RED - S

17. November 2021, 8:00 Uhr
geschrieben von Viktoria Ziegler

Das relative Energiedefizit im Sport – verharmlost, verdrängt, verschwiegen

Schneller, höher, weiter…und immer dünner? Viele AthletInnen und TrainerInnen glauben immer noch, dass ein geringes Körpergewicht das Erfolgsrezept in Ausdauersportarten wie Laufen oder Triathlon ist. Aus biomechanischer Sicht mag eine Gewichtsabnahme von Vorteil sein, doch welchen Preis muss die Psyche und die physische Gesundheit dafür bezahlen?

Das „relative Energiedefizit im Sport“ (RED-S) kann sowohl im Freizeitsport als auch im Spitzensport zahlreiche negative Auswirkungen auf die physische und psychische Leistungsfähigkeit haben. Depressionen, chronische Müdigkeit, Verletzungen, Infektanfälligkeit, ein gestörtes Essverhalten und das Ausbleiben der Menstruation sind einige Anzeichen. Doch warum kommt es überhaupt zu einer dauerhaft geringen Energiezufuhr im Sport? Gründe sind vor allem Perfektionismus, Konkurrenzdenken, Druck von Trainern, mangelndes Wissen über Sporternährung und eine vermeintliche Steigerung der Leistung. Wichtig zu betonen ist, dass das RED-S eine Erweiterung der ursprünglichen „weiblichen athletischen Triade“ ist (Abb.1). Die Triade ist ein immer häufiger auftretendes Syndrom, das besonders bei jungen athletischen Frauen diagnostiziert wird. Es handelt sich dabei um einen Symptomkomplex aus drei Komponenten: eine Essstörung, Amenorrhoe und Osteoporose. Ausschlaggebend für die Entstehung ist eine geringe Energieverfügbarkeit. Dadurch steht dem Körper zu wenig Energie zur Kompensation des Trainingsenergieverbrauchs und für die Aufrechterhaltung aller physiologischer Körperfunktionen zur Verfügung. Durch das Herunterfahren der Hormonproduktion setzt die Menstruation aus und die Knochendichte wird durch die fehlende Estrogenproduktion negativ beeinflusst. Das schlimmste daran? Die meisten Athletinnen nehmen es nicht ernst, verdrängen und verschweigen es.

Auch ich war auf einem guten Weg, in diese Problematik hineinzuschlittern. Als ich als 15-jährige schlanke junge Dame mit dem Laufen begann, war alles super. Ich hatte Spaß am Sporteln in der Natur und merkte schnell, wie ich immer länger und schneller laufen konnte. Als ich anfing, bei Lauf-Wettbewerben mitzumachen, erkannte ich allerdings, dass andere schneller waren und auch athletischer aussahen. So setzte ich mir in den Kopf, ich muss mehr trainieren und leichter werden, um auch gewinnen zu können - gesagt, getan. Nach drei Jahren und ein paar Kilos weniger gewann ich die meisten Läufe in meiner Umgebung (Abb. 2), lief bei Bergläufen auf das Podest, machte bei Halbmarathons mit und probierte mich an selbstgebastelten Triathlons. Die Erfolge waren da, doch die Auswirkungen auf meine Gesundheit ließen nicht lange auf sich warten. Nach vielen Recherchen war für mich klar: ich muss zunehmen und meinem Körper eine Pause gönnen. Nachdem ich ein paar Kilos mehr auf den Rippen hatte und gesundheitlich wieder fit war, konnte ich meine Leidenschaft zum Sport wieder voll ausleben. Das alles machte mich noch stärker, wodurch ich hin und wieder bei Triathlons und Bergradrennen vorne mitmische (Abb. 3).

Ich habe aus Fehlern gelernt und mir als Studentin der Ernährungs- und Sportwissenschaft Wissen über eine adäquate Energiezufuhr im Sport angeeignet. Ernährungsassoziierte Maßnahmen stellen nämlich die Haupttherapie der beiden Syndrome dar. Einerseits muss die Energiebalance ausgeglichen und das Körpergewicht erhöht werden. Andererseits muss darauf geachtet werden, regelmäßig zu essen und besonders bei intensiven Trainingseinheiten genug (flüssige) Nahrung zuzuführen. Zur Behandlung der geringen Knochendichte sind außerdem die Mikronährstoffe Calcium, Vitamin D und Vitamin K von äußerster Wichtigkeit. Schlussendlich stellt vor allem die Bildung über eine adäquate Sporternährung einen essenziellen Teil der Prävention und Therapie bei jungen SportlerInnen dar.

Zum Abschluss will ich euch sagen: Sportliche Erfolge und ein bestimmtes Körperbild sind nicht alles im Leben – aber ohne Gesundheit ist alles nichts! Darum esst ausgewogen, verpflegt eure Sporteinheiten adäquat und hört auf euren Körper – er weiß am besten, wann er eine Pause (oder mehr Bananen :-))braucht.

Liebe Grüße

Viktoria

P.S: Wer detailliertere Infos haben möchte und mehr über ernährungsassoziierte Maßnahmen zum RED-S und zur weiblichen athletischen Triade erfahren will, darf gerne meine (in unserer Signal-Gruppe bereitgestellten) Bachelorarbeit durchstöbern.

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