Europameisterschaft in Madrid

5. Juni 2023ca. 5 Minuten Lesezeit

Meine erste Teilnahme bei einer Triathlon Europameisterschaft und mein allererstes DNF

Nie hätte ich mir gedacht, dass ICH irgendwann mal für Österreich auf eine Europameisterschaft fahren werde. Vor 4 Jahren erst habe ich mit dem Sport angefangen. Und es ist schon so viel passiert – viele coole Wettkämpfe, Stockerlplätze, Ö-Vizemeister oder auch eine Mitteldistanz. Am liebsten natürlich wo viele Monkeys dabei sind.
Im letzten Jahr nach der olympischen Distanz in Obertrum kam dann die Nachricht vom ÖTRV, dass ich mich für die EM in Madrid Anfang Juni qualifiziert habe. Zuspruch von allen Seiten – die Chance musst du ergreifen. Nach kurzen Bedenken – ein JA – ich mach es. Die Vorbereitungszeit lief so lala. Beruflich sehr eingedeckt, wochenlang kränklich aber die letzten Wochen davor gingen richtig gut und es hat so viel Spaß gemacht wieder im Training zu sein.
Nach der Anreise am Donnerstag dann am Freitag – Startunterlagen holen, diverse Fotos und das offizielle Briefing von den österreichischen Teammanagern. Dort hinterfragte ich die Cut-Off Zeiten – die für mich relativ knackig waren für eine olympische Distanz. Ich hatte Bedenken, Sorgen und Ängste, ob ich es schaffen würde. Nach vielen Gesprächen mit Teilnehmern, die bei der ein oder anderen Europameisterschaft schon teilgenommen haben – kam eigentlich von jedem, dass es nicht so eng gesehen wird. Das bestärkte mich und ich konnte meine „negativen“ Gedanken bei Seite schieben.
Freitag 0:30 – aus dem Triathlon wird wegen der schlechten Wasserqualität ein Duathlon – 2x Laufen. OH NO! Laufen ist meine schlechteste Disziplin - ich bin extrem langsam – aber gut machen wir‘s einfach – ich will ja NUR ins Ziel kommen.
Samstag 12:03 - die letzte Startgruppe für die olympische Distanz- on your marks – los geht‘s. Das Feld vor mir war binnen kurzer Zeit weg. Ich lief aber konstant in meinem Tempo die 5 km runter – gut gelaunt ab in die Wechselzone und aufs Rad. Der Vorteil, wenn man als Letzte in die Wechselzone kommt – man braucht sein Rad nicht suchen.
Alle weg – keiner da – allein auf der Radstrecke – es war heiß – ich war einsam – obwohl einsam nicht wirklich, ich hatte über die gesamte Strecke hinweg Begleitschutz vom Motorrad schräg hinter mir. Die Strecke war nicht ganz leicht, lange Steigungen – zwar nicht steil, aber mühsam und das in der prallen Mittagssonne, hin und wieder ein Streckenposten, der anfeuerte. Ein Teil der Strecke war auf der gesperrten Schnellstraße – geiles Gefühl – richtig laufen lassen und die Aero-Position halten. Viele Gedanken auf dem Rad aber der absolute Wille das Ding durchzuziehen. Nach der ersten Runde ein Energiekick durch die Anfeuerung meiner Familie, der Monkeys und ein paar anderer Zuseher. Nach 37,2 km runter vom Rad.
Voller Freude kam ich zurück in die Wechselzone - zog mir routiniert die Laufschuhe an – schnappte noch mein letztes Gel für die Laufrunde und wollte motiviert auf den letzten Teil des Duathlons gehen – 10km Laufen. Plötzlich, wie aus dem Nichts erschienen 2 Technical Officials – machten eine Handbewegung und sagten – you are out oft the race. Ich fragte noch nach ob ich einfach nur Laufen darf – mir ist es egal ob ich in die Wertung komme – es kam ein ganz klares NO. Für mich brach in dem Moment eine Welt zusammen, fing sofort an zu weinen, lehnte mich auf die Radständer – machte einen Blick zu meiner Familie – sagte nur ich hab’s nicht geschafft – bike cut-off. Danach setzte ich mich auf den Boden und weinte, weinte, weinte…zu mir setzte sich eine Team Austria Athletin, die beim Laufen leider gestürzt war und somit nicht mehr finishen konnte. So saßen wir gemeinsam enttäuscht und traurig am Boden - starrten auf die Wechselzone – die Minuten vergingen. Irgendwann bin ich dann zu meiner Familie gegangen – Max und Markus haben mich in den Arm genommen. Max war so traurig, dass ich es nicht ins Ziel geschafft habe, dass er mitgeweint hat. Alex Sumper gab mir tröstende Worte – „Sieh es als Training für den nächsten Wettkampf – deine erste internationale Erfahrung“. Kurz gab ich noch eine Nachricht an meine Trainingsbuddies (Teamaperolspritz & Schnittlauchbrot) und Coach Müller. Nach gefühlt einer Ewigkeit konnte ich mich von der Wechselzone trennen und sagte zu meinen Jungs – lasst uns ins Ziel gehen, noch ein bisschen positive Stimmung einfangen. Das könnte mir helfen. Am Weg dorthin kam mir dann der Gedanke – auch wenn ich nicht gefinished habe – frag ich nach ob ich die Medaille als Andenken bekomme. Bereitwillig bekam ich diese. Eine Medaille die sicherlich einen Ehrenplatz bei mir bekommen wird. Für ein Rennen, wo ich gestartet bin und wo es von Anfang an nur ums Durchkommen gegangen ist – ich es aber nicht geschafft habe. Markus sagt immer, du hast jeden besiegt, der nicht angetreten ist, wie wahr.
Später im Hotel als ich mir die Fotos angesehen habe - wurde mir klar: das was für mich diesen Sport ausmacht, den Spaß, den ich dabei habe, den Kampf den ich so sehr liebe im Rennen, den „Flow“ in dem ich mich befinde, die Abwechslung während des Wettbewerbs und die Stimmung, die Anfeuerungsrufe vom Publikum - all das hatte ich auch bei diesem Rennen, auch wenn ich es dieses Mal nicht über die Ziellinie geschafft habe. Ein DNF (did not finish) tut zwar kurzfristig weh, deprimiert einen, aber hält mich bestimmt nicht davon ab weitere Wettkämpfe zu machen.
Ob ich noch einmal an einer Europameisterschaft teilnehmen werde, weiß ich noch nicht – jetzt fahren wir mal zur Triathlon Weltmeisterschaft nach Hamburg.
Go Austria – Go Monkeys.
Ingrid Wick Felinger

Ingrid Wick-Felinger
geschrieben von Ingrid Wick-Felinger

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