Meine erste Langdistanz - gerockt!
Meine erste Langdistanz - im wahrsten Sinne gerockt!
Was für ein unglaublicher Tag. Fast eine Woche später hab ich manches noch immer nicht ganz realisiert (zB wie ich so ´ne Zeit am Marathon hab laufen können) und berichte noch immer voller Freude über mein Erlebnis auf der ersten Langdistanz. Der beste Kommentar war bisher am Mittwoch im Büro von einem Kollegen, der meinte: “Simone, du lebst noch!?” Er war einfach so erstaunt, dass ich schon wieder normal gehen konnte und einfach nur ´nen fetten Grinser im Gesicht hatte.
Aber nun zum eigentlichen Bericht:
"Simone, you are an IRONMAN" - Was für megageile Worte beim Zieleinlauf. 2024 war es soweit und der IRONMAN Austria sollte meine erste Langdistanz (3,8 km Swim/ 180 km Rad/ 42,2 km Laufen) werden. Vielen Dank hier noch mal an Matthias, mit dem ich mich vor einem Jahr gemeinsam angemeldet hatte. Kurz nach der Anmeldung folgte nach der Euphorie ein wenig Panik - was haben wir nur da gemacht? Fast ein Jahr später stellt sich heraus, dass es einer der besten Tage in meiner Triathlonkarriere ist.
Meinen Rookie-Einstand hab ich ab dem Schwimmstart nur genossen. Die Nervosität der Tage davor hat sich recht in Grenzen gehalten und ich war über meine innerliche Ruhe selbst total überrascht. Ich glaube, das ging nicht nur mir so, auch Johann war etwas verwundert. Wochen davor hat er sich da sämtliche Zweifel und Sorgen immer wieder von mir anhören müssen. Sogar in der letzten Nacht vorm Rennen habe ich voll gut geschlafen - was mir selbst etwas Sorgen gemacht hat. (Es war kein Vergleich zu meinen zwei olympischen Bewerben als Vorbereitung für den Ironman).
Dass der Schwimmstart der schnellsten Agegrouper doch so schnell verging, habe ich etwas unterschätzt und bin dann in meiner Gruppe (1h bis 1:10h) im hintersten Feld in meinen längsten Sporttag gestartet. Kurz noch den Rick getroffen und dann ging´s auch schon ins Wasser. Das Schwimmen war einfach mega. Seit dem Einschwimmen am Freitag habe ich mich auf diesen Teil des Ironman gefreut. Zwar war das Wasser recht kühl, aber der Armzug und das Dahingleiten haben sich so gut angefühlt und so viel Spaß gemacht - ab diesem Zeitpunkt hab ich mich nur mehr auf das Event am Sonntag gefreut. Der Schwimmstart selbst war total gemütlich und komplett stressfrei. Man hatte richtig das Gefühl, dass einfach jeder Athlet wusste: Heut wird noch ein langer Tag :). Von Beginn an hat das Einsammeln anderer Athleten begonnen. Ich konnte einfach mein Tempo schwimmen, hatte selbst dafür nur für kurze Zeit einen Schwimmschatten. War mir aber total egal, ich hab´s genossen und einfach Spaß gehabt. Die Stimmung im Lendkanal war unglaublich, was ich so mitbekam.
Jürgen und Clarissa haben mich da am Ufer ein paar Meter begleitet und fleißig gepusht. So schnell konnte ich dann gar nicht schauen und auf einmal war der Schwimmausstieg schon da. So viele helfende Hände, die einen aus dem Wasser gezogen haben. Somit Teil 1 geschafft. Auf gehts zur Wechselzone und jetzt kommt der Radpart.
Für mich war das Wechseln mit den Sackerln total neu, bisher hatte ich das noch bei keinem meiner Bewerbe. Wenn man dann zu seinem Platz kommt und merkt wie chillig die Andren sich “umkleiden” und miteinander tratschen, hab ich auch beschlossen Luft zu holen und es einfach gemütlich anzugehen. Noch zum Rad Laufen und ab ging`s auf die Strecke.
Am Rad selbst, hab ich von Anfang an mein Ding gemacht. Kurz die Watt gecheckt, festgestellt, dass ich voll im Bereich bin und einfach mein Tempo weiter getreten. Durch den Regen waren die Straßen teilweise noch recht nass, hat aber überhaupt nichts gemacht. Die Radstrecke bin ich im Vorfeld einmal abgefahren und wusste daher, dass es kaum Abfahrten gibt welche gefährlich sind. Dass ich auf den Abfahrten so viele Männer überholen würde, hätt ich im Vorfeld nie gedacht. Meinen größten Respekt hatte ich vor dem Anstieg nach Egg. An der Stelle waren ca 40km um und ich bin dort so locker hochgeradelt, dass selbst
Alex Gräf von ReWork völlig überrascht war. Die ersten 90km sind total schnell verflogen und schon gings auf die 2te Runde. Da war mein nächstes Ziel Johann Vodivnik, der wieder fleißig angefeuert hatte. Nach der ersten Seenschleife und somit das 4te Mal bei Johann vorbei, hat er mir noch liebe Grüße von Lena ausgerichtet. Schon die ganze Zeit mit einem Grinser unterwegs, musste ich an dieser Stelle noch mehr schmunzeln. Bei der Abzweigung beim Kreisverkehr war nun das letzte Ziel noch einmal der Rupertiberg. Kurz vor dem ersten Anstieg hab ich Jürgen noch einmal getroffen. Ist für ein paar Meter am Rand mitgeradelt, hat mir meine Schwimmzeit und meinen Radsplit mitgeteilt. Mit den Worten: “Simone, du hast deine alte Radform wieder voll erreicht, bleib dran beim Tempo, dann gehen sich 5:40 h am Rad aus” ging´s voller Motivation den kleinen Berganstieg noch mal hoch. Die Beine haben sich weiterhin kraftvoll angefühlt, also kurzerhand entschlossen nun etwas mehr Druck aufs Pedal zu geben und die kleinen Gegenanstiege bei der Abfahrt eher etwas drüber zu drücken. Whoop und es hat super funktioniert. Kurz vor der Wechselzone noch
Thomas Schmit eingeholt. Somit waren 180km am Rad auch erledigt und der letzte Abschnitt, der Marathonlauf, stand bevor.
In der Wechselzone noch mal mit Thomas upgedatet, wie es jedem von uns bisher ging. Für mich stand gleich der Wechsel in die Laufschuhe an, Thomas legt noch eine Pippipause ein. Wenn man dann losläuft und schon die ersten Athleten mit Krämpfen gehen sieht, kommen doch auch kurze Zweifel auf, vor allem weil ich weiß, dass ich eine Kandidatin für Krämpfe bin - wäre nicht der erste Bewerb.
Alle Zweifel aber sofort verdrängt, meine Beine haben sich einfach super angefühlt, der Schritt total locker - also Grinser wieder im Gesicht und auf geht´s. Dass ich hier nun sitze und berichte, wie dieser Marathon Kilometer für Kilometer einfach verflogen ist, kein Einbruch war, ein kurzer Dixi-Stop, ansonsten keine Magenprobleme, mir die 6 Gels, welche ich in Summe beim Marathonlauf zu mir genommen habe, am Ende immer noch geschmeckt hatten - hätte ich nie gedacht.
Auf der Strecke hatte ich für mich 4 Spots - Johann, meine Eltern, die Monkeys, Christian/Wolfgang inklusive ihrer Frauen aus dem Weinviertel. Es war jedes Mal so toll dort vorbei zu kommen, aber auch die vielen anderen Zuseher auf der Strecke haben mich total motiviert, wenn sie meinten, dass ich so locker und total gut aussehe. Lena hab ich dann das erste Mal am Weg in die Altstadt nach Klagenfurt gesehen, da war sie total im Fokus. Bei Kilometer 30 kamen Erinnerungen an meinen Marathon in Paris auf, wo mein Leidensweg dann begann. Das war nun einfach gar nicht der Fall. Bei Kilometer 33 hab ich mir gedacht, jetzt fehlen noch ca 10 km, das entspricht 1 Stunde laufen, das mach ich jetzt auch noch easy. Einfach bei den Laben immer wieder Iso, manchmal auch Cola, Wasser und Salzwasser genommen. Als ich dann Lena auf der 2ten Laufrunde am Weg zurück ins Ziel aus der Altstadt vor mir sah, wollt ich ihr noch vorher auf den Popsch klatschen. Hab´s dann verworfen, aber für mega Anfeuerungen war die Energie doch nicht mehr da bzw. der Fokus zu groß. Bei Johann war dann Rick kurz vor mir, den ich da noch überholen konnte. Ab diesem Zeitpunkt hab ich auf den letzten 3 Kilometern das Tempo etwas angezogen. Bei der letzten Labe voll aufgetankt und dann gefühlt Richtung Ziel gedüst - auf den Videos sieht der Schritt bei weitem nicht so graziös aus, wie er sich angefühlt hat. Alex Gräf stand an dem Punkt, wo es noch einmal zur Wende ging und dann Richtung Ziel. Seine Worte: “Oida, das wird ne mega Zeit” hab ich noch aufgeschnappt aber mich nicht weiter damit beschäftigt. Die Leute und auch meine Eltern haben mich dann einfach ins Ziel getragen.
Gefühlt war ich mit einem Dauergrinser unterwegs, hatte unglaublichen Spaß, hatte keinen Druck, keine Zeiten im Kopf und wurde im Ziel von meiner Family mit ganz vielen Tränen und Freude in den Augen empfangen. Als sie mir dann meine Finisher-Zeit von 10:41:21 Stunden mitgeteilt haben, hab ich´s selbst nicht glauben können. Eine Zielzeit von 11:30 Stunden hab ich mir im Vorfeld ausgerechnet gehabt mit 1:15 h Schwimmen, 6 h Radeln und 4 h Laufen - wenn alles optimal verläuft. In den Wochen vorm Ironman hab ich beschlossen, mich mit gar keinen Zeiten zu beschäftigen, auch den Konkurrenzgedanken und meinen Ehrgeiz nicht zu beachten, sondern einfach es so nehmen wie´s kommt. Alles voll aufgegangen und es war einfach MEIN PERFEKTER TAG.
10:41:21 Stunden (1:07:58 h /5:39:37 h / 3:42:30 ).
Danke an die vielen Monkeys, vor allem auch Wolfgang List, der am Weg nach Klagenfurt noch zurief: “Hau den Deckel drauf und hol dir das Ding”, an Johann, der auf den letzten Kilometern auch noch fleißig gepusht und zugerufen hat, meine Eltern und die vielen Freunde/Familienmitglieder, die von daheim mitgefiebert hatten - ihr wart GROßARTIG. Ebenso an Christophe Sauseng für diese tolle Vorbereitung.
https://tri.sportsmonkeys.at/news/2024/06/ironman-austria-2024/
https://tri.sportsmonkeys.at/news/2024/06/ein-ironman-kommt-selten-allein/
Ergebnisse der Österreicher
https://www.trinews.at/die-ergebnisse-der-oesterreicher-beim-ironman-austria-2024/