Der Sports Monkeys Triathlon Club

Run Vienna 159

22. Oktober 2024ca. 3 Minuten Lesezeit

…und die Frage nach dem Warum

„Ich verstehe nicht warum man sich das antut.“, sagt meine Frau. Ich sitze mit einer Dose Red Bull und einer Flasche Gatorade auf den Stufen in unserer Wohnung und entledige mich etwas unbeholfen meiner Laufschuhe. Vielleicht sehe ich noch etwas mehr k.o. aus als in den letzten Wochen. Die Nacht zuvor war kurz (Geburtstagsfeier am Vorabend und Termine der Kinder am frühen Vormittag sind keine optimale Vorbereitung für lange Dauerläufe). Die Uhr zeigt 37,5 km, in den letzten 3 Wochen waren es ziemlich genau 200 km. „Musst du nicht verstehen und wirst du nicht verstehen. Das verstehen nicht mal die, die es sich antun.“
ist meine Antwort.

Wigald Boning schreibt in ‚Lauf, Wigald, lauf: 52 mal 42 km‘ „Es gibt nichts, was einen Menschen zufriedener macht als ein selbst erarbeiteter Erfolg“. Das klingt für mich nach einer brauchbaren Begründung, aber für einen Außenstehenden ist das wohl doch zu wenig. Selbst erarbeitete Erfolge sind auch mit weniger Anstrengung erreichbar, hängt es doch ganz wesentlich von der Zielsetzung ab.

Eine Woche später stehe ich am Start des Run Vienna 159. Genau 5 Jahre zuvor startete hier Eliud Kipchoge seinen zweiten Versuch einen Marathon unter 2 Stunden zu laufen - der Rest ist Geschichte.

Wolkenloser Himmel und niedrige Temperaturen, wie immer wenn ich auf der Reichsbrücke starte, stellt sich die Frage: Frieren am Start oder Hitzestau beim Lauf. Ersteres hat sich bisher immer als optimaler erwiesen. Start pünktlich um 8:15 Uhr – diesmal mit herrlichem Blick auf den von der aufgehenden Sonne angestrahlten Stephansdom. Über den Praterstern biegen wir in die Hauptallee. Wo die Monkeys montäglich ihre Intervalle absolvieren, sammeln nun knapp 250 Läuferinnen und Läufer ihre Kilometer. Die vielen Wenden stören den Laufrhythmus überraschend wenig, auch nicht die unterschiedlichen Laufgeschwindigkeiten – immerhin kann ich oft überholen und überrunden :). Bei KM 16 – wir sind seit ungefähr 1 ½ Stunden unterwegs - fällt mir eine Läuferin auf, große Kopfhörer, Beine laufen, Oberkörper tanzt. Beim Überholen ein kurzer Blick zur Seite – ein Strahlen, wie man es selten sieht. Da fällt mir das Gespräch der Vorwoche wieder ein und ich kenne nun die Antwort – weil es Spaß macht. Nicht immer - manchmal umso mehr. Ich genieße die letzten Kilometer auf der sonnenbeschienenen Hauptallee, erreiche nach offizieller Messung 22,26 km und mit 1:52:57 meine zweitbeste Zeit am Halbmarathon. Das Wichtigste aber ist, es war ein großartiger Lauf und ich war glücklich.
Carsten Polzin – Jurist, Ironman, Ultraläufer und das, was man gemeinhin als ‚Verrückten‘ bezeichnet – schreibt in ‚Laufrausch‘ zur Frage nach dem Warum bei Ultraläufen: „Die Wahrheit ist: Wir wissen es selbst nicht. Und wir fragen es uns auch viel seltener, als man meint. […] Für die meisten von uns wird aber die Antwort ganz simpel lauten: Weil wir laufen wollen.“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Manchmal ist es so einfach.

Bücher:
Wigald Boning - Lauf, Wigald, lauf: 52 mal 42 km. Mein abenteuerliches Marathon-Jahr und was ich dabei über Laufen, Leben und Luftküsse lernte.
Carsten Polzin - Laufrausch: Wie ein Paar Laufschuhe unverhofft mein Leben auf den Kopf stellte

https://www.runvienna159.com/
https://www.ineos159challenge.com/

Michael Urban
geschrieben von Michael Urban

Kommentare

Um die Kommentare zu diesem Thema zu lesen oder selbst einen zu schreiben, musst du eingeloggt sein.

Weitere Beiträge