Osterhasenchallenge statt Cesenactio

7. April 2021, 16:53 Uhr
geschrieben von Thomas Schmit

Nachdem ich bisher lediglich stiller Mitleser auf der Monkey – Webseite war, will ich nun auch einmal aktiv etwas dazu beitragen. Für alle, die mich bisher noch nicht kennen: Ich darf mich seit einigen Jahren „Agegrouper“ nennen - auf Grund meiner Qualifikation „alter Sack“. Auch wenn es meine „Schnelligkeit“ nicht vermuten lässt, war ich in meiner Jugend einmal recht ambitionierter Leichtathlet (400m). Die schnelle Muskulatur wurde jedoch in den letzten 15 Jahren erfolgreich durch Ausdauersport abtrainiert – zuerst mit Halbmarathon und Marathon und in den letzten 3-4 Jahren mit Triathlon. Am liebsten auf der MD, ab und zu mal auf der OD und einmal (2018 in Klagenfurt) auch auf der LD.

Auf Grund von Beruf, Familie und Lebensphilosophie gehöre ich eher zu den Minimalisten was das Training betrifft. Zwischendurch darfs aber schon ein bisschen mehr sein, wenn es die Zeit zulässt und gerne auch knackig – ja ich muss zugeben: irgendwie steh ich auf Intervalle – wahrscheinlich eine unterdrückte masochistische Neigung. Aber ich denke, einige wissen, wovon ich rede…

Heuer steht die MD in Obertrum als Hauptwettkampf an – sofern das die Corona – Lage zulässt. Ein positiver Effekt der letzten Monate - > auf Grund der Unsicherheiten ist immer öfter der Weg das Ziel. Das zweite Jahr trainiere ich jetzt mit Coach Matthias Müller, was ich nur empfehlen kann. In unseren allfreitäglichen Trainings – Talk vom Freitag vor der Osterwoche habe ich den Mund wohl zu voll genommen und vorgeschlagen wir könnten doch ein „Trainingslager-light“ machen, um die erneute Absage von Cesenatico zumindest trainingstechnisch zu kompensieren. Sozial hätte uns das Trainingslager wahrscheinlich allen sehr gutgetan, aber so ist es nun mal. Erwartungsgemäß war der Coach gleich begeistert von meiner Motivation und machte sich an die Trainingsplanung der nächsten 1,5 Wochen, die ich geplant zumindest zum Teil in meiner ursprünglichen Heimat Kärnten verbringen wollte.

Als ich mir nach der Durchsicht des Trainingsplans die Tränen aus den Augen wischte, wusste ich, da wird kein normales Training reichen – das muss eine Mission werden: die Osterhasenchallenge war geboren und sogleich mit der ersten von 15 Einheiten am Palmsonntag gestartet:

Osterhasenchallenge – Phase 1 (Wien) – Training 1 bis 6:

Die ersten vier Trainingstage der Challenge war ich noch in Wien. Es begann gleich einmal mit einer ziemlich harten Angelegenheit - > 14km Testwettkampf im Prater mit Ralph und Gerald. Zu meiner Freude gesellten sich bei Traumwetter noch zahlreiche weitere Affen in diversen Funktionen (Trainer, Wasserträger und Athleten) zu uns, sodass die soziale Komponente sogar unter Einhaltung der Corona Regeln nicht zu kurz kam. Der Test – Wettkampf selber war dann ganz gut im Bereich meiner Möglichkeiten (4:25er Schnitt). Schockierend war mein Laufstil, den Rudi mit der Kamera schonungslos festgehalten hat. Auch da kann man meine Leichtathletik Vergangenheit nicht (mehr) erkennen. Der Rest in Wien waren dann 1x 1h ausrollen, 1x 2h locker, 1x 2h locker + 1h Koppellauf und am Mittwoch ein „Ruhetag“ mit nur 45min locker laufen + Technik. Den Tag habe ich dringend gebraucht, denn die Beine haben sich bis dahin sehr kaputt angefühlt.

Osterhasenchallenge – Phase 2 (Kärnten Teil 1) – Training 7-10:

Am Donnerstag ging es dann gleich in der Früh nach Kärnten, mit geplantem Zwischenstopp bei den Schwiegereltern in Steuerberg bei Feldkirchen. Das Rad war mit im Auto, also ging es direkt nach dem wie immer köstlichen Mittagessen aufs Rennrad und die ersten 10km durchwegs bergab. In Summe waren es dann 90km die sich sehr leicht angefühlt haben – ich dürfte wohl Glück gehabt haben mit dem Wind. Im letzten Drittel der Tour war dann der den meisten IM Fans bekannte Rubertiberg am Programm – perfektes Wetter, schöne Landschaft, gute Beine – so macht Training Spaß.

Am nächsten Tag dann eine landschaftlich wunderschöne Runde im gemäßigten Tempo - > Wörthersee Südufer, Rosegg, Frög, St. Jakob im Rosental, Hollenburg und retour nach Klagenfurt.
Am nächsten Tag Stand der erste Koppler der Saison 2021 am Programm und wurde durch einen Spontanbesuch von Ralph in Kärnten aufgelockert. Der positiv verrückte Typ fährt doch tatsächlich für ein Training von Wien nach Kärnten?!? Durch die angenehme Gesellschaft war das Tempo etwas langsamer als geplant, dafür wurde der Koppler (5km schnell und dann auf 75‘ Minuten auslaufen) sehr gut und locker bewältigt.

Osterhasenchallenge – Phase 3 (Kärnten Teil 2) – Training 11-15:

Am nächsten Tag stand die längste Ausfahrt der Challenge am Programm und gleichzeitig der erste richtige moralische Tiefpunkt. Auf der fast komplett flachen Strecke Klagenfurt – Brückl (30km) hat mir der Wind unbarmherzig ins Gesicht geweht. Die Kombination aus Gegenwind, noch einige Stunden am Rad und noch einige harte Einheiten in der Challenge haben meine Stimmung kurzzeitig in den Keller befördert. Doch wir wissen alle: nach jedem Tief kommt ein Hoch. Der Rest der Fahrt war dann, von einigen Gegenwind Passagen abgesehen, eh wieder ok.
Die Einheit am Ostermontag war dann zwar recht zeitintensiv aber zumindest retrospektiv recht einfach - > 2h radln und 1,5h laufen. Auch hier wurde ich teilweise von einem guten Jugendfreund begleitet, was die Angelegenheit deutlich einfacher machte. In Summe war ich total erstaunt, was mein Körper alles durchhält.

Am vorletzten Tag der Challenge noch einmal ein richtig knackiges Training – Laufintervalle (5x2000m mit 1‘ Pause). Die Beine waren doch schon sehr schwer, das Wetter winterlich – aber einmal geht’s noch: Wie vorgenommen waren die Zeiten leicht progressiv: 2.000 (4:35/km), 2.000 (4:30/km), 2.000 (4:25/km), 2.000 (4:20/km) und 2.000 (All out) – bis auf den letzten Lauf der ‚nur‘ mehr 4:23‘ war, konnte ich gerade noch so alle Zeiten leicht unterbieten. Damit war die Challenge eigentlich geschafft – am letzten Tag (Mittwoch) noch eine lockere Runde um den See (bei Minusgraden), aber das war ein bisschen so wie die letzte Etappe der TdF an der Champs-Élysées ????!

Fakten:
• 9 Tage
• 15 Trainings
• 586,76 km am Rad
• 88,17 km mit den Laufschuhen
• 27h und 54min Sport

Persönliches Fazit:
Die Challenge war durchaus eine Herausforderung, aber ich habe wieder mal gemerkt, dass man ‚einfach nur‘ einen Plan haben muss und diesen Schritt für Schritt abarbeiten. Dann wird ein Berg der vor einem steht, plötzlich nur mehr viele kleine Hügel. Erstaunt hat mich, dass meine sehr ungesunde Ernährung in der Zeit keine negativen Folgen auf meine Leistungsfähigkeit hatten. Vielleicht kommen die Wissenschaftler noch zur Erkenntnis, dass fette Osterjause und Bier in größeren Mengen das Nonplusultra der Ausdauersport – Ernährung sind. Wenn das jemals passiert, dann hoffe ich, dass ich als Pionier in die Geschichte eingehe ????. Ein großes Danke noch an meinem Coach Matthias, der mir das ganze eingebrockt hat und -noch ein Stückchen mehr – an meine Familie, die es mir erlaubt hat, die Suppe, Löffel für Löffel auszulöffeln.

Hart war's, fordernd war's - > aber irgendwie auch ziemlich lässig….

Sunpie Agency