EM Olsztyn-Polen

3. Juni 2022, 10:00 Uhr
geschrieben von Johanna Hofbauer

Age Group Sport: Olympische Distanz, 29.05.2022
Vorausschicken möchte ich, dass ich froh bin, dass es nicht meine erste EM war. Letztes Jahr machte ich mir vor Valencia große Sorgen, ob ich mit meiner Leistung dort wirklich antreten sollte. An alle die solche Bedenken haben: Völlig unnötig! Das sind großartige Events und auch der/die Letzte hat noch seine Fans. Dieses Feeling war in Spanien noch besser. Sicher dem angenehmeren Wetter geschuldet, aber auch den Spanier*innen, welche alle Athlet*innen angefeuert haben im Gegensatz zu den sehr national eingestellten Pol*innen.

Aber zurück zu Olsztyn, einem Städtchen im hohen Norden Polens. Wer kommt auf die Idee, eine EM im Mai im Nordpol(en) zu machen?!?! Die Wetter und Wasserbedingungen waren in Kombination eindeutig eine Herausforderung. Ca. 13 Grad Luft- und 15 Grad Wassertemperatur. Im Vorfeld gab es Gerüchte über eine mögliche verkürzte Schwimmstrecke oder sogar Abänderung auf Duathlon.

Erst am Wettkampftag bekamen wir die Information, dass wir lange Bekleidung unter dem Wettkampfanzug tragen dürften. Aber beim Einrichten der Wechselzone kam gerade die Sonne so richtig durch, also wird es schon nicht notwendig sein – dachte ich. Die Materialschlacht, welches Rad und ob Aufleger oder sonst was um mich herum hat mich nicht so tangiert, ich startete wieder mit meinem Gravelbike. So mancher hat sich wohl doch geärgert, weil es zuerst geheißen hat, dass keine Scheibe erlaubt sei und nun kam die Mitteilung raus, dass es doch möglich war. Wir mussten unsere Räder schon am Vortag einchecken (bei strömendem Regen, welcher sich in der Nacht fortsetzte). Müllsäcke zum Einpacken der empfindlichen Teile waren eine heiß begehrte Ware. Da es auch stürmte, sind einige der Rennmaschinen bald am Boden gelegen. Mit meinem Klebeband konnte ich einige Sympathiepunkte rundherum gewinnen. Wir haben die Räder auf die Halterung festgeklebt.
Nachmittags am nächsten Tag war die Age Group an der Reihe.
Die Welleneinteilung war aus meiner Sicht perfekt. Es gab kein Gedränge und auch später auf der Radstrecke war die Einhaltung der 10 Meter gut möglich. Wir waren eine Gruppe von 47 Damen 50+ weiblich und mussten uns im Wasser an einem Strick unter der Sprungplattform anhalten (uns Oldies haben sie nicht so wie der Elite einen Sprung zugetraut).

Beim Schwimmen ist es mir so weit gut gegangen. Nur im letzten Drittel ließen sich meine kleinen Finger kältebedingt nicht mehr kontrollieren. Irgendeine Ausrede braucht man für 1 Minute Planzeitüberschreitung.

Beim Radfahren hatte ich zu Beginn eisige Oberschenkel und ein ordentlicher Regenguss trübte auch etwas die Stimmung. Eingestellt war ich auf einen völlig flachen Kurs. Leider hatte ich nur einen Teil der Strecke besichtigt, dadurch habe ich die 259HM übersehen, welche nicht viel, aber unerwartet waren. Die doch teilweise heftigen Schlaglöcher konnten mich nach Cesenatico nicht mehr beeindrucken.
An der Radstrecke merkte ich, dass bei einer doch eher nicht so einladenden Destination und Jahreszeit nicht so viele Reservetriathlet*innen wie ich am Start waren (wieder ein großer Unterschied zu Spanien). Ich wurde ständig überholt und das von manchen zweifach. Eine Anekdote am Rande. Vor dem Wettkampf fragte ich, was andere mit ausgesaugten Gelpackungen machen. Viele geben die am Oberschenkel unter die Radhose. Ich meinte, dass das pickige Zeug dort eklig sei. Wie ich nun versuchte, das Gel in meinen Mund zu drücken, spritzte das Zeug auf meine Schulter. Ich war schon versucht, diese energiespendende Substanz mit der Zunge abzulecken, hatte aber doch zu viel Angst vor einem Sturz. Auf jeden Fall breitete sich das Gel dann über meinen Arm bis zu den Fingern aus und verklebte auch noch den Lenker. So viel zu eklig.

Über die Laufstrecke gibt es nicht viel zu sagen, außer dass eine Laufstrecke in der Nähe eines Sees nicht per se flach sein muss. Wieder mal verkalkuliert – 104HM und ich hatte das Gefühl es geht ständig nur bergauf. Mit der Kälte hatte ich trotzdem noch zu kämpfen. Nach ca. 3 Kilometern habe ich meinen Schuh ausgezogen, weil ich schauen wollte, ob eine Zehe umgebogen war. Ich spürte sie nur bamstig und schmerzend. Aber soweit alles ok, also ging mein persönlicher Kampf weiter. Ich war gar nicht zufrieden mit meiner Leistung, aber bei der Nachbearbeitung (Höhenmeterkontrolle) konnte ich mich dann wieder mit mir versöhnen.

Resümee: Ich bin wieder um einige Erfahrungen reicher und im Nachhinein ist man doch immer wieder stolz, es geschafft zu haben und wieder die eigenen Grenzen etwas ausgelotet zu haben. Nächstes Mal bei solchen Bedingungen schmiere ich mich überall mit Wärmecreme ein inkl. kleiner Finger und berichte euch dann die nette Anekdote: Wie ich mir die Wärmecreme in die Augen schmierte.

Wir waren diesmal nur ein kleines Grüppchen Age Group Österreicher*innen von 14 Personen. In Valencia waren es 76.
Erwähnen möchte ich davon Jaqui Lischka von Tri Kagran, die trotz Adduktorenzerrung bis zum Ende durchgehalten hatte. Bravo!!!
Sie möchte unbedingt an alle Athlet*innen weitergeben: Lauft niemals über den Schmerz - das ist es nicht wert! Sie ist nun zwei Tage im Krankenhaus gelegen und konnte nicht mal zur Toilette. Die verletzungsbedingte Pause und ihr stornierter Urlaub kommen jetzt noch dazu.

Große Gratulation an Klaus Kübler vom 3 Team Saalfelden, er holte die Goldmedaille in der Altersklasse (M 75-79)!

Unser persönlicher Betreuer, mein lieber Ehemann, der beim grauslichsten Wetter im Regen auf Jaqui und mich gewartet und uns bestens unterstützt hat, kann natürlich nicht unerwähnt bleiben. Was mache ich nur in München, wenn er selbst auch antritt?

https://triathlon.org/results/result/2022_europe_triathlon_championships_olsztyn
https://www.triathlon-austria.at/de/newsshow-pech-der-oesterreicher-bei-em
https://www.triathlon-austria.at/de/newsshow-bronze-fuer-brungraber-bei-em

Die Delegation der Spanier haderte auch etwas mit dem Wetter: https://www.instagram.com/reel/CeBIz5hKOx9/?igshid=MDJmNzVkMjY=

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