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CHALLENGE St.Pölten-Trainer Debüt

6. Juni 2024ca. 5 Minuten Lesezeit

Vor rund drei Monaten haben mich einige der Sports Monkeys Funktionäre überreden wollen,...
...bei der Challenge St. Pölten an den Start zu gehen, um wichtige Vereinscuppunkte zu sammeln. Nach etwas zögern stimmte ich dann zu, da man ja nie weiß wann es Schluss ist mit der Triathlon-Karriere und ich will in Zukunft nicht hören müssen: „Kurzdistanz warst du im Nachwuchs eine Nummer, aber Mittel-Distanz hast du nie gemacht?“ Außerdem könnte diese Erfahrung im weiteren Trainerleben eine Bereicherung sein. Darum wurde der eigene „Trainingsplan“ bisschen umgestellt und auf längere „Ausdauer-Einheiten“ gesetzt.

Waren die Wochen davor noch einigermaßen stressig (Abschlussprüfungen, Jungaffen auf die Nachwuchs ÖM vorbereiten, schnell noch eine Verkühlung zwei Wochen vor Challenge St. Pölten aufgerissen), ging es mehr oder weniger gut vorbereitet Richtung St. Pölten-Wochenende. Ein Zeitfahrrad extra für diesen Wettkampf zuzulegen, kam für mich aber nicht in Frage, wer weiß wie viele Halbdistanzen ich noch in Zukunft starten werde? Und sowas wieder zu verkaufen ist aufwendig…, da verzichtete ich auch gleich auf einen aerodynamischen Zeitfahrhelm, nach dem Motto: Geld sollte selbst im Langdistanz-Triathlon keine Rolle spielen, wichtig ist nicht das Material sondern der Athlet, der am Rad draufsitzt. Somit wurden die Kurzdistanz-Auflieger aufs Rennrad geschraubt und die Satteltasche rauf, um eine Chance zu haben den Schlauch zu wechseln, falls mich wieder das Pannenpech heimsucht. Jetzt heißts nur mehr „Augen zu und durch“!

Mit kaum Nervosität und dem Ziel, um die 5h zu bleiben, ging es in der ersten Amateur-Startwelle mit meinen Spezis Matthias, Vinci und Georg ins 1,9km lange Schwimmen. Schnell fand ich mich in einer angenehm temporierten Schwimmgruppe. Ich blieb im Wasserschatten, um möglichst viel Kraft zu sparen und vertraute meinen Vorderleuten blind, in der Hoffnung, dass sie die kürzeste Linie von Boje zu Boje schwimmen würden. Beim rutschigen Landgang wurden ein paar Prozent herausgenommen, um einen frühzeitigen Sturz zu vermeiden, ein nicht so edler Kopf-Sprung in den zweiten See beendete den - für Zuschauer spektakulären - Landgang. Nach rund 29min kam ich in die Wechselzone und hoffte meinen Wechselsack, anders als andere Monkeys, schnell zu finden. Neo war schnell ausgezogen, jetzt noch flink die Socken anziehen, nur das Radwerkzeug wollte nicht so recht in die Rückentasche des Langdistanz-Anzuges finden. Nun versuchte ich wie ein Verrückter die verlorene Zeit beim Rad-holen in der NV-Arena wieder gut zu machen, um die langsameren Athleten beim Rad-schieben zur Mount Line zu überholen. Schnell fand ich eine geeignete Radposition und einen guten Tritt-Rhythmus, den ich glaubte, bis zu 3h durchfahren zu können. Nach der ersten Radzwischenzeit stand ein 40km/h Schnitt zu buche. Auch nach 30km und 50km gings noch gut. Dann kam ein kleines Lüftchen auf und ich zählte schon die km, bis die Strecke endlich nach links abbog, wo der Anstieg Richtung Gansbach begann. Jedes Mal sammelte ich ein paar Athleten, die mich vorher im flachen überholt haben, beim Bergauffahren wieder ein. In der Ortschaft Aggstein, mit Hannes Polak, dann das erste bekannte Gesicht, das mich seit einiger Zeit überholte. Oben in Gansbach nochmal die Atmosphäre aufgesaugt, bevor es wieder bergab ging. Nach 2h35min Rad-Zeit Richtung St.Pölten eingebogen, musste ich zweimal auf die Uhr schauen, ob die Uhr richtig geht, denn eigentlich habe ich bestenfalls mit einer Rad Zeit von 2h50min gerechnet. So stieg ich nach 2h41min vom Rad ab und konnte mir beweisen, dass eine gute Radzeit, zumindest auf dieser Strecke, auch ohne TT-Bike möglich ist. Dann ging´s an den wahrscheinlich härtesten Part der Halbdistanz, das Laufen. Gleichzeitig mit einer jungen Dame, welche ein ähnliches Anfangstempo (4:30min/km anschlug), ging es auf die Laufstrecke. Nach km 2 mal ungeniert neben der Strecke kurz ausgetreten (gehört auch dazu), waren km 3 und 4 etwas schneller, um die Lücke zu meiner vermeintlichen Tempomacherin wieder zu schließen. Km 5-9 pushten wir uns gegenseitig, das Tempo wurde schneller (4:15min/km). Gemeinsam liefen wir bis km 10, dort musste ich dann reißen lassen und nahm die letzte Runde allein in Angriff. Mental gings noch gut, doch energiemäßig wurde es langsam knapp. Schnell mal kurz vor der Labe bei km 13 rausgenommen, um mich nochmal zu verpflegen, ging es auf die letzten acht Kilometer. Beim Rauslaufen aus der Stadt, bei km 17 dann zum ungünstigsten Zeitpunkt des Rennens das Gefühl von Bauchweh und Blähungen. Schnell nochmal kurz stehen geblieben gings dann auf die letzten 3km, wo ich von meinem Bruder Lukas ins Ziel gepeitscht wurde. Am Ende standen 4h54min10s auf der Uhr. Eine unfassbare Erleichterung nach einigen schweren Monaten, in denen ich alles unter einen Hut bekommen musste und die Motivation, zu 90% aller Trainingseinheiten allein zu absolvieren, nicht immer ganz groß war, machte sich in mir breit. Endlich mal wieder ein Tag, wo fast alles aufgegangen ist, nach meinem DNF zum Saisonstart in Maissau. Dies wurde belohnt mit der fünftschnellsten Monkeys Zeit an diesem Tag und einer
ÖM-Silbermedaille in der U23-Wertung.

Mit Florian Kaiser gab unser jüngster Monkey ebenfalls sein Debüt und wurde mit einer tollen Zeit von 5h25min dritter in der ÖM Wertung U23-Bravo! Auch allen anderen Monkeys herzliche Gratulation zum Finish. Vor allem unserem Silberrücken, der sich bis zuletzt ins Ziel kämpfte, denn Aufgeben war für ihn keine Option!

Was bleibt sind durchaus positive Erinnerungen und ein persönliches Manko, welches behoben wurde und mich schon länger geärgert hat: Endlich auch mal eine Einzel ÖM-Medaille im Triathlon und nicht nur 2x im Aquathlon! Lang hat´s gedauert…. zu lang…aber immerhin!

Markus Gstaltner
geschrieben von Markus Gstaltner

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