Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun Teil 1/2

9. September 2022, 23:45 Uhr
geschrieben von Michael Urban und den Zell Startern

Über 2.000 Starter, 60 Länder, nationale und internationale Triathlonstars. Österreichische (Staats-)Meisterschaften auf der Mitteldistanz und als Draufgabe das 10-jährige Jubiläum. Zell am See stand Kopf als am 28. August der Ironman 70.3 zum bereits zehnten Mal ausgetragen wurde. Mittendrin statt nur dabei ein Dutzend Sports Monkeys (die Hälfte von ihnen feierten Premiere auf der Mitteldistanz) und – wie gewohnt – der dazugehörige Anhang und Fanclub. ,
Ach ja, ein paar bekannte Namen wie Sebastian Kienle, Emma Pallant-Browne und Frederic Funk standen auch auf der Starterliste. Was die Monkeys diesen Startern voraushatten? Keiner dieser Topstars bekam die „Biggest club racing“- Badehaube – diese Ehre wurde den Mitgliedern des Sports Monkeys Triathlon Club aus Wien zuteil. Damit hätten wir als erste der Age-Grouper starten dürfen. Viel wichtiger aber war, dass wir ein eigenes Startnummernpackage zugeordnet bekamen und in der Wechselzone nebeneinander standen (abgesehen von Ana, Bernd und Christian – wo die Vereinszuordnung zu spät kam).
1,9 km Schwimmen im Zeller See mit Blick auf die umliegenden Berge, 90 km Radfahren durch das Pinzgau, weite Teile davon auf der gesperrten B311, mit dem Höhepunkt Filzensattel (rund 10 km Anstieg nach Dienten und danach noch 2 km mit 14% Steigung), der Rest meist leicht abfallend – perfekt um Gas zu geben. Der abschließende Halbmarathon führt zwei Mal von Zell am See den Ufer entlang nach Thumersbach und zurück.
Einzig die Wetterprognose ließ zu wünschen übrig. In den Tagen davor wurde immer wieder Regen prognostiziert, der dann doch nicht kam. Dafür kam er gesammelt am Abend und in der Nacht vor dem Wettkampf. Während am Sonntag Früh vereinzelt Räder aus der Wechselzone geschoben und auf den Start verzichtetet wurde, erfuhren die übrigen Starter, dass in der Nacht eine Mure die Rennstrecke bei KM 52 versperrte – es wird mit schwerem Gerät an der Reinigung der Straße gearbeitet, es lässt sich aber nicht abschätzen, ob die Arbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden können. Falls nicht wird es eine zusätzliche Dismount-Line geben, danach das Rad rund 200 Meter getragen und nach einer Mount-Line geht es weiter. Landgang beim Schwimmen kennen wir ja, dann eben auch ein „Landgang“ beim Radeln. Dank des intensiven Einsatzes der Helfer konnte die Radstrecke aber rechtzeitig vollständig freigegeben werden.
Der Gesamtsieg ging bei den Damen an Emma Pallant-Browne (GBR) vor Grace Thek (AUS) und Giorgia Priarone (ITA). Bei den Herren siegte Frederic Funk (GER) vor Jan Stratmann (GER) und Lukas Hollaus (AUT), der damit auch Staatsmeister wurde. Staatsmeisterin wurde Lisa-Maria Dornauer. Von den 12 Monkeys kamen 11 ins Ziel - einzig Michael Molnar wurde im Wasser beinahe k.o. geschlagen und musste das Rennen vorzeitig beenden.
Ironman-Veranstaltungen sind unverschämt teuer (das Startgeld beträgt das 2-3fache von vergleichbaren Wettbewerben in Ö), die Größe der Veranstaltung und das Drum-herum (gesperrte Hauptstraßen durch halbe Bundesländer) sind einzigartig, entschädigen für vieles und versprechen einen unvergesslichen Wettkampftag. Bestens organisierte Wettkämpfe gibt es aber auch für weniger Geld.

Folgendes berichten die erfolgreichen Monkeys (Teil 1):

Christian Vetö (4:40:42)
Bereits in Wien beginnt das Abenteuer mit Ana und Lena ganz getreu unserem internen Gruppennamen "Trödeltrupp" mit 1h Verspätung bei der Abfahrt. Aber das ist egal weil die Stimmung ist gut und registrieren kann man sich ja auch noch am Samstag... In der arabischen Metropole Shallamsi angekommen gehts erst mal zum Carbloaden: Pizza.
Den Samstag starten wir ebenso gemütlich mit der Registrierung und einem Besuch der Expo. Ungefähr um 12 (eher so 40 nach 12 ????) starten wir eine lockere Radrunde um den See und über Kaprun zurück zur Jugendherberge, gefolgt von einem vielleicht nicht mehr ganz so gmiadlichen 5km Lauf zur Aktivierung. Letzteren kommentierte Robert am Sonntag 5 Minuten vor dem Start mit: "Ihr habt’s gestern schon a bissl zu viel gemacht, oder?" Keine Ahnung... Schau ich aus wie ein Sportwissenschaftler?!
Da ich in Zell am See kein Zimmer mehr bekommen habe (und die Nacht vor dem Wettkampf doch nicht im Bus übernachten wollte) fahr ich am Abend noch nach Dienten ins Universitätssportzentrum. Dort treff‘ ich Fabian, der ebenfalls an den Start geht. Am Sonntag in der Früh fahren wir mit 2 Autos im strömenden Regen zum Parkplatz und von dort bringt Fabians Freundin uns zur Wechselzone. Es dauert nicht lange, bis ich bemerke, dass ich meinen Neopren im Auto liegen hab lassen ???? Zum Glück fährt sie eh nochmal hin und kann ihn mir mitnehmen.
Das Rennen selbst starte ich mit einem (für mich) echt guten Schwimm-Split von etwas über 33 Minuten. Nach einem mäßigen ersten Wechsel gehts auf die nasse Radstrecke. Ich versuch 280 Watt zu fahren, merk aber schnell, dass das nicht geht. Dennoch überhol ich mit meinem Rückstand wie immer sehr viele schnellere Schwimmer in meiner Paradedisziplin. In Dienten bei der Labe grüß ich Claudia vom Dientnerhof und hol mir was zu trinken. Am Steilstück und vor allem auf der Abfahrt habe ich mit meinem Rennrad mit Scheibenbremsen einen erheblichen Vorteil. Zudem kenn ich den Filzensattel besser als Hadersfeld und attackier Vollgas bergab. Mit lautem Protest der Bremsen und weit über 60km/h gehts Richtung Saalfelden und weiter nach Zell, immer aero und immer nass. Ein Stück Rettungsdecke unterm Trikot spendet mir wohlige Wärme! Nach der kurzen Schlaufe über Kaprun und vergeblichen Versuchen mich am Rad zu erleichtern, gehts in der Wechselzone mal ins blaue Häuschen. Mein Radl wirds mir danken!
Doch auf der Laufstrecke merk ich bald, dass es nicht bei einer Klopause bleiben wird. Mein Magen macht mir Probleme und ich muss vor der 2. Runde nochmal stehen bleiben. Die letzten 10km gehen dann wieder deutlich besser und so bleibt meine Laufzeit trotzdem knapp an 1h30min (4:26 Pace).
Nach 4h40min und ein paar Zerquetschen bin ich froh, dass es vorbei ist aber nicht ganz zufrieden mit meiner Zeit. Naja... AK 19. ist nicht meine beste Platzierung, aber den Umständen entsprechend immer noch ganz gut :)
Den Abschluss des Wochenendes machen Ana, Lena und ich mit einer (wie immer) gmiadlichen Wanderung zu den Kapruner Stauseen. Begleitet wurden wir von deutschen Touristen mit dem Kommentar: "Schau; der kann heut scho wieder laufen!" (Hatte das Finisher Shirt an ????)

Luki Hartmann (5:11:29)
Nach meiner Premiere auf der Halbdistanz in Obertrum im letzten Jahr, hat sich die Halbdistanz in Zell am See mit den ÖSTM und als Vereinscup Event, als gute Wiederholung auf der Distanz angeboten – dass es dann sogar dasselbe Wetter sein würde, damit hätte ich jedoch im Vorhinein nicht gerechnet.
Für meine Rennpremiere unter der IRONMAN Marke war ich gut vorbereitet, die Strecke und Umgebung hatte ich schon Anfang August erkundet und mein Training lief die letzten Wochen reibungslos.
Motiviert und mit gewohnter Rennanspannung ging es nach erfolgreichem „Sackerl sortieren und packen“ am Sonntag an den Start. Danke an dieser Stelle auch an alle anderen StarterInnen (& Daheimgebliebenen), die beim Fachsimpeln über Strategien, Strecke, Kleidung, Tipps für die Wechselzone usw. immer kompetent zur Seite standen. Hervorheben möchte ich auch Roberts weise Vorhersagen, die sich alle bewahrheitet haben:
1) Zell am See ist schneller als Obertrum! => so war´s
2) Ich schwimme ca. 34 Minuten, das schaffst du auch! => so war´s
3) Es wird am Rad nicht zu kalt sein => so war´s
Mein Rennen selbst lief sehr gut. Beim Schwimmen konnte ich tatsächlich Roberts Beine über die gesamte Distanz halten, nach flottem Wechsel ging es auf die Radstrecke auf der ich gut dosiert bis Lend und rauf nach Dienten bzw. den Filzensattel problemlos kam. Noch dosierter war jedoch die Abfahrt. Danach konnte ich die restliche Radstrecke ganz gut Tempo machen, mich gut verpflegen und trotzdem entsprechend Kraft fürs Laufen sparen. Schon in T2 war das Gefühl in den Beinen ganz gut und das Gefühl für den abschließenden Lauf zuversichtlich - großen Druck gab es jetzt nur mehr auf der Blase, daher war der zweite Wechsel etwas ausgedehnter. Beim Laufen fand ich von Anfang an ein gutes Tempo und aufgrund der vielen Labestellen und der kurzweiligen Streckenführung gingen km für km gut vorbei. Nach der zweiten Wende in Thumersbach zuckten schon kurz die Mundwinkeln nach oben und da die Beine noch recht gut waren konnte ich noch ein wenig zulegen, ehe es im Finish durch Zell fast wie von selber ging.
Ein tolles Event, eine super Strecke und für mich ein super Finish und sehr zufrieden mit meinen konstanten Leistungen in allen 4 Disziplinen.
Swim: 34:21
T1: 3:48
Bike: 2:46:35
T2: 4:18
Run: 1:42:30
Gesamt: 5:11:29

Fabian Trevisan (5:19:58)
Mitteldistanz Zell am See. Endlich mal wieder ein Wettbewerb für mich, nach gut 11 Monaten. Die fehlende Routine spüre ich in den Tagen davor massiv. Ich habe drei bis vier Mal gecheckt, was ich alles brauche oder ob ich alles habe und selbst dann war ich mir noch unsicher. Nachdem ich das Rad eingecheckt habe (das zu groß für die Racks und somit ziemlich schräg in der Wechselzone abhing), ging es etwas besser. Der Austausch mit Robert in der Wechselzone hat mich beruhigt und das Besprechen, wir er alles so macht half mir.
Am Renntag schaute er mich jedoch mit großen Augen an und fragte, warum ich denn so viele Sachen mithabe (zwei Rucksäcke - um bloß nichts zu vergessen). Gute Frage, ich weiß heute nicht mehr, was alles da drin war, vergessen hatte ich auf jeden Fall nichts :D.
Das ungewohnte Schwimmen mit den vielen Leuten und dem engen Neo bereitete mir anfangs mentale Schwierigkeiten, dies bekam ich jedoch bis zur Wende in den Griff, auch wenn das Atmen bis zum Schluss ungewöhnlich schwer fiel. Mit dem Wechsel aufs Rad fing es an Spaß zu machen. Allerdings nach kurzer Zeit verlor ich eine Flasche - anhalten, aufheben, weiter. 10min später das gleiche, jedoch ohne das Anhalten und Aufheben. Die Radstrecke ist schön, der Regen nervt, aber mit dem Anstieg nach Dienten machte ich mir um die Kälte keine Sorgen. Vorsichtige Abfahrt und dann nochmal die Strecke genießen. Der Wechsel aufs Laufen ging gut - viel zu schnell gestartet, wie immer, aber kurz darauf die richtig Pace gefunden. Ich freute mich schon auf den Monkeys Fanclub, der wieder mal unglaublich Stimmung machte und somit für extra Motivation sorgte. Gerade in die erste Runde, raus aus der Stadt gelaufen, kommt mir Christian entgegen. Halleluja, was für ein Tempo hat er denn an den Tag gelegt? Respekt!
Der Lauf geht gut, solide für meine Verhältnisse und ohne große Beschwerden. Triathlon-Herz was willst du mehr? Der Zieleinlauf ist voll und laut, ein super Gefühl, kurzer Stopp beim Fanclub bevor es über die Ziellinie geht. Geschafft.
Danke an den super Fanclub und der wahnsinnig tollen Unterstützung aller auf und abseits der Strecke.

Robert Schlederer (5:36:58)
Es war mein dritter IM 70.3 in Zell am See. Beim ersten Mal 2018 wurde das Radfahren aufgrund eines Wetterumsturzes mit Schneefall am Filzensattel abgesagt, deswegen startete ich 2019 noch einmal. Da heuer die österreichischen Meisterschaften in der Mitteldistanz nach Zell am See vergeben wurden war es für mich klar wieder teilzunehmen.
Da ich heuer schon viele Wettkämpfe absolviert hatte, waren meine Erwartungen nicht hoch, sondern mit Fokus auf Genießen des Wettkampfes und des Monkey Spirits. Das Schwimmen verlief sehr gut, vielversprechend für das weitere Rennen. Ich kam mit Luki gemeinsam aus dem Wasser, ein schneller Wechsel und ab auf’s Rad. Ab der Hälfte der Steigung auf den Filzensattel war die lange Saison schon deutlich in den Beinen spürbar und die letzten zwei steilen Kilometer waren richtig hart. Genau oben am Pass regnete es am stärksten und mit meinen Carbonfelgen mit Felgenbremsen zitterte ich mich die steile Passage bergab. Auf dem Rest der Radstrecke konnte ich noch wie geplant gut Tempo machen. Beim Laufen waren meine Beine schwer und ich motivierte mich damit, dass nach dem Zieleinlauf meine Saisonpause anfängt.
Letztendlich war es ein gelungener Saisonabschluss, deutlich schneller als zuletzt 2019, eine gewohnt gute Organisation von Ironman und großartiger Zusammenhalt und Unterstützung aller Monkeys.

Ana Zrilic (5:37:11)
Und noch ein tolles (verlängertes) Wochenende mit der besten Monkey Familie ging zu Ende. Ironman 70.3.Zell am See, Man kennt’s. Für die einen eine wohlbekannte Strecke, für die anderen das erste Mal. Für mich: meine erste Halbdistanz.
Lena, Christian und ich starteten ganz gemütlich Freitagnachmittag aus Wien und waren am Abend in Zell. Die sehr regnerische Ankunft feierten wir mit einer Pizza.
Am Samstag, nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Startnummernausgabe und uns wurde klar, dass die kerzengerade Strecke, die wir über den See schwimmen werden am nachfolgenden Tag gar nicht so kurz aussieht. Begleitet von gutem Wetter waren wir im Zentrum von Zell und schauten uns noch die Expo an. Dank unserem großen Verein gab es für uns sogar zwei Schwimmkappen. Schon ein cooles Gefühl, Teil von „the biggest team racing“ zu sein. Wir holten uns unsere coolen Rucksäcke ab und machten uns auf den Weg zur Unterkunft. Heutiges Programm: aktivieren. Am Weg zurück, sahen wir einige Hochmotivierte, die bereits mit Neo im Wasser waren und am Rand eine eigene Wechselzone eingerichtet hatten. Mit Christians Worten „Die machen heute einen Mini Triathlon? Das macht doch gar keinen Sinn.“ machten wir genau das gleiche. 30 km Rad, 5km Laufen und paar 100m-Schwimmen später gönnten wir uns ein Late Lunch mit Seeblick und checkten unser Rad ein. Die tolle Jugendherberge direkt an der Wechselzone hatten wir schon früh gebucht, was uns so manchen Stress ersparte. Am Abend stand das Monkey Dinner am Programm. Durch mentale Stärkung von unserem tollen Fanclub fühlten wir uns bereit für den morgigen Tag.

Sonntag-Race day:
Alles war nass aber die Atmosphäre und Stimmung waren trotzdem gut und positiv. Triathleten haben andere Probleme als Regenschauer. Um 11 fiel der Startschuss. Das Schwimmen – mein größter Feind – ging besser als gedacht. Für mich hieß es nur mitziehen. Trotzdem überholte ich einige Bewerber was mir mehr Vertrauen gab. Mit 38 Minuten war ich raus aus dem Wasser und stark erleichtert.
Filzensattel rauf denke ich nur an die Worte der Erfahrenen: „Nicht zu sehr verausgaben am Anfang der Steigung.“ 1200hm später, am höchsten Punkt angelangt, ging es los die km/h aufzuholen. Bei der Abfahrt überholte ich einige vorsichtige Zeitfahrer was mir ein gutes Gefühl gab auch wenn klar ist, dass sie einfach nur intelligent und vorsichtiger sind. Ich dachte mir nur: zum Glück weiß meine Mutter nicht genau was ich hier mache. Mit einem Bikesplit von 2h54min rollte ich in die Wechselzone ein und machte mich bereit für den chilligen Teil des Rennens. Auf der Laufstrecke ließ der Regen nicht locker. Dafür glänzen jetzt unsere Beine auf den Fotos; auch cool. Der Fokus beim Laufen lag darin meine Pace konstant zu halten und meine Asthmaprobleme im Griff zu haben. Trotz vieler Skepsis in den letzten Monaten, ob ich überhaupt starten kann, fühlte ich mich gut an dem Tag und beendete meinen ersten 70.3 mit einer soliden Zielzeit von 5h37min.

Weiter geht’s im Teil 2…hier findet ihr Fotos und den Link zu Teil 2:
Fotos: https://tri.sportsmonkeys.at/news/?id=495
https://www.sportograf.com/de/event/8268
Teil 2: https://tri.sportsmonkeys.at/news/?id=497

Sunpie Agency