Der Sports Monkeys Triathlon Club

Straße von Bonifacio

10. Oktober 2025ca. 4 Minuten Lesezeit

Von Korsika nach Sardinien

Wer mich kennt, weiß: Ich bin nicht nur begeisterter Triathlet, sondern liebe es auch, im Meer zu schwimmen. Letztes Jahr stand eine Durchquerung auf den Azoren im Atlantik auf dem Programm – und für heuer hatte ich mir vorgenommen, die Meerenge zwischen Korsika und Sardinien zu schwimmen.

Diese Passage ist weniger für ihre Strömungen, sondern vielmehr für das wechselhafte Wetter bekannt. Wie bei solchen Unternehmungen üblich, bekommt man einen Zeitraum von mehreren Tagen, in dem man vor Ort sein muss – gestartet wird dann am besten Tag.
Schon beim ersten Akklimatisationsschwimmen fühlte ich mich großartig: Das Wasser hatte angenehme 22 bis 23 Grad. Verlockend also, den Neoprenanzug wegzulassen – puristischer, und eigentlich schwimme ich ohnehin lieber ohne.

Am 22. September war es dann soweit. Früh aufstehen, zum Hafen Conca Verde in Sardinien fahren, aufs Begleitboot steigen und rüber nach Korsika – so war der Plan. Doch das Wetter machte uns zunächst einen Strich durch die Rechnung: Kaum aus dem Hafen, setzten Regen und Sturm ein. Also wieder zurück an Land und warten – nicht einfach, wenn man als Athlet mental schon komplett auf Start eingestellt ist.

Dann endlich das Kommando: Wir fahren los, die Wetterfront soll bald abziehen. Die Überfahrt nach Korsika war allerdings alles andere als angenehm – das Boot schaukelte stark, der Regen hielt an, und ich war bald völlig durchnässt und fröstelte. Ich war einer der wenigen, die sich gegen den Neo entschieden hatten – erschien mir in dem Moment nicht wie die richtige Wahl, ändern konnte ich es jetzt allerdings sowieso nicht mehr.

In Korsika angekommen, zitternd, noch schnell mit einer Mischung aus Vaseline und Sonnencreme eingeschmiert, berührte ich den Felsen an Land – Startsignal.
Ich hatte im Vorfeld vereinbart, allein zu schwimmen, nicht in einer Gruppe. Kaum im Wasser, fühlte ich mich sofort besser und fand schnell meinen Rhythmus. Das Wetter war anfangs noch unruhig, mit kleinen Wellen, doch nach etwa einer Stunde klarte es zunehmend auf.
Theresa war auf meinem Begleitboot und verantwortlich für mein komplettes Ernährungskonzept und meine Orientierung. Neben der Versorgung gab es von ihr auch immer wieder motivierende Worte und selbstgemalte Zettelchen die ich vom Wasser erkennen konnte – und natürlich durften unsere treuen Badeentchen, die schon beim Wörthersee-Schwimmen teilweise dabei waren, auch diesmal nicht fehlen. Die geplante Nahrungsaufnahme funktionierte perfekt, ich vertrug alles gut und sah Sardinien langsam näherkommen. Ein Stückchen schwamm Theresa auch neben mir und sorgte so für eine willkommene Ablenkung.

Nach etwa zweieinhalb Stunden im Wasser dann plötzlich ein stechender Schmerz in meiner rechten Hand-
– ich war direkt in eine Qualle geschwommen. Sofort signalisierte ich dem Begleitboot, dass ich Hilfe brauchte (ohne es natürlich zu berühren – das ist nicht erlaubt). Theresa reagierte deutlich besser als ich. Ich wollte direkt weiterschwimmen, nachdem ich die Wunde mit Wasser abgespült hatte, aber sie überzeugte mich, kurz anzuhalten und die Verletzung korrekt behandeln zu lassen – zunächst das Gift herauskratzen, dann eine betäubende Creme auftragen. Im Nachhinein eindeutig die bessere Entscheidung, da das Brennen noch lange anhielt und die Spuren der Qualle selbst 3 Wochen später noch erkennbar sind.

Mit Sardinien bereits in Sicht und einem nach wie vor hervorragenden Wassergefühl war die Motivation kein Thema mehr. Der letzte Felsen kam allerdings nur langsam näher – eine Gegenströmung machte die Orientierung schwierig. Theresa gab vom Boot aus ihr Bestes, mich auf Kurs zu halten.

Und dann endlich: den Felsen berührt, in Sardinien angekommen!
Distanz: 13,1 km, Zeit: 3 Stunden und 49 Minuten
Als Krönung kam noch hinzu, dass ich die bisher schnellste Zeit ohne Neopren bei diesem Veranstalter schwimmen konnte. Ein schöner Bonus – und Grund genug, schon über neue Projekte nachzudenken. Ideen gibt’s jedenfalls genug….

Stefan Marx
geschrieben von Stefan Marx

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