fotos: Beatrix van Linthoudt