IronMan Austria - fast eine Punktlandung
15.06.2025 – der Tag der Tage. Exakt 363 Tage nach der Anmeldung für meine erste Langdistanz war es nun so weit: 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen; und die erste Hitzewelle des Jahres hat sich rechtzeitig eingestellt.
Was in diesen 363 Tagen so passiert ist?
Mein erster Radmarathon (Wachau), meine erste ÖM-Medaille (Aquathlon), ein Umzug, eine Reise in die USA und nach Kanada und nach dieser Reise der Start gezielten Trainings (exakt 8 Monate vor dem Ironman). Für die erste Langdistanz sollte nichts dem Zufall überlassen werden, weshalb ich mir Vincent als Trainer genommen habe und wir uns als „geheimes“ Ziel die 10 Stunden-Schallmauer gesetzt haben, welche ich bei diversen Fragen nach Zielzeiten nie kommuniziert habe.
Das 8-monatige Training war geprägt von sehr viel Stunden auf der Rolle, die mir überraschend leicht von der Hand gegangen sind (in den letzten Jahren war das meiste, was ich über den ganzen Winter auf der Rolle gesessen bin, 18 Stunden – GESAMT). Zusätzlich stand sehr viel Frühschwimmen sowie Laufen in einem gesunden Maß auf dem Programm. Dass sich das Training bezahlt macht, habe ich markant 3x gemerkt: neue Halbmarathon-Bestzeit aus dem Training heraus, starke Verfassung beim Trainingslager in Porec und der AK-Sieg über die Olympische Distanz beim Apfelland Triathlon.
Dennoch bleiben bei einer Langdistanz immer Zweifel und Unsicherheiten – im Verlauf des Frühjahrs wurde ich mir nur über eines sicher: so wie das Frühjahr verläuft, wird es am Tag des Ironman Austria sicher extrem heiß werden. Und ja, vielleicht habe ich es verschrien, aber vielleicht sollte ich im nächsten Leben auch einfach Wetterfrosch werden.
Am Renntag sollte es also mit bis zu 32 °C extrem heiß werden, womit ich mich im Laufe der Rennwoche bereits abgefunden hatte und was mich dann auch nicht mehr extra nervös gemacht hat. Überhaupt ist die Nervosität im Laufe der Rennwoche immer weniger geworden, was mich irgendwie auch wieder irritiert hat. Ich würde das am ehesten darauf zurückführen, dass ich meine Hausaufgaben erledigt hatte und, dank Vincent und Simone, eigentlich auf alles vorbereitet war.
Nun aber zum Rennen:
Für das Schwimmen habe ich mich im Block für eine Zeit zwischen 1:00 h und 1:10 h eingeordnet und habe ständig Leute überholt, was mir schon mal ein positives Gefühl gegeben hat. Im Lendkanal habe ich dann am Rand Simone erkannt, ihr zugewunken, und habe dann bis zum Ausstieg so gut es ging weiter Leute überholt. Am Ende stand eine Schwimmzeit von 1:06:05, mit der ich einigermaßen zufrieden war. Den langen Weg in die Wechselzone habe ich dank Tipp von Simone für das erste Gel genutzt und habe mir dann in der Wechselzone keinen Zeitstress gemacht, wollte aber dennoch so effizient wie möglich sein, was mir auch gelungen ist.
Für das Radfahren gab es mehrere Devisen: kluges Pacing, Kühlung, ausreichend Verpflegung. Kluges Pacing ist mir gelungen – die Durchschnittswatt nach Runde 1 waren dieselben wie nach Runde 2 und ich habe auf Runde 2 eigentlich nur mehr andere Teilnehmer:innen, die ebenfalls auf Runde 2 waren, überholt. Mit der Kühlung beim Radfahren habe ich bereits auf Runde 1 begonnen, obwohl es hier noch nicht so heiß war, und habe auch dankend die kühle Dusche der Monkeys beim ersten Mal Rupertiberg und von einem Bekannten von Simone beim zweiten Mal Rupertiberg angenommen. Zusätzlich habe ich mich auf Runde 2 vor der Abfahrt nach Rosegg, wo Simone und meine Familie gestanden sind, meines Visors entledigt. Und ausreichend Verpflegung konnte ich auch zu mir nehmen und habe während des gesamten Rennens keine Magenprobleme bekommen – vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich mir mal akribisch Gedanken über die Kohlenhydrataufnahme pro Stunde machen würde, aber ja – ein bisschen verrückt sind wir doch alle. :)
Am Ende des Radsplits stand eine Zeit von 5:12:09 (34,53 km/h), was ziemlich genau dem entsprach, was für mich vorstellbar war, ohne zu viel zu riskieren. Die extrem große Wechselzone war nach meinem Radsplit noch sehr leer, was für weitere Motivation gesorgt hat.
Den Wechsel aufs Laufen habe ich wieder in Ruhe, aber effizient gestaltet, und mich auf meinen Weg zum Marathon gemacht – es sollte nicht mein erster Marathon sein, aber sicher der erste mit Start um 13:23 Uhr bei Temperaturen von über 30 Grad. Somit hatte ich dafür eigentlich keine Erfahrungswerte.
Die ersten Kilometer haben sich, wie von Vincent und Simone angekündigt, richtig gut angefühlt und waren mit einem Schnitt von 4:40/km in dem Tempo, was ich bei der Hitze angepeilt habe. Von Anfang an habe ich jede Labestation mitgenommen und versucht, mich mit Wasser und Eis so gut wie möglich zu kühlen – Tipp: lieber nicht 20 Eiswürfel auf einmal mit der Kappe auf den Kopf legen, das ist dann doch sehr kalt. Der erste Laufabschnitt nach Krumpendorf verlief oft in der prallen Sonne, was es nicht einfacher gemacht hat – einfacher gemacht haben es dort die Anfeuerungen von Simone und Klemens und jene bei der Cheering Zone. Der Weg zurück hat sich dann wieder besser angefühlt, auch wenn die Pace von 4:40/km auf Dauer nicht zu halten war.
Zurück in der Nähe des Eventgeländes warteten dann die nächsten Anfeuerungen durch die Monkeys, meine Familie, Simone und zig anderen unbekannten Leuten, die gepusht haben – das schöne Wetter hatte zumindest den Vorteil, dass viel mehr Fans auf der Strecke waren. Abgesehen von den Labestationen war der nächste Ankerpunkt der Alte Platz, wo zwei meiner ehemaligen Tischtenniskollegen sein würden, die mich dort wieder gepusht haben. Simone hat mir etwas später erstmals meine hochgerechnete Zielzeit mitgeteilt (9:48 h), die aber schwer zu halten sein würde. Kurz nachdem mir dann auch Max mitgeteilt hat, dass es in Richtung Sub 10 gehen kann, kam das erste mentale Loch. Wie ich es überwunden habe, kann ich nicht genau sagen – ich bin einfach weitergelaufen, bis es weg war und habe mich dann wieder von Punkt zu Punkt „gehangelt“. Beim Parkbad in Krumpendorf hat mich dann Bernhard überholt – zuerst war ich perplex, dann haben wir es aber für einen kurzen Tratsch genutzt. In Folge dachte ich mir: „Hm, ob mein Schritt auch noch so gut aussieht?“ (Tat er natürlich nicht).
In der Nähe des Eventgeländes gab es dann wieder die Anfeuerungen durch die Monkeys und meine Familie und ein letztes Abklatschen mit Rene, der schon auf seinen letzten Metern war. Der Weg zurück in die Altstadt war trotz der diversen Ankerpunkte und Anfeuerungen schwer, auch wenn es natürlich für Motivation gesorgt hat, dass ich öfter überholt habe, als dass ich überholt worden bin. Die Pace war mittlerweile auf über 5:00/km gesunken und ich wusste grob, dass es für die 10 Stunden knapp werden könnte. Daher habe ich dann bei Kilometer 38 den Entschluss gefasst, nochmals zu riskieren und das Tempo zu erhöhen, da ich nun wohl sicher ins Ziel kommen würde. Gesagt, getan: ich konnte das Tempo nochmals steigern, habe aber dennoch noch die letzten Labestationen mitgenommen. Im Europapark standen nochmals Simone, meine Familie und angeblich auch Lena, wobei ich das eventuell nicht mehr ganz mitbekommen habe. Nach dem Europapark eine Kurve rechts, eine Kurve links, unter der Unterführung durch, bergauf und dann nochmals Tempoerhöhung, ohne dabei beim Überholen der anderen Teilnehmer:innen zu stolpern. Gefühlt im Usain Bolt-Modus vorbei am Monkeys-Hotspot - Kurve links - Kurve rechts - Kurve links - Abklatschen mit Vinci – Läuten der First Timer Bell (so viel Zeit muss sein) – und danach ab ins Ziel!
Aber was stand beim Zieleinlauf nun für eine Zeit? War die 10 am Anfang oder ist sich die 9 ausgegangen? Ich konnte es absolut nicht mehr einschätzen und habe mich im Kopf auf eine 10 eingestellt und mir gedacht: „Den ersten Ironman bei diesen Bedingungen in knapp über 10 Stunden zu finishen, ist auch eine herausragende Leistung.“ Am Ende des Marathons stand eine Laufzeit von 3:31:37, was in Summe eine Zeit ergab von *Trommelwirbel*… 9:59:33 – also fast eine Punktlandung und mein erstes Langdistanz-Finish, auf das man auf alle Fälle stolz sein kann. Ebenso stolz wie alle anderen, die den Ironman in noch schnelleren Zeiten oder in 11, 12, 13 oder 17 Stunden gefinished haben und kein Opfer der Hitze oder des Rupertibergs geworden sind.
Das Fazit? Es hat den Großteil der Zeit extrem viel Spaß gemacht, die Zeit ist bis auf die 2. Laufrunde verflogen und ich hatte zum Glück weder muskuläre noch gravierende hitzebedingte oder andere Probleme. Ohne die zahlreichen Anfeuerungen von bekannten und unbekannten Gesichtern an der Strecke oder das Treffen anderer Leidensgenossen wie Rene oder Bernhard wäre es noch um einiges schwerer geworden. Und ohne das gezielte Training von Vinci (DANKE!) hätte ich diese Leistung sicher nicht geschafft.
Und ohne wen ich es sowieso nicht geschafft hätte? Simone. Ich kann gar nicht alles aufzählen, wofür ich mich bedanken muss.
PS: Wenn jemand seine erste Langdistanz in Klagenfurt machen will, stellt mit allen Mitteln sicher, dass Lena als Supporterin vor Ort ist. Ihr werdet zwar am Rupertiberg fast euer Gehör verlieren, aber das ist es wert!